Titelkampf: Fernando Alonso hat sich durch den Monza-Sieg gut positioniert

Formel 1 2010

— 14.09.2010

Titelkampf: Red Bull mit Vorteilen und Sorgen

Fünf Titelkandidaten gehen in die letzten fünf Rennen der Saison 2010: Fachleute sehen Mark Webber als Favorit - Muss Red Bull den Unterboden umbauen?

Hat Red Bull schon die letzte große Hürde auf dem Weg zum ersten Weltmeistertitel gemeistert? Viele Fachleute sind sich einig, dass der RB6 auf den noch verbleibenden Strecken in Übersee wieder weit vorne liegen wird. Vor allem in Singapur und Suzuka könnten WM-Leader Mark Webber und Sein Teamkollege Sebastian Vettel wieder vom enormen Abtrieb des Autos profitieren, heißt es - zumindest in der Theorie.

Dass die Praxis 2010 oft anders aussieht, hat das vergangene Rennen in Monza deutlich gezeigt: Red Bull war besser als angenommen, McLaren nicht in einer eigenen Liga und Ferrari plötzlich ganz vorne. "Normalerweise gebe ich keine Tipps ab. Doch ich sage jetzt mal Webber im Red-Bull", meint der erfahrene Teamchef Peter Sauber in der Zeitung 'Blick'. Der Schweizer lässt sich erfahrungsgemäß nur dann zu Vorhersagen hinreißen, wenn es deutliche Tendenzen gibt.

Zweikampf der zwei "Bullen"?

"Aus dem WM-Fünfkampf wird am Ende ein Zweikampf Vettel gegen Webber. Die Red-Bull-Autos werden die Nase vorn haben, weil sie das beste Gesamtpaket haben. Sie sind technisch die schnellsten", stößt Ex-Weltmeister Niki Lauda in der 'Bild' in die gleiche Richtung. "Webber ist im Moment in einer sehr guten Position. Aber Vettel hat in Monza bewiesen, dass er Risiko gehen und trotzdem cool bleiben kann. Ich glaube, wenn die letzten Rennen normal verlaufen, kann Vettel es packen", so der Österreicher.

24 Punkte trennen die fünf Titelrivalen Mark Webber, Lewis Hamilton, Fernando Alonso, Jenson Button und Sebastian Vettel. "Das ist weniger als die Punkte für einen einzigen Sieg. Webber ist trotz Platz sechs wieder in der Gesamtwertung vorne. Das alles ist ein Spiegelbild dieser Saison. Es unterstreicht nachhaltig, dass diese Saison tatsächlich die spannendste aller Zeiten werden könnte", schreibt Ex-Grand-Prix-Pilot Martin Brundle in seiner 'BBC'-Kolumne.

Der Brite sieht den Fight um den Titel völlig offen. Brundle hat Zweifel an der Einschätzung derer, die Red Bull in den verbleibenden fünf Rennen für favorisiert halten. "Man sagt zwar, dass sie ab Singapur wieder in ihrer Topform sein werden, aber ich würde das erst einmal abwarten wollen", so der Ex-Pilot. Brundle sieht vor allem auch teamintern bei Red Bull wieder dunkle Wolken. "Mark wird sich gefragt haben, warum Vettel plötzlich vor ihm auftauchen kann. Im Moment ist er gelassen. Mal schauen, wie lange das so bleibt."

Was ist mit dem Red-Bull-Unterboden?

Red Bull könnte ohnehin einen Teil des aerodynamischen Vorsprungs wieder verlieren. Mehreren Medienberichten zufolge muss das Team den Unterboden auf Anforderung der FIA bis zum Rennen in Singapur deutlich anpassen. Angeblich war der RB6 zuletzt nicht regelkonform, die FIA wollte diese Tatsache jedoch nicht an die große Glocke hängen - starker Tobak. "Das war eine Hetze gegen uns - und nun haben wir das Ergebnis", klagt Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko in der 'Sportwoche'.

Bisher hat den Umbau am Unterboden niemand offiziell bestätigt. Als Hinweis dient jedoch die Arbeit von Red Bull in den Trainingssessions in Monza. Dort hatte man am Fahrzeug von Vettel immer wieder Signalfarben am Heck verwendet, die den Luftstrom verdeutlichen. Solche Methoden sind nicht unüblich, allerdings hat man so etwas noch nie zu einem solch späten Zeitpunkt einer Saison gesehen. Eigentlich müsste man das Auto gut genug kennen. Es sei denn, es steht ein radikaler Umbau an...

