Christian Horner ist mit dem doppelten Podium von Singapur zufrieden

Formel 1 2010

— 27.09.2010

Horner: "Es wird bis zum Ende spannend bleiben"

Red-Bull-Teamchef Christian Horner über das Rennerebnis aus Singapur und den anhaltenden Titelkampf: "Das geht bis Abu Dhabi so weiter"

Bei Red Bull blickt man fröhlich auf den Rennsonntag in Singapur zurück. Aus den Möglichkeiten machte man in der Nacht noch das Beste. Beide Piloten beendeten den Grand Prix auf dem Podest. Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann die Tatsache, dass man am Samstag im Qualifying die Chance auf ein besseres Ergebnis verpasste. Red-Bull-Teamchef Christian Horner beschreibt seine Eindrücke aus Singapur.

Frage: "Christian, es war am Singapur-Wochenende also doch eher Ferrari als McLaren der härteste Gegner..."
Christian Horner: "Ich habe schon vor dem Wochenende gesagt, dass wir auf Ferrari aufpassen müssen. Das hat sich bewahrheitet. Für den Rennausgang war aber nur eine einzige Runde ausschlaggebend - und zwar die am Samstag. Fernando hat da einen tollen Job gemacht, während wir etwas unter Wert geschlagen wurden. Sebastian hatte keine freie Runde, Mark hat nicht das Beste herausholen können. Wir waren mit den Startplätzen zwei und fünf etwas enttäuscht."

"Im Rennen waren wir aber gut, da haben wir als Team tolle Arbeit geleistet. Die Strategie war mutig, dass wir Mark bei der ersten Safety-Car-Phase hereingeholt haben. Er war nicht ganz überzeugt davon, aber es hat funktioniert - die Entscheidung war also richtig. Es hat geklappt, weil er großartige Überholmanöver gezeigt hat. Sebastian ist einfach zwei Stunden lang Fernando gefolgt, das war die ganze Zeit ein Doppelpack."

"Die einzige Chance an Fernando vorbei wäre gewesen, wenn wir den Speed der neuen Reifen auf der Outlap hätten besser nutzen können. Aber McLaren war sehr langsam. Wir konnten es uns nicht leisten, womöglich hinter Hamilton zu hängen. Sobald der in die Box ging, mussten wir hereinkommen, aber Fernando tat dies auch. Leider lief es darauf hinaus, dass wir auf der Strecke hätten überholen müssen. Aber das ist auf dieser Strecke nun einmal sehr schwierig."

Frage: "Also war man mit frischen harten Reifen tatsächlich schneller?"
Horner: "Ja, ganz eindeutig. Man konnte das deutlich an den Zeitenmonitoren sehen, denn Sebastian fuhr nach dem Stopp viele Bestzeiten in den Sektoren."

Frage: "War das etwas überraschend?"
Horner: "Nein, das wussten wir vorher. Das hatten wir schon am Freitag bemerkt. Uns war vorher klar, dass wir Zeit verlieren würden, wenn wir eine Runde länger draußen bleiben. Wir mussten deswegen versuchen, möglichst eine Runde früher hereinzukommen. Aber sobald Hamilton abbog, war es das perfekte Fenster für beide Spitzenleute."

"Mark hatte allerdings trotz seiner alten Reifen noch einen bemerkenswerten Speed. Wir mussten uns deshalb erst einmal über den besseren Speed der McLarens auf den neuen Reifen keine Sorgen machen. Leider kam aber dann das Safety-Car heraus, und leider lagen die zwei Virgins zwischen Mark und Sebastian. Di Grassi hat sofort Platz gemacht, aber leider ging Glock nicht sofort zur Seite."

"Deswegen konnte Lewis in Kurve fünf neben Mark fahren. Es blieb da nicht viel Spielraum, der Kontakt war unausweichlich. Zum Glück har die Rennleitung es entsprechend gewertet. Eine Strafe für Mark wäre für so etwas wirklich zu hart gewesen. Es war nicht mehr als ein normaler Rennunfall. Danach mussten wir erst einmal schauen, was los war, denn ein Vorderreifen an Marks Auto war fast ganz von der Felge herunter."

