Martin Whitmarsh ist mit dem Ergebnis von Suzuka nicht wirklich zufrieden

Formel 1 2010

— 11.10.2010

Whitmarsh: "Wir müssen etwas unternehmen"

McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh über das Rennen in Suzuka und die etwas kleiner gewordenen WM-Chancen von Lewis Hamilton und Jenson Button

Frage: "Martin, wie lautet dein Fazit? Red Bull war ja wohl eine Klasse für sich..."
Martin Whitmarsh: "Red Bull war hier am schnellsten. Ich bin enttäuscht über unsere Zuverlässigkeitsprobleme, gerade in dieser heiklen Phase. Dadurch hatten wir nicht genug Trainingszeit."

"Lewis hat aber einen fantastischen Job gemacht, denn er hatte vor dem Qualifying nur sechs Runden, war aber sofort auf den Punkt da, als es drauf ankam. Er wurde Dritter, obwohl wir nicht das schnellste Auto hatten. Während des Rennens haben wir getan, was möglich war. Im Nachhinein betrachtet ist unsere Taktik mit Jensons Reifen nicht aufgegangen, denn mit der weicheren Mischung wäre er im Qualifying möglicherweise vor Alonso gelandet. Es bringt aber nichts, dem nachzujammern."

Niemand denkt an Aufgabe

"Wir haben jetzt 28 Punkte Rückstand bei 75 noch zu vergebenden Punkten und drei noch zu fahrenden Rennen - ich gehe ja davon aus, dass Südkorea stattfinden wird. Wir müssen sicherstellen, dass wir zuverlässig sind und einen neuen Front- und Heckflügel bekommen, auch andere Teile. Wir werden weiter pushen."

Frage: "Glaubst du, dass ihr durch Jensons unkonventionelle Strategie auch Lewis' Rennen eingebremst habt?"
Whitmarsh: "Im Endeffekt war das egal, weil Lewis ja Getriebeprobleme hatte. Am Anfang hätte er ohne Jenson vielleicht ein bisschen schneller sein können, aber wir betreiben unser Team so, dass jeder Fahrer machen kann, was er für am besten hält. Jenson und seine Ingenieure fanden, dass sie diese Strategie versuchen sollten, aber das ist nicht ganz aufgegangen."

Frage: "War es nicht eine Überlegung, Jenson länger draußen zu lassen, um die Gegner aufzuhalten, und Lewis noch einmal an die Box zu holen?"
Whitmarsh: "Doch, aber zu dem Zeitpunkt mussten wir auch an Jenson denken. Wir wollten ihm genug Zeit auf den weichen Reifen geben, auf denen er sehr schnell war. Außerdem hätte es nicht unserer Philosophie entsprochen, ihn länger draußen zu lassen. Andere mögen vielleicht so denken, aber wir nicht. Die beste Chance für Jenson, vielleicht noch jemanden zu überholen, war ein Reifenwechsel, um dann noch genug schnelle Runden zu haