Peter Sauber und Monisha Kaltenborn sind für eine Abschaffung von 39.1

Formel 1 2010

— 16.09.2010

Sauber-Brief nicht als Ferrari-Unterstützung gedacht

Das Sauber-Team wandte sich in der Stallorder-Affäre brieflich an die FIA, allerdings nicht mit der primären Motivation, Ferrari zu unterstützen

Vor der Stallorder-Anhörung des FIA-Motorsport-Weltrats am 8. September wandten sich zwei Teams schriftlich an die FIA, um ihre Meinung kundzutun: Williams und Sauber. Beide äußerten sich dahingehend, dass der umstrittene Artikel 39.1 des Sportlichen Reglements ("Teamorder, die sich auf ein Rennergebnis auswirken, sind verboten") überdacht werden sollte.

Dass sich Sauber damit indirekt auf Ferraris Seite stellte, verwundert nicht, schließlich beziehen die Schweizer ihre Motoren aus Maranello. Doch Geschäftsführerin Monisha Kaltenborn will den Brief an die FIA nicht als Unterstützungserklärung für Ferrari verstanden wissen: "Wir haben darüber diskutiert, weil es im Paddock ein Thema war. Wir empfanden das als Gelegenheit, die FIA zu bitten, diese Regel und ihre Interpretation zu studieren und sie möglicherweise zu präzisieren", erklärt sie.

"Wir haben den Brief nicht als Unterstützungserklärung für Ferrari geschrieben, sondern als an diesem Thema interessierte Partei, denn dieses Thema betrifft uns alle. Die Formulierung (von Artikel 39.1; Anm. d. Red.) ist nicht ideal, weil sie Spielraum für Interpretation lässt", meint Kaltenborn weiter. Ihr Chef Peter Sauber wundert sich indes über die Schmierenkomödie, die Ferrari nach Hockenheim aufgeführt hat: "Wenn man etwas so schlecht macht, dann soll man wenigstens dazu stehen..."

Grundsätzlich wünscht er sich vom Reglement her "die gleiche Situation wie vor Zeltweg 2002" zurück: "Natürlich muss man an die Vernunft der Teamchefs appellieren, dass die Teamorder so durchgeführt wird, dass nicht die Zuschauer zum Narren gehalten werden. Wir dürfen nicht vergessen: Wir sprechen immer von einer Weltmeisterschaft, an der zwölf Teams teilnehmen. Niemand spricht von einer Weltmeisterschaft, an der 24 Fahrer teilnehmen. Dabei sollten wir bleiben."

Bekanntlich wurde Artikel 39.1 als Reaktion auf die legendäre Ferrari-Stallorder beim Grand Prix von Österreich 2002 eingeführt, als Rubens Barrichello in der letzten Runde den Funkspruch "Let Michael pass for the Championship" erhielt und für seinen deutschen Teamkollegen in der letzten Kurve Platz machen musste. Doch zahlreiche Teamchefs, Fahrer und Experten finden, dass Stallregie mangels Möglichkeiten zur Überwachung wieder freigegeben werden sollte.

So auch Jarno Trulli: "Das Team zählt in der Formel 1 genauso viel wie im Fußball", sagt der Lotus-Pilot. "Wir haben nur zwei Fahrer und nicht elf Spieler pro Team, aber es geht trotzdem um Strategie. Die spielt eine wichtige Rolle und gehört dazu. Man kann Teamorder meiner Meinung nach nicht unterbinden. Ja, es ist ein Sport, aber es ist auch ein Business und die Teams geben viel Geld aus, um ihre Autos zu entwickeln, Sponsoren zu promoten und Erfolg zu haben."

Dass ein Skandal wie mit Fernando Alonso und dem "moralischen Sieger" Felipe Massa in Hockenheim nicht positiv für den Sport ist, sieht er ein: "Es ist traurig für die Fans, so etwas wie in Hockenheim zu erleben", gesteht Trulli, fügt aber an: "Passieren tut es ja trotzdem. Viele Teams haben Teamorder verwendet, auch seit wir diese Verbotsregel haben. Ich finde, sie sollten die Teams selbst entscheiden lassen, wen sie unterstützen."

Fotoquelle: xpb.cc

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