"Insgesamt muss ich dann also zusammenfassen, dass es ein wirklich positives Ergebnis für unser Team war. Mark konnte sich somit in der Fahrerwertung weiter absetzen, wir als Team haben den Vorsprung bei den Konstrukteuren vergrößert. Ein doppelter Podestplatz ist für uns hier ein tolles Resultat."

Frage: "Gab es Probleme mit der Haltbarkeit der Bremsen?"
Horner: "Zwei Stunden auf dieser Strecke sind enorm hart, die Jungs haben das gut gemeistert. Das Zusammenspiel zwischen Box, Boxenmauer und Piloten war perfekt. Wir haben den Fahrern bei den Einstellungen der Bremsbalance geholfen, haben damit eine gute Leistung stabilisieren können. Nur dadurch konnten wir Fernando 61 Runden lang unter Druck setzen."

Frage: "Ihr habt an der Boxenmauer manchmal wild gestikuliert..."
Horner: "Ja (lacht). Das lag dann wohl an den Nachzüglern, die nicht sofort Platz gemacht haben. Das ist in diesem Jahr schon so oft passiert. Wenn du vorne fährst, dann willst du einfach nur, dass diese Jungs zur Seite fahren. Nur dadurch hat Lewis Mark in Kurve fünf angreifen können. Sonst hätte er diese Chance niemals bekommen. Wir haben uns eben über das Verhalten der Nachzügler aufgeregt. Das hätte indirekt zusätzlich fast dazu führen können, dass Mark eine Durchfahrtsstrafe bekommen hätte."

Frage: "Ist es ein Unterschied, ob man gegen Fernando im Ferrari oder beispielsweise gegen Jenson im McLaren kämpfen muss?"
Horner: "Grundsätzlich erst einmal nicht, weil man alle schlagen muss. Wenn man sich das mal genau anschaut, dass hat McLaren an diesem Wochenende fast 1,5 Sekunden verloren, Ferrari hat gleichzeitig einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht. Es hat sich leider schon im Qualifying entschieden. Sebastian war in toller Form, aber er konnte Fernando nur folgen. Platz zwei und drei war das Optimum für uns. Beide Fahrer haben ein gutes Ergebnis für das Team geholt."

Frage: "War die Situation nach dem Restart mit den Nachzüglern lästig?"
Horner: "Für die Zuschauer mag das okay sein. Aber es sorgt für Nervenkitzel an der Boxenmauer. Man muss einfach davon ausgehen dürfen, dass die langsamen Fahrer genug Raum lassen. Der Geschwindigkeitsunterschied ist dermaßen groß. Man muss da doch niemanden aufhalten."

Frage: "Warum habt ihr die mutige Strategie nur bei Mark angewendet?"
Horner: "Wir hatten uns vor dem Rennen sogar überlegt, ob wir das mit Sebastian machen. Aber ich war der Meinung, dass es für Mark eher Vorteile brächte und für Sebastian eher Nachteile. Wir haben das daher zwischen den beiden getauscht. Die Gefahr war, dass bei einer zusätzlichen Safety-Car-Phase alle Autos ohne Stopp im Niemandsland gelandet wären. Von Marks Porisition aus aber war eher die Chance da."

Frage: "Bleibt es in der Weltmeisterschaft noch lange so spannend?"
Horner: "Das lässt sich bei all den Schwankungen des Jahres wohl kaum vermeiden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich das noch bis Abu Dhabi so hinziehen wird. Natürlich hoffe ich, dass einer unserer Jungs schon vorher alles klar machen kann. Aber wahrscheinlicher ist es angesichts der involvierten Teams und Fahrer, dass es bis zum Schluss spannend bleibt."

