Michael Schumacher verfolgt mit Mercedes einen Dreijahresplan

Formel 1 2010

— 07.10.2010

Schumacher: "Ich will die Früchte ernten"

Mercedes-Star Michael Schumacher über seine gute Suzuka-Bilanz, seine bisherigen Leistungen nach dem Comeback und die Aussichten für 2011 und 2012

Michael Schumacher will von einem möglichen schnellen Ende seines Comebacks nichts wissen. Im Gegenteil: Der Deutsche hat einen festen Plan im Kopf, will bei Mercedes ein Siegerteam aufbauen, wie es ihm zuvor bei Benetton und Ferrari gelungen war. Der Rekordweltmeister gibt offen zu, dass man 2010 die Erwartungen nicht erfüllen konnte. Auf der Pressekonferenz am Donnerstag in Suzuka gab er sich bezüglich der Zukunft aber sehr optimistisch.

Frage: "Michael, du hast hier einen bemerkenswerten Rekord mit sechs Siegen. Außerdem hast du in Suzuka die Hälfte deiner Rennen von der Pole-Position aufnehmen können. Wie denkst du über diese Strecke?"
Michael Schumacher: "Aus Fahrersicht ist diese Strecke sicherlich das Highlight des Jahres. Der erste Sektor ist einfach das Nonplusultra. Darauf freue ich mich sehr. Für uns Fahrer ist das die ultimative Herausforderung, auf die ich mich ganz besonders freue. Es war in all den Jahren immer etwas Besonderes."

Frage: "Bald geht es erstmals nach Südkorea. Wie bereitest du dich darauf vor?"
Schumacher: "Man kann nicht allzu viel machen, auch nicht mit dem Simulator. Ja, wir haben einen solchen Simulator, aber bisher war niemand wirklich auf der realen Strecke. Zumindest für mich bringt dann auch eine Simulation nicht so viel. Ich werde dorthin fahren, dort ankommen und - wie schon in Singapur - mir die Natur der Strecke ganz genau anschauen. So werde ich mich ganz normal an die Strecke gewöhnen."

Frage: "Es geht nun auf das Ende deines Comebackjahres zu. Wie würdest du dieses Jahr bisher zusammenfassen?"
Schumacher: "Es war härter als erwartet. Nach den Leistungen des Teams im Vorjahr waren die Erwartungen natürlich hoch. Diese Erwartungen konnten wir nicht erfüllen. Aber ich sehe es als Langzeitprojekt, wie damals bei Benetton oder auch bei Ferrari. Man muss mal sehen, wie lange es gedauert hat, dort ein Team aufzubauen und es zum Erfolg zu bringen. Das kann man nicht in aller Kürze schaffen."

"Man darf auch die Tatsache nicht vergessen, dass dieses Team von einem ursprünglich großen Topteam aus bekannten Gründen im vergangenen Jahr deutlich verkleinert wurde. Wir sind auch jetzt noch ein kleines Team im Vergleich zu den Topmannschaften. Natürlich macht es unsere aktuelle Situation etwas komplizierter. Wir haben aber Entscheidungen getroffen, die uns wieder zum Erfolg führen werden. Aber es braucht seine Zeit."

Frage: "Hat Mark Webber sich in Singapur erneut als harter Fighter etabliert? Dadurch, dass er sich als harter Brocken präsentierte, sich nicht überholen ließ und mit Lewis Hamilton kollidierte?"
Schumacher: "In der Formel 1 ist es prinzipiell immer gleich: Überholen ist schwierig. Die Streckencharakteristiken wie in Singapur machen es nicht einfacher. Die Geraden sind kurz und du brauchst schon besondere Bedingungen, wie sie zum Beispiel Robert Kubica mit frischen Reifen hatte, oder du musst das schnellste Auto auf der Geraden haben."

"Nur unter solch besonderen Voraussetzungen bekommst du überhaupt eine Chance auf ein Überholmanöver. Unter normalen Umständen ist es hart. Vielleicht in Brasilien oder auf einigen anderen besonderen Strecken mag das möglich sein, aber auf anderen ist es schlichtweg unmöglich. Das liegt in der Natur unseres Geschäfts. Also: Wenn jemand eine Chance sieht, dann muss er sie versuchen zu nutzen. Wenn dann zwei Autos gleichauf liegen, dann kann manchmal ein Kontakt entstehen. Das ist nicht zu vermeiden."

