Sebastian Vettel, Polesetter Fernando Alonso und Lewis Hamilton

Formel 1 2010

— 25.09.2010

Alonso statt Vettel: Mögliche Pole verschenkt

Sebastian Vettel hatte die Nacht-Pole-Position in der Hand, schenkte diese aber Fernando Alonso - McLaren-Duo vor Mark Webber in der zweiten Startreihe

Sebastian Vettel galt aufgrund seiner überlegenen Trainingsbestzeiten am Freitag und Samstag als klarer Favorit für das heutige Qualifying in Singapur, doch im entscheidenden Moment zeigte der Red-Bull-Pilot Nerven - ganz im Gegensatz zu Monza-Sieger Fernando Alonso (Ferrari), der in Sachen Weltmeisterschaft weiterhin auf dem Vormarsch zu sein scheint.

Der Spanier setzte sich in Q3 mit einer Bestzeit von 1:45.390 Minuten an die Spitze und hätte sich den zweiten Run sogar sparen können, weil ohnehin niemand mehr an diese Marke heranreichte. Vettel hatte im ersten Versuch nur 1:47.937 Minuten erzielt und legte zumindest noch auf 1:45.457 Minuten zu, aber auf die Pole-Position fehlten ihm unterm Strich 0,067 Sekunden. "Leider hat es im letzten Abschnitt nicht ganz gepasst", ärgert sich der WM-Fünfte.

Zwei Fehleinschätzungen von Vettel

"Es war ein durchwachsenes Qualifying", so Vettel. "Ich habe nie meinen Rhythmus gefunden, hatte ständig Verkehr und bekam es im Gegensatz zum Training nicht in eine Runde. Im ersten Run in Q3 habe ich den Abstand zum Auto vor mir falsch eingeschätzt, sodass ich schon nach ein paar Kurven hinter Michael festsaß. Im zweiten Run habe ich auch einen kleinen Fehler gemacht: Ich hatte eine Kante drin und habe die Mauer leicht gestreift."

Umso größer war der Jubel bei Ferrari, wo Alonso eine neue Version des auspuffangeströmten Diffusors fuhr, aber kein F-Schacht-System. Gerechnet hätte die Scuderia mit diesem Ergebnis nicht: "Wir sind selbst überrascht, auch wenn wir unsere Pace dieses Wochenende nie ganz zeigen konnten. Aber Fernando hat zwei sehr starke Runden hingelegt, die beide für die Pole gereicht hätten", freut sich Chefrenningenieur Chris Dyer.

Alonso hatte in Q1 Bestzeit erzielt und war in Q2 Zweiter geworden, erlebte jedoch auch eine Schrecksekunde, als er plötzlich merkwürdige Motorengeräusche feststellte. Ferrari beorderte ihn sofort an die Box zurück, weil in Q1 bereits Felipe Massa mit einem technischen Defekt (Verdacht auf die elektronische Getriebesteuerung) ausgerollt war. "Wir hatten ein kleines Problem, aber wir mussten nur das Auto umprogrammieren, dann ging es normal weiter", relativiert Dyer.

Alonso: Chance optimal genutzt

"Ich war zufrieden mit meiner ersten Runde", erinnert sich Alonso an die entscheidenden Momente in Q3, "wusste aber nicht, ob es für die Pole reichen würde. Aber ich glaube, dass ich alles aus dem Auto herausgeholt habe. Wir wollten kein Risiko eingehen, daher gingen wir nach Felipes Problem auf die Standardeinstellungen des Motors zurück. Es wird ein schwieriges Rennen, aber die Pole wird uns helfen, besonders wenn es trocken bleibt. Ich will meine Chance nutzen."

Lewis Hamilton (McLaren) verkürzte zwar seinen Rückstand auf Alonso in der Schlussphase noch auf 0,181 Sekunden, mehr als Platz drei war aber nicht drin: "Das war kein so schlechtes Qualifying. Vielleicht hätten wir noch ein bisschen mehr im Auto gehabt, aber es war schwierig, eine freie Strecke zu finden", so der Vorjahressieger. "Einmal bin ich ganz schön über die Curbs gerattert, aber zum Glück ist dabei nichts passiert."

Webber gegen Vettel ohne Chance

Der Brite teilt sich die zweite Startreihe mit seinem Teamkollegen Jenson Button (+0,554), dem es im letzten Versuch noch gelang, Mark Webber (Red Bull) um 33 Tausendstelsekunden vom vierten Platz zu verdrängen. Webber war schon das ganze Wochenende langsamer als Vettel und kann morgen bei normalem Rennverlauf nur versuchen, nicht allzu viele Punkte auf seine vier Titelkonkurrenten zu verlieren, die allesamt vor ihm stehen.

