Colin Kolles geht davon aus, dass HRT auch 2011 mit von der Partie sein wird

Formel 1 2010

— 15.09.2010

"Jeden Tag" Probleme bei HRT: "Da muss man durch"

Colin Kolles' Rede zur Lage der Nation: Warum er Bernie Ecclestones Kritik akzeptiert und was das spanisch-deutsche HRT-Team für die Zukunft plan

Gut ein halbes Jahr nach der Last-Minute-Rettung des Campos-Teams durch den spanischen Geschäftsmann José Ramón Carabante (Eigentümer) und den deutschen Ex-Zahnarzt Colin Kolles (Teamchef) ist HRT zwar das gefühlte Schlusslicht der Formel 1, in der Konstrukteurs-WM liegt der Rennstall aber noch vor Virgin an elfter Stelle.

Denn derzeit steht ein 14. Platz von Lucas di Grassi (Sepang) gegen deren zwei von Karun Chandhok (Melbourne und Monte Carlo). Sollte Virgin in den verbleibenden fünf Rennen kein besseres Ergebnis als Rang 15 einfahren, wäre HRTs elfte WM-Position abgesichert. Nach vorne sieht es hingegen eher düster aus, denn um in die Top 10 vorzustoßen, muss ein 13. Platz von Lotus-Pilot Heikki Kovalainen überboten werden - in einem Chaosrennen nicht unmöglich, aber unter normalen Umständen unwahrscheinlich.

Keine Überraschungen im ersten Halbjahr

Doch dass es kein Honigschlecken wird, in letzter Minute ein marodes Formel-1-Projekt zu retten und damit gegen die Besten der Welt anzutreten, war Kolles von Anfang an klar. "Wie erwartet" sei es bisher gelaufen, erklärt er im Interview mit 'Motorsport-Total.com' und führt aus: "Es ist nicht einfach, aber wir sind noch da und werden bis zum Schluss da sein. Wir haben einen Plan für die Zukunft. Es gibt natürlich Verzögerungen und Probleme, jeden Tag, aber da muss man durch."

"Ich bin das gewöhnt", sagt der "Feuerwehrmann" der Formel 1, der vor fünf Jahren schon die Trümmer des damaligen Jordan-Teams zusammengeklaubt und die Basis für jene Erfolgsgeschichte gelegt hat, die heute Force India heißt. Nicht zuletzt aufgrund dieser Erfahrung ist Kolles auch diesmal zuversichtlich, dass er HRT über die Runden bringen und in der Königsklasse etablieren kann: "Wir werden sehen, welche Teams nächstes Jahr noch da sein werden und welche nicht."

Dass Bernie Ecclestone kürzlich zwei Teams scharf kritisierte und damit offensichtlich HRT und Virgin meinte, stieß bei Virgin-Teamchef John Booth ("Das kann ein Team destabilisieren") auf wenig Gegenliebe. Kolles sieht die Sprüche des Formel-1-Geschäftsführers gelassener: "Bernie hat ja teilweise recht, denn er will Teams haben, die konkurrenzfähig sind. Wenn er sagt, dass HRT und Virgin - oder wen auch immer er gemeint hat - keinen Value for Money gebracht haben, dann stimmt das."

"Wir haben ja keine Rennen gewonnen und keine Punkte geholt", gesteht der Deutsche ein und akzeptiert auch, dass das dritte neue Team eine Sonderstellung genießt: "Der Name Lotus hat zumindest in der Vergangenheit Rennen und Weltmeisterschaften gewonnen, auch wenn das heutige Team mit dem alten nichts mehr zu tun hat und genau wie wir ein neues Team ist. Lotus ist doch ein größerer Name als Virgin oder HRT. HRT muss sich den Platz in der Formel 1 verdienen."

Mit mehr Geld gerechnet

Kolles gibt zu, dass er damit gerechnet hätte, mehr Geld zur Verfügung zu haben, aber kritisch sei die Lage nicht. Auf die dezidierte Frage, ob HRT die Saison beenden wird, entgegnet er: "Ich glaube schon." Spekulationen, wonach Monza der vorläufig letzte Auftritt gewesen sein könnte, um die Reisekosten für die teuren Überseerennen zu sparen, wischt er als haltlos vom Tisch, und dass das Training am Freitagmorgen in Monza verspätet aufgenommen wurde, habe er gar nicht mitbekommen.

