Antrieb von Red Bull: Der Renault-Motor hat bisher gute Standfestigkeit gezeigt

Formel 1 2010

— 27.09.2010

Titelkampf: Von Kolbenfressern und Glücksmotoren

Warum Ferrari trotz Motorennachteil gelassen in die letzten vier Saisonrennen geht - Nur Elektronikprobleme in Singapur - Frische PS für die Konkurrenten

In der laufenden Saison müssen die Formel-1-Teams präzise Kilometer zählen. Da pro Fahrer in diesem Jahr nur acht frische Triebwerke verwendet werden dürfen, haben die Mannschaften schon vor dem Start in die Saison einen genauen Einsatzplan für die Motoren erarbeitet. Dabei wurde festgelegt, auf welchen Strecken jeweils ein neuer Treibsatz zusätzlichen Schub im Rennen bringen soll, außerdem welcher Motor wie viele Kilometer in den Freitagstrainings überstehen muss.

Der Countdown der Triebwerke läuft unaufhaltsam. Ein Blick auf die aktuelle Liste der bisher eingesetzten Motoren lässt darauf schließen, dass Singapur-Sieger Fernando Alonso möglicherweise einen Nachteil haben könnte. Der Spanier dreht bereits sein letztes Triebwerk hoch, während die versammelte Konkurrenz um den Titel noch jeweils einen frischen Treibsatz in der Hinterhand hält.

Mark Webber konnte sich in Singapur sogar den Luxus erlauben, vor dem Samstagstraining einen frischen Motor einbauen zu lassen. Dabei gilt der Straßenkurs in der asiatischen Millionenmetropole nicht gerade als großer PS-Fresser. Der Australier hat bisher sparsam gelebt. Sein aktuelles Triebwerk hatte vor dem Rennstart am Sonntag gerade einmal 162 Kilometer auf dem Tacho. Zum Vergleich: Jener von Teamkollege Sebastian Vettel hatte den RB6 schon 932 Kilometer vorangetrieben.

In Suzuka wird man bei Vettel wohl den letzten frischen Treibsatz im Rennen bringen. Auf einer Strecke also, die für Highspeed-Passagen bekannt ist - wo also frische PS durchaus einen Vorteil bringen könnten. Alonso muss hingegen mit einem Gebrauchten in die letzten vier Läufe gehen. "Alle fünf Anwärter haben immer noch dieselben Möglichkeiten", sagt Alonso und will von schonender Fahrweise auf dem Weg zum möglichen dritten WM-Titel nichts wissen.

Hellhörig wurde die Formel-1-Fangemeinde, als sich bei Ferrari am Samstag neue Motorenprobleme abzeichneten. Felipe Massa, der eine Strafe für den Einsatz eines neunten Triebwerks kassierte, musste die Box ansteuern. "Ich denke, am Auto von Felipe gab es einige Elektronikprobleme. Ich weiß aber nicht genau, was da im Einzelnen vorgefallen ist und weshalb. Unser Fahrzeug war okay", sagt Alonso gelassen. "Auch Fernando kam daraufhin herein und wir booteten neu. Danach hatten wir keine Schwierigkeiten mehr", so Ferrari-Chefrenningenieur Chris Dyer.

Nachdem die Italiener zu Saisonbeginn erhebliche Probleme mit der Standfestigkeit der Motoren vom Typ 056 hatten - auch Sauber kann ein lautes Klagelied darüber singen -, geht man nun selbstbewusst in den Rest der Saison. Vor allem der Motor, der bisher im Alonso-Auto installiert war, brachte eine unfassbar gute Bilanz: Siege in Hockenheim und Singapur, Platz zwei in Ungarn - er holte damit also 68 von 75 möglichen Punkten.

"Nachdem wir die härteren Reifen aufgezogen hatten, reduzierten wir natürlich die Geschwindigkeit, auch in Bezug auf den Motor", gibt Alonso nach seinem nächtlichen Rennsieg allerdings zu. Das erfolgreiche Triebwerk muss in den kommenden Wochen noch einige Trainingskilometer verkraften, sonst könnte es eben doch vielleicht eng werden. Die künftigen Rennmotoren im F10 des Spaniers haben jeweils schon ein Rennen auf dem Buckel.

Alonso hat die Triebwerke aus Monza und Spa-Francorchamps jeweils bisher nur in einem einzigen Rennen verwendet. Das Belgien-Triebwerk musste aufgrund seines Ausfalls nicht einmal eine komplette Renndistanz ertragen. "Ich denke, dass es falsch wäre, nur zu schauen, wer schon wie viele Motoren verbraucht hat", hält Jenson Button den Ball flach. Der amtierende Champion hat ebenso wie McLaren-Teamkollege Lewis Hamilton noch einen frischen Motor auf Lager.

"Die Leute haben unterschiedliche Pläne mit ihren Motoren", misst Button dem Thema keine allzu große Bedeutung bei. "Wir hatten in diesem Bereich keinerlei Zuverlässigkeitsprobleme, auch sonst nicht, weder Lewis noch ich. Also sind wir da gut aufgestellt." Aus Sicht des 30-Jährigen dürfe man auf Motoren nun ohnehin keine Rücksicht nehmen.

"Die Meisterschaft wird über die pure Pace entschieden, definitiv. Pure Pace und die Strategie, die dann noch mit hereinspielt", erklärt Button mit Blick auf die noch ausstehenden vier Rennen der Saison. Teamkollege Hamilton hat nach einem erneuten Ausfall andere Sorgen. Der Motor ist so ziemlich das letzte Thema, das den Weltmeister von 2008 beschäftigt. "Ich möchte den restlichen Saisonverlauf einfach genießen. Was passiert, passiert", sagt der 25-Jährige, dessen Triebwerke zuletzt nie lange halten mussten.

Fotoquelle: Renault

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