Frage: "Aber das hat nichts mit einzelnen bestimmten Piloten zu tun?"
Schumacher: "Nein, überhaupt nicht. So ist die generelle Situation. In Singapur haben wir nichts gesehen, was dieser grundsätzlichen Lage widerspricht."

Frage: "Bei deiner Aufbauarbeit zu Benetton- oder Ferrari-Zeiten warst du Mitte 20 oder später Mitte 30. Jetzt bist du ein wenig älter. Besteht nicht das Risiko, dass dir die Zeit davonläuft und dann jemand - wie zum Beispiel Nico Rosberg - die Früchte deiner Arbeit erntet?"
Schumacher: "Das ist genau der Grund, warum wir von Anfang an über drei Jahre gesprochen haben. Ich hoffe, dass man in diesem Zeitrahmen schon Früchte ernten kann. Wir sind bestimmt auf dem richtigen Weg, wenn man sich unsere Veränderungen, unsere Fehler und unsere Lernkurve anschaut. All das, was für die Verbesserung zum kommenden Jahr getan wird, stimmt mich zuversichtlich. Das Ziel ist es, den Prozess, der früher vier oder fünf Jahre gedauert hat, nun zu verkürzen, damit ich davon noch profitieren kann."

Frage: "Bei all deiner Erfahrung: Auf wen der fünf Titelkandidaten würdest du dein Geld setzen?"
Schumacher: "Wer Geld verlieren will, der soll ruhig auf einen der Piloten setzen. Man kann eigentlich nur falsch liegen, wenn man sich dieses Jahr mal anschaut. Diese Saison ist wirklich außerordentlich. Weil so viele Jungs noch in der Titelentscheidung sind, aber es gab auch viel Auf und Ab, Ausfälle und so weiter."

"Es sind viele Dinge passiert, die nicht zu erwarten waren. Daher würde ich auf keinen mein Geld setzen wollen. Ich drücke einem Kandidaten allerdings die Daumen, weil ich mit ihm gut befreundet bin. Aber das ist auch alles."

Frage: "Wer ist derjenige?"
Schumacher: "Ich bin mit Sebastian gut befreundet, daher drücke ich ihm die Daumen."

Frage: "Die Zahl der Rennen steigt auch im kommenden Jahr noch weiter an. Wie empfindest du das?"
Schumacher: "Ich freue mich darauf. Wir haben 20 Rennen. Früher waren wir beim Rennen, dann Testen, dann wieder Rennen, dann Testen und so weiter. Wir hatten deutlich mehr zu tun. Erst in den vergangenen ein oder zwei Jahren ist es erheblich weniger geworden. Als Fahrer bevorzuge ich natürlich mehr Rennen, anstatt wieder zu viel Tests zu fahren. Ab und zu ein Test, dem würde ich zustimmen. Aber die Zahl der Grands Prix stört mich nicht im Geringsten."

Frage: "Was für ein Auto braucht man, um in Suzuka erfolgreich sein zu können? Wird Red Bull schlagbar sein?"
Schumacher: "Diese Strecke ist eine Herausforderung und ein Fahrer kann hier noch einen Unterschied ausmachen. Aber vor allem im ersten Sektor ist auch das Auto enorm wichtig. Wenn du eine schlappe Vorderachse hast in all diesen langgezogenen Kurven, dann hast du Probleme. Wenn man sich auf dieser Grundlage den Red Bull mal anschaut, dann sollte der hier sehr stark sein. Aber ich weiß, dass McLaren bei der Entwicklung erhebliche Anstrengungen unternimmt. Mal sehen, ob sie schritthalten können. Es wird hart."

Frage: "Kannst du uns als sechsfacher Sieger in Suzuka ein spezielles Erfolgsgeheimnis verraten? Gibt es einen Grund, warum du ausgerechnet hier immer so stark warst?"
Schumacher: "Das gilt ja nicht nur speziell für Suzuka. Es gibt auch andere Strecken, auf denen ich einige Male gewinnen konnte. Es liegt wohl nur daran, dass ich so lange dabei bin. Deswegen ist die Zahl so groß geworden. Natürlich kommt auch dazu, dass ich professionelle Teams hatte und immer mein Bestes gegeben habe. Daher kommen die Resultate."

Fotoquelle: xpb.cc

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