"Es ist spannend. Jetzt haben wir den schwierigsten Kurs erst einmal hinter uns", atmet Red-Bull-Teamchef Christian Horner nach Monza erst einmal durch. "Dass wir jetzt in den beiden Meisterschaften führen, ist fantastisch." Auch Berater David Coulthard sieht die Mannschaft auf einem guten Weg. "Trotz all der schlechten Vorzeichen für Red Bull, hat Mark Webber die Spitze in der Gesamtwertung übernommen. Damit muss man sehr glücklich sein", meint der Schotte.

"Es wird eng sein in den letzten fünf Rennen, bis Abu Dhabi bleibt es spannend", sagt Coulthard. "Aber natürlich ist es von Vorteil, wenn man als Führender der Gesamtwertungen in diesen Zielsprint geht. Diese wenigen Punkte Vorsprung können am Ende entscheidend sein." Zum Rennen in Monza fügt er hinzu: "Der einzige Verlierer in Reihen der fünf Titelkandidaten ist Lewis Hamilton." Der Brite hatte seine WM-Führung nach einem Crash in der ersten Runde durch das frühe Aus verloren.

McLaren-Harmonie als Vorteil?

"Im Prinzip müssen wir uns alle bei Lewis Hamilton für seinen blödsinnigen Ausfall in Monza bedanken. So wird der Titel-Endspurt affengeil", lacht Lauda und bringt die Würze der Saison auf den Punkt. Alle Titelkandidaten haben Fehler gemacht, die Wahrscheinlichkeit für weitere Überraschungen - positiver oder negativer Art - ist groß.

Während Alonso als Ferrari-Einzelkämpfer in die Schlussrunden zieht und bei Red Bull immer ein latenter Zwist der beiden Piloten mitschwingt, gehen die beiden McLaren-Stars Hamilton und Button scheinbar Hand in Hand durch das Jahr. "Wir alle wollen den Titel holen, aber am Ende wird es vier Piloten geben, die es nicht schaffen. Aber auch diese Fahrer haben dann Respekt verdient, weil sie Teil des Spektakels waren. Ich hoffe natürlich, dass ich nicht zu den Vieren gehöre", sagt Weltmeister Button.

"Unser Auto ist konkurrenzfähig, aber das kommende Rennen wird schwierig für uns", sagt der Brite gegenüber 'Reuters'. Er fügt hinzu: "Noch liege ich etwas zurück, also muss ich zwangsläufig attackieren." Die Situation sei ganz anders als im vergangenen Jahr. Damals war Button der Gejagte. "Ich werde mich nicht zurücklehnen und auf konstante Resultate setzen, so wie ich es in der zweiten Saisonhälfte 2009 gemacht habe. Das war mental auslaugend. In diesem Jahr muss ich aggressiv herangehen", meint Button.

Button als Titelträger entspannt

Diese Aggressivität könnte zu Fehlern führen. Genau so etwas ist seinem Teamkollegen Hamilton in Monza passiert. "Das ist eben Lewis Hamilton", hakt McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh den Ausfall von Monza schnell ab. "Er ist aggressiv, aber ich würde ihn mir nicht anders wünschen. Ich bin sicher, dass er sich kurz ärgert und nun schon wieder daran denkt, wie er in Singapur glänzen kann. Dort hat er im vergangenen Jahr gewonnen, und das will er in diesem Jahr auch wieder schaffen."

"Ich kann nicht immer alles richtig machen", sagt Hamilton, der das Monza-Aus sofort auf seine Kappe nahm. "Natürlich kann so ein Fehler, wie ich ihn gemacht habe, die Weltmeisterschaft entscheiden", meint der 25-Jährige. "Aber es geht auch darum, wie man damit umgeht, wie man sich selbst wieder herauszieht und wie man zurückschlägt. Auch das macht einen Weltmeister aus. Ich hoffe also, dass ich an solchen Erfahrungen weiter wachse."

Im Gegensatz zu Vettel und Webber haben die anderen drei Titelaspiranten bereits Weltmeisterschaften gewonnen. Ein Vorteil? "Ich spüre komischerweise überhaupt keinen Druck. Das ist seltsam", erklärt Button die Vorzüge, schon einmal die Krone ergattert zu haben. "Ich genieße einfach jedes Rennen. Manchmal denke ich nachts über schlechte Rennen nach. Das ist nicht gut, weil es ablenkt. Aber trotzdem bin ich insgesamt viel entspannter als im Vorjahr. Wenn ich nun das Ergebnis hole, das ich mir wünsche, dann ist es einfach nur unglaublich schön."

Fotoquelle: xpb.cc

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