Frage: "Auch Bernie Ecclestone hat nun erste Zweifel daran, dass die Strecke in Südkorea bereit sein wird. Wie siehst du das?"
Horner: "Wenn man uns nach Sorgen deswegen fragt, dann würde Mark wohl 'Nein' sagen und Sebastian 'Ja'. Für uns als Team wäre es natürlich auch besser, wenn es nicht stattfinden könnte. Aber ich persönlich gehe davon aus, dass wir dort fahren werden. Die Leute dort sind sehr zuversichtlich. Wir waren vor ein paar Wochen dort und damals lagen sie gut auf Kurs. Ich bin zuversichtlich, alle Flüge sind gebucht."

Frage: "Im vergangenen Jahr haben euch die bekannten Strecken, die nun noch kommen, bestens gelegen..."
Horner: "Ja, aber das Entwicklungstempo in der Formel 1 ist so dermaßen hoch. Wir fahren in diesem Jahr bestimmt zwei Sekunden schneller als im vergangenen Jahr. Es geht also wirklich nur darum, wer ab sofort bis zum Ende der Saison am effizientesten entwickelt. Wir hatten neue Teile in Singapur und werden weiter Druck machen. Dass wir einige der kommenden Rennen im Vorjahr gewonnen haben garantiert überhaupt nichts."

Frage: "Hatte Mark hier ein neues Chassis?"
Horner: "Ja."

Frage: "Sind seine Probleme im Qualifying vielleicht darauf zurückzuführen?"
Horner: "Nein. Das Chassis ist doch letztlich nur ein Trägerteil und macht eigentlich keinen großen Unterschied."

Frage: "Siehst du Hamilton und Button nun noch im Titelkampf?"
Horner: "Ja. Die Punkte lassen die Abstände vielleicht größer erscheinen als sie tatsächlich sind. Jenson und Lewis liegen fünf Punkte auseinander, sie werden sicherlich aggressiv herangehen. Wir müssen uns aber auf unsere eigene Performance konzentrieren, bei jedem Rennen das Beste aus dem Paket herausholen."

Frage: "Geht man die kommenden Rennen nun anders an, aus Angst, den Titel nun noch zu verlieren?"
Horner: "Wir sehen es Rennen für Rennen. In Singapur haben wir mehr Punkte gehaolt als die anderen Teams. Sebastian konnte den Abstand nach vorne verkürzen, Mark seinen Vorsprung an der Spitze ausbauen. Wir nehmen jedes Rennen wie es kommt und versuchen stets, das Maximum herauszuholen. Wenn das klappt, dann haben wir in Abu Dhabi eine Chance auf einen guten Abschluss."

Frage: "Maximieren heißt dann aber, dass man auch im Qualifying aus dem schnellsten Auto das Beste machen muss, oder?"
Horner: "Ja. Das Qualifying hat in Singapur über den Rennsieg entschieden. Im Rennen haben wir allerdings wirklich alles Machbare getan. Beide Autos waren auf dem Podest. Ein Ferrari war an der Spitze, der andere ganz weit hinten, McLaren hatte einen Ausfall. Mit Blick auf die Konkurrenz hatten wir also ein tolles Resultat."

"Sicher ist, dass bei dem Druck alle Fahrer kleine Fehler machen werden. Das haben wir ja schon gesehen. Das Team, das am kostantesten und zuverlässigsten ist, wird am Ende vorne sein."

Frage: "Seid ihr im Rennen denn wirklich schneller gewesen?"
Horner: "Ja. Mit der harten Mischung am Ende waren wir schneller. Vor allem, wenn man über so viele Runden bis ganz zum Schluss Druck machen kann. Ich fand es beeindruckend, wie sich die beiden Jungs getrieben haben. Da ging es um jedes Zehntel. Sebastian hatte sicherlich einen kleinen Vorteil gegenüber Fernando."

Frage: "Wie siehst du nun die kommende Aufgabe?"
Horner: "Suzuka ist eine Strecke, die uns gut liegen sollte. Wir freuen uns darauf. Aber es ist eine große Aufgabe, denn die Strecke ist schwierig für die Piloten. Ich hoffe aber sehr, dass unser Paket für Suzuka gut aussortiert sein wird."

Fotoquelle: xpb.cc

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