Sechster wurde Rubens Barrichello (+0,846), der damit das Potenzial seines Williams optimal ausschöpfte und das Privatduell gegen Nico Rosberg (Mercedes/+1,053) für sich entschied. "Ich hätte Sechster werden können - es ärgert mich, dass mich Rubens überholt hat. Aber wenigstens stehe ich auf der sauberen Seite", meint der Deutsche, dessen Sportchef Norbert Haug von einer "ordentlichen Ausgangsbasis" spricht.

Robert Kubica (Renault/+1,203), Michael Schumacher (Mercedes/+1,312) und Kamui Kobayashi (Sauber/+2,494) rundeten die Top 10 ab, an denen Jaime Alguersuari (Toro Rosso) als Elfter nur um 67 Tausendstelsekunden vorbeischrammte. Fest mit einem Finaleinzug gerechnet hatte offenbar auch Nico Hülkenberg (Williams/12.), dem genau 75 Tausendstelsekunden auf die Top 10 fehlten und der seinen Helm nach dem Aus wutentbrannt gegen die Mauer schlug.

Heidfeld beim Comeback auf Startplatz 14

Hülkenberg muss morgen wegen eines Getriebewechsels um weitere fünf Positionen nach hinten, wodurch sein Landsmann Nick Heidfeld (Sauber) um einen Platz auf Rang 14 aufrückt. "Ich bin nicht ganz zufrieden, auch wenn man nicht vergessen darf, dass gestern mein erster Tag in diesem Auto war", spielt "Quick Nick" auf seine Niederlage im Stallduell mit Kobayashi an. "Hoffentlich kann ich morgen mehr aus dem Auto herausholen..."

Die große Enttäuschung des zweiten Qualifyings war aber mit Sicherheit Force India, denn das Team um Adrian Sutil und Vitantonio Liuzzi belegte die letzten beiden Plätze - nicht einmal Vitaly Petrov (13.) war für das Duo in Reichweite, obwohl der Russe nur eine gezeitete Runde fahren konnte, weil er seinen Renault recht früh in die Mauer setzte und sich dabei die rechte Hinterradaufhängung brach. Sébastien Buemi (Toro Rosso/14.) schied ebenfalls in Q2 aus.

Klien deklassiert Senna im HRT

Positiv überraschte Christian Klien: Bei seinem Comeback im HRT-Dallara belegte er zwar nur den 22. Platz, aber der Österreicher war um mehr als eine Sekunde schneller als Teamkollege Bruno Senna, der unter Druck auch noch einen Dreher hinlegte, als es in die letzten Minuten von Q1 ging. "Im Qualifying habe ich einen großen Sprung gemacht und teamintern hat es sehr gut gepasst. Aber von Lotus und Virgin sind wir sehr weit weg", analysiert Klien nach der Session.

Auch Timo Glock konnte überzeugen: Der Virgin-Pilot knüpfte nahtlos an seine starken Trainingsleistungen an und sicherte sich dank des Massa-Problems sogar den 18. Startplatz, 0,194 Sekunden vor Heikki Kovalainen im Lotus. Damit ist er erneut bester Vertreter der neuen Teams - und das ohne das beste Auto: "Ich glaube, Lotus ist immer noch schneller als wir, aber ich habe es hier rumgebogen", klopft er sich selbst auf die Schulter.

"Es war harte Arbeit heute, denn im Vorjahr war mein Toyota, mit dem ich damals Zweiter wurde, leicht zu fahren", grinst Glock zufrieden. "Von der Rundenzeit her habe ich wirklich alles rausgeholt. Das Auto hat aber der zweiten gezeiteten Runde ein bisschen nachgelassen, was vielleicht eineinhalb Zehntel gekostet hat, aber sonst lief es wirklich gut." Singapur scheint ihm entgegenzukommen: "Diese Strecke liegt mir einfach."

Große Vorfreude auf tolle Bilder

Die TV-Zuschauer können sich in vielerlei Hinsicht auf den morgigen Grand Prix von Singapur, der um 20:00 Uhr Ortszeit (14:00 Uhr MESZ) unter Flutlicht gestartet wird, freuen. Denn erstens liefert das Nachtrennen wohl die spektakulärsten und schönsten Fernsehbilder des gesamten Formel-1-Jahres und zweitens wird Vettel alles daran setzen, die Scharte von heute auszuwetzen und Alonso doch noch vom ersten Platz zu verdrängen.

"Leider hat es nicht zur Pole gereicht, aber wir haben ein sehr schnelles Auto und diese Ausgangsposition ist gut. Wir werden morgen alle Chancen haben", gibt sich der Red-Bull-Pilot trotz der knappen Niederlage im Qualifying optimistisch. "Wir hatten heute eigentlich einen Vorteil und hätten schneller sein müssen, ja, aber ich kann es jetzt auch nicht mehr ändern. Klar ist, dass ich heute Nacht nicht überglücklich einschlafen werde..."

Fotoquelle: xpb.cc

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