Michael Schumacher im Suzuka-Regen: Am Samstag konnte niemand fahren

Formel 1 2010

— 09.10.2010

Schumacher: "Keiner hat den Spaß verloren"

Wie Michael Schumacher, sein Bruder Ralf und Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug den Regen nehmen: Humor und Hoffnung auf gute Sonntagsergebnisse

Das Qualifying in Suzuka musste aufgrund starker Regenfälle auf Sonntagmorgen verschoben werden. Die Piloten warteten am Samstag lange in der Box, die Rennleitung entschied sich erst spät für die endgültige Verschiebung. "Außer Bootfahren geht gar nichts", sagt Michael Schumacher. "Es ist absolut nicht fahrbar. Sogar das Safety-Car hat Schwierigkeiten, trotz der vielen guten Fahrhilfen im SLS. Bernd Mayländer kommt ins Schwitzen, wenn er da fahren muss. Für uns ist es schlichtweg unmöglich."

Der siebenmalige Formel-1-Weltmeister gilt als Regenspezialist, will sich aber nicht unnötigen Gefahren aussetzen. "Jeder will möglichst schnell fahren, man muss an die Grenze gehen. Nur die Grenze ist hier nicht kalkulierbar", erklärt der 41-Jährige. "Das Auto schwimmt plötzlich auf, du hast keine Kontrolle mehr und das bedeutet meist: Abflug. Das kann hier sehr gefährlich werden."

"Wir hatten früher öfter die Situation, dass wir bei solchen Bedingungen mitten im Rennen hinter dem Safety-Car herfahren sollten und es teilsweise ganz einfach nicht geschafft haben. Das Safety-Car war einfach zu schnell. Wir mussten per Funk dann durchgeben, dass es langsamer machen soll, weil wir sonst alle abgeflogen wären", beschreibt Schumacher die Schwierigkeit im tief liegenden Formel-1-Auto.

Statt Vollgas zu geben vertrieb sich der Deutsche die Zeit in Gesprächen mit seinem Bruder Ralf oder beim Wettbewerb der "Bootsbauer" Sauber und Red Bull. "Keiner hat den Spaß verloren. Das ist wichtig in einem Moment, wo es jedem etwas auf die Nerven geht. Die sitzen hier alle im Regen und nichts passiert", sagt Schumachacher mit Blick auf die durchnässten Fans auf den Tribünen. "Die sind extrem zäh."

"Die haben früher auf ihrem Platz übernachtet, weil der Platz sonst weg gewesen wäre - beeindruckend", lobt der Rekordchampion die Fans in Suzuka. Die Absage ist kein Novum in Japan. 2004 musste man das Qualifying am Samstag wegen einer Taifunwarnung auslassen und am Sonntag nachholen. "Dann stehen wir halt ein bisschen früher auf", sagt Schumacher, der 2004 sonntags die Pole holte und siegte.

"Es ist halt anders. Warum sollte es nicht gehen? Wir sind alle fit genug und gut gerüstet. Das macht uns nichts aus", winkt der Mercedes-Star ab. Hektisch könnte es höchstens für die Mechaniker werden. "Die müssen in kürzerer Zeit das Auto für das Rennen vorbereiten und alles checken." Große Veränderungen an den Fahrzeugen dürfen aber aufgrund der Parc-Fermé-Regel ohnehin nicht vorgenommen werden.

Schumacher rechnet sich für das weitere Wochenende gute Chancen aus. "Wir hatten gestern einen relativ guten Tag. Es lief besser als wir es erwartet hatten", sagt er. "Die Streckencharakteristik kommt uns nicht entgegen, die Harmonie zwischen Reifen und Auto ist nicht gerade besonders gut. Auf einer solchen Strecke macht sich das noch extremer bemerkbar."

Die Piloten haben nun also den restlichen Samstag frei. Man wird noch einige Technikbesprechungen abhalten, dann geht es zurück ins Hotel. Die Karaokebuden von früheren Schumacher-WM-Feiern gibt es nicht mehr. "Hier ist es viel ruhiger geworden. Die armen Mechaniker, die abends vielleicht noch ein Bier trinken wollen, die finden nichts mehr, wo sie noch eines trinken könnten. Es wurde alles abgebaut."

Für Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug war die Qualifying-Absage der einzig richtige Schritt. "Es ist unverantwortlich. Selbst wenn es aufhören würde zu regnen, würde es noch eine Weile dauern. Ab einer gewissen Wasserhöhe kann ein Formel-1-Auto wegen der geringen Bodenhöhe nicht mehr fahren. Man muss das akzeptieren. Man kann es nicht steuern. Was wir tun, ist schon so gefährlich genug."

"Michael ist im Regen ganz gut, unser Auto in diesem Jahr auch. Nico war im Regen auf dem Podium", hofft Haug auf gute Resultate, selbst wenn es am Sonntag weiter regnen sollte. "Es ist die geografische Lage und es ist die Jahreszeit. Wettertechnisch ist das hier das schwerste Rennen", meint Japan-Experte Ralf Schumacher. "Ende November und im Dezember ist es hier viel schöner, aber natürlich kühler."

Der jüngere Bruder setzt im Nassen voll auf seinen großen Bruder. "Man muss ein gutes Gefühl vor das Auto haben. Aber noch wichtiger ist, dass der Wagen das macht, was der Regenfahrer braucht", schreibt Ralf Schumacher die wichtigen Faktoren. "Gute Sicht muss herrschen und man muss sofort beim Herausfahren aus der Box ein Gripgefühl haben, man muss sicher sein, dass man sich auf das Auto verlassen kann. Beim Bremsen darf man nicht die Vorderräder blockieren, weil das Fahrzeug sonst geradeaus schiebt."

"Wenn alles zusammenpasst, dann kann ein Fahrer im Regen eine tolle Runde fahren. Es ist keine Seltenheit, dass ein Fahrer im Regen mal eine Sekunde schneller ist als der Rest der Welt. Eben weil er das passende Gefühl hat und dann in schnellen Kurven viel schneller fahren kann als alle anderen", erklärt der Mercedes-DTM-Pilot, der sich nach eigener Aussage durchaus mal wieder einige Proberunden in einem Formel-1-Auto vorstellen könnte: "Gerade hier in Suzuka..."

Fotoquelle: xpb.cc

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