Formel 1 2010

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— 09.10.2010

Land unter in Suzuka: Qualifying erst am Sonntag

Nach mehreren Testläufen des Safety-Cars zieht die Rennleitung einen Schlussstrich: Qualifying in Suzuka wegen starker Regenfälle auf Sonntag verschoben

Suzuka am Samstagnachmittag: Auf der Strecke stehen die Pfützen, Bernd Mayländer muss zaubern, um das Safety-Car auf der Bahn zu halten und Red Bull lässt in der Boxengasse ein kleines Segelboot schwimmen. Jeder Blick in den tiefgrauen Himmel oder auf das Regenradar wird mit Kopfschütteln quittiert, jeder neue Versuch von Mayländer bringt keine Aussicht auf Besserung. Kurzum: Am Samstag in Suzuka geht gar nichts.

Nach vielfachem Verschieben hat sich die Rennleitung um 15:15 Uhr (Ortszeit) schließlich dazu entschieden, das Qualifying aufgrund der starken Regenfälle abzusagen. Die Zeitenjagd wird am Sonntagmorgen um 10 Uhr (03:00 Uhr MESZ) nachgeholt, es gelten nach dem Qualifying die normalen Parc-Fermé-Regeln. "Dann bleibt den Teams eben ein bisschen weniger Zeit für einen Check des Autos", sagt Michael Schumacher, der die Entscheidung zur Absage voll unterstützt.

"Absolut vernünftig. Es wurde nicht besser, daher war es richtig, es abzusagen", stimmt auch Sebastian Vettel zu. Der Deutsche geht nach zwei Bestzeiten am Freitag als klarer Favorit ins weitere Wochenende. Am Samstagmorgen gab es wegen des Regens kaum Fahrbetrieb. "Morgen soll es zuerst regnen, dann trocken sein", schätzt Vettel. "Wenn jetzt so viel herunterkommt, dann kann irgendwann nicht mehr viel übrig bleiben."

"Das Problem sind die vielen Bäche, die quer über die Strecke fließen", erklärt Mayländer, der selbst mit allen Fahrhilfen an Bord des Mercedes SLS bei seinen Proberunden zaubern musste, um den Wagen auf der Bahn zu halten. "Dass sogar das Safety-Car Aquaplaning hat, habe ich in dieser Form noch nie gesehen", lacht Nick Heidfeld. "Wir haben am Sonntagmorgen ohnehin nicht viel zu tun", sagt der Sauber-Pilot, der sich mit der Verschiebung der Zeitenjagd gut anfreunden kann.

"Es ist das Beste für alle Beteiligten, unter diesen Bedingungen hat das keinen Sinn", kommentiert Ralf Schumacher, der seinem Bruder Michael in der Mercedes-Box Gesellschaft leistete. Der DTM-Pilot fügt an: "Red Bull wird sich sicherlich darüber freuen, weil sie jetzt die Hoffnung haben, im Trockenen fahren zu können. Wobei das Wetter so bleiben soll."

"Ein nasses Rennen und ein nasses Qualifying können auch sehr aufregend und spannend sein. Vor allem für Teams, die im Trockenen keine Chance haben, kann dies eine Chance darstellen, mal nach vorne zu kommen", so der jüngere Schumacher. Zustimmend erklärt Virgin-Pilot Timo Glock: "Wenn es ein bisschen regnet, spielt uns das in die Karten. Ich hoffe erstmal, dass ich heute noch gute Karten bekomme." Glock vertrieb sich die Zeit beim Poker in der Virgin-Box.

"Wir erwarten am Sonntagmorgen immer noch etwas Regen", macht Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali den Underdogs Mut. "Es wird zwar etwas besser, aber es kommt darauf an, wie schnell es sich ändert. Um 10 Uhr sollte die Strecke aber nicht trocken sein." Die aktuelle Verschiebung in Suzuka ist kein Novum. 2004 musste man aufgrund einer Taifunwarnung passen und die Startaufstellung am Sonntagmorgen ausfahren.

Einzig Regenspezialist Adrian Sutil machte den Eindruck, als wolle er sich mit seinem Auto in die Suzuka-Fluten stürzen. "Ich hoffe einfach, dass wir überhaupt eine Qualifikation hinbekommen und nicht nach dem WM-Stand starten. Das wäre ein bisschen langweilig", erklärt der Force-India-Pilot. "Schön wäre es, wenn es weiter ein wenig regnen könnte, denn das würde uns helfen. Es soll wohl erst zum Sonntagnachmittag besser werden."

Die Vorhersagen für den Rennsonntag zeigen, dass es nicht gut wird, aber wenigstens etwas weniger schlecht. Am Vormittag werden leichte Regenschauer erwartet. Die große Frage wird sein, ob die tiefen Pfützen auf der schnellen Strecke schnell ablaufen. "Eine trockene Strecke ist immer besser für ein Team, bei dem es gerade gut läuft", berichtet WM-Leader Mark Webber sorgenvoll. "Ein normaler Tag wäre besser", so der Red-Bull-Pilot.

Während die Piloten sich die Wartezeit mit Smalltalk und Spielerei vertrieben, verharrten die Fans eisern im Regen. "Die sind wirklich hart", lacht Michael Schumacher. "In Japan sind sie das immer schon. Früher wurden hier die Tickets noch verlost, da haben die Leute die Nacht vor dem Rennen auf ihrem Tribünenplatz geschlafen, weil der sonst weg gewesen wäre. Die Japaner sind da schon ganz besonders."

Die Fahrer winkten ihren treuen Fans immer wieder zu, die Zuschauer durften sogar eine Art sportlichen Wettkampf bejubeln. Unter anderem Red Bull und Sauber bauten aus diversen Materialien Boote und ließen diese im Eiltempo die Boxengasse hinunterschwimmen. "Man beachte den flexiblen Bootskörper", scherzte Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Ein amüsanter Seitenhieb in Richtung McLaren, die nach wie vor herbe Kritik an den angeblich zu flexiblen Frontflügeln von Red Bull äußern.

Fotoquelle: xpb.cc

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