Probleme mit den Zahlungen an Motorenlieferant Cosworth verweist der 42-Jährige ins Reich der Fabeln: "Die Motorenrechnung ist bezahlt, für das ganze Jahr. Das gilt auch für alle anderen Rechnungen. Ich glaube sogar, dass wir besser dastehen als viele andere. Dass wir mehr Geld brauchen, ist ganz klar und streiten wir nicht ab. Aber ich glaube, dass andere mehr Schulden und mehr Gläubiger haben als wir."

In Monza waren Kolles und Carabante damit beschäftigt, sich Gedanken über die Zukunft zu machen: "Wir hatten dieses Wochenende Budgetdiskussionen und das Budget für 2011 wurde abgesegnet. Business as usual. Wir müssen bestimmte Ziele erreichen", so Kolles. Carabante sei langfristig an Bord: "Das sagt er zumindest, aber Sinn der Sache ist ja nicht, dass Herr Carabante das Team finanziert. Das Ziel ist, externe Sponsoren zu finden, die die Kosten tragen."

Im Umfeld der Formel 1 tummeln sich derzeit auch einige Investoren, die ein bestehendes Team übernehmen möchten - zum Beispiel Jacques Villeneuve und Durango. HRT sucht nicht aktiv nach solchen Partnern, schließt eine Zusammenarbeit - mit wem auch immer - aber nicht aus: "Wenn Herr Carabante vielleicht Investoren mit ins Boot nimmt, ist das für das Team ja eine positive Sache. Je mehr Geld beim Team da ist, desto besser", erklärt Kolles.

HRT sucht nicht aktiv nach Käufern

"Es ist nicht so, dass das Team zum Verkauf steht und zu einem Dumpingpreis verkauft wird. Aber wenn Investoren bereit sind, Partnerschaften einzugehen, dann ist das eine normale Sache. Das gilt aber für alle, von A bis Z - wie sich Mubadala bei Ferrari einkauft, Aabar bei Mercedes oder andere arabische Gruppen bei McLaren. Da ist nichts Schlimmes dabei", unterstreicht der Teamchef, dass HRT nicht akut auf Investoren angewiesen ist.

Der Rennstall ist derzeit beim DTM-Team Kolles in Greding angesiedelt, operiert dort mit "70 bis 80" Mitarbeitern und externen Zulieferern wie etwa der Holzer-Gruppe. Am langfristigen Plan, nach Spanien zu übersiedeln, hat sich aber nichts geändert: "In Zukunft gehen wir bestimmt nach Spanien, wenn Spanien bereit ist", bestätigt Kolles. Dies sei im Moment aber noch nicht der Fall, sodass vorerst an Greding festgehalten wird.

Eine Fusion mit Epsilon Euskadi, wie sie von den spanischen Medien ins Spiel gebracht wurde, steht nicht zur Diskussion: "Niemand aus unserem Team oder aus unseren technischen Abteilung hat sich deren Fabrik angeschaut", winkt Kolles ab. Zudem sei die auf Fotos durchaus modern aussehende Anlage von Ex-Benetton-Teammanager Joan Villadelprat in Vitoria/Azkoitia wohl noch nicht auf dem Stand, um dort ein Formel-1-Team zu betreiben.

Am Chassis für 2011 wird hinter den Kulissen natürlich bereits gearbeitet - nicht mehr von Dallara, dafür aber von Ex-Honda-Technikchef Geoff Willis, der voraussichtlich an Bord bleiben wird. Außerdem sind Kooperationen mit weiteren externen Partnern vorgesehen: "Das Auto wird mit verschiedenen Zulieferern entstehen", erklärt Kolles. Auf die Frage, ob TMG in Köln (das ehemalige Formel-1-Team) einer davon sein könnte, entgegnet er: "Vielleicht."

Fotoquelle: xpb.cc

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