Marc Surer rätselt ebenfalls über die Geschehnisse bei Red Bull

Formel 1 2010

— 13.09.2010

Surer: "Ein merkwürdiger Zufall"

Die Monza-Rennanalyse mit 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer: Von Zufällen, Strategiepatzern, Standzeiten und Fehlern der Weltmeister

Fernando Alonso bezwingt Jenson Button und feiert einen Ferrari-Heimsieg in Monza, Lewis Hamilton im Aus und kuriose Vorfälle bei Red Bull. Der Grand Prix von Italien bietet auch im Rückblick viel Gesprächsstoff. Vor allem bezüglich der Geschehnisse um Mark Webber und Sebastian Vettel gibt es noch viele Fragezeichen.

Bereits in der zehnten Runde rieben sich viele Zuschauer verwundert Augen und Ohren. Webber hatte sich nach einem schlechten Start wieder gefangen und begann die Aufholjagd auf seinen Teamkollegen Vettel. Plötzlich wurde der Australier von der Box gebeten, seine Reifen zu schonen. Jene Pneus also, die am Wagen von Vettel insgesamt über 50 Runden lang bestens halten sollten - seltsam.

Nur wenige Runden später das nächste Kuriosum. "Vettel bekommt seine Probleme ausgerechnet zu jenem Zeitpunkt, wo der Webber hinter ihm auftaucht", erinnert 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer an die Situation, die es Webber sehr einfach machte, an seinem Teamkollegen vorbei zu kommen. Vettel klagte über wenig Vortrieb, wenig später nahm er jedoch wieder sehr gutes Tempo auf.

Red-Bull-Berater Helmut Marko erklärte, dass es erneut ein kleines Feuer in der Airbox gegeben haben könnte, man habe das Problem über ein verändertes Motorenmapping in den Griff bekommen. Das gleiche Phänomen hatte bereits Webber im Training zum Anhalten gezwungen. Doch von dieser möglichen Ursache wollte später niemand mehr etwas wissen.

Kleine Feuer in der Airbox? Die Konkurrenz dürfte bei solchen Dingen aufhorchen, denn so etwas könnte Hinweise darauf geben, wie Renault den Motor betreibt, um konstant Auspuffgase auf den Diffusor strömen zu lassen. Teamchef Christian Horner sprach zuerst davon, dass sich ein Abreissvisier in der Airbox verfangen haben könnte, später gab man in einer offiziellen Stellungnahme jedoch eine festsitzende Bremse als Ursache an.

"Okay, es kann alles Zufall sein - aber ein merkwürdiger Zufall", sagt 'Sky'-Kommentator Surer mit einem vielsagenden Lächeln. "Aber es hatte sich später wieder alles erledigt." Was zu jenem Zeitpunkt noch niemand wissen konnte: Vettels Motor schob wunderbar, der Heppenheimer konnte schneller fahren als Webber, Nico Hülkenberg und sogar Nico Rosberg.

Der Deutsche fuhr bis zur vorletzten Runde mit dem ersten Reifensatz, wechselte schnell auf die harten Pneus und reihte sich sensationell als Vierter wieder ein. "Aber was hätten sie gemacht, wenn er nicht vor Rosberg, sondern vor Webber herausgekommen wäre? Da wäre ich gespannt gewesen", lacht Surer. Vettel hatte nicht nur vom eigenen Speed profitiert, sondern auch von einem kleinen Fahrfehler Rosbergs und dem rundenlangen Duell Webber gegen Hülkenberg.

"Er hat Webber aufgehalten, aber das ist sein gutes Recht. Der Nico Hülkenberg ist ein starkes Rennen gefahren. Er war schneller als Barrichello. Tolle Leistung, mir gefällt er jetzt", lobt Surer den Williams-Rookie, der Webber lange Zeit hinter sich halten konnte, ihn später aber ziehen lassen musste. Vettel übertölpete derweil die gesamte Szene mit seiner perfekten Strategie.

"Ich hätte das an Buttons Stelle auch so gemacht. Ich wäre gefahren, bis die anderen hereinkommen", meint Surer, nachdem der amtierende Champion nur Zweiter hinter Alonso wurde. "Es war klar, dass die erste Runde mit den harten Reifen langsam ist. Bei dieser Geschichte verlierst du. Button ist ein Reifenflüsterer. Der hätte das machen müssen."

McLaren wählte nicht nur die falsche Boxenstoppstrategie, sondern brauchte auch beim Reifenwechsel fast eine Sekunde länger als Ferrari. Das waren die entscheidenden Meter, die Button zur Sicherung seiner Führung fehlten. "Das haben sie an der Box verloren, mit Strategie und dem langsamen Stopp", fasst Surer zusammen.

Alonso konnte aufgrund dessen einen Ferrari-Heimsieg markieren und sich mit seinem dritten Erfolg des Jahres in der Gesamtwertung verbessern. Der Spanier hat als Dritter 21 Zähler Rückstand auf Webber. "Sie sind mir zu inkonstant", meint Surer über die WM-Chancen von Ferrari und Alonso. "In Belgien hatte ich mit ihnen gerechnet, aber sie waren nirgendwo. In Monza hatte ich auf McLaren gesetzt, aber plötzlich war Ferrari schnell."

"Man kann es in dieser Saison kaum einschätzen. Es verändert sich von Rennen zu Rennen immer wieder. Wenn einer zwei Zehntel findet, ist er vorne. Das ist mittlerweile eine Welt. Das ist Wahnsinn", so der Schweizer über den anhaltenden Entwicklungswettlauf der drei Topteams. Nicht nur die Autos, sondern auch die Piloten und deren Fehlerquote machen diese Saison so spannend.

"Auch Alonso macht Fehler. Er hat sogar schon drei gemacht in diesem Jahr", sagt Surer. "Auch wenn Hamilton jetzt einen dummen Fehler gemacht hat: Ich habe ihn auf der Rechnung. Er hatte jetzt also einen Fehler und zwei technische Ausfälle und ist dennoch vorne dabei. Das spricht für ihn. Aber solch ein Zwischenfall musste mal passieren. So wild, wie er oft in die erste Runde geht."

Fotoquelle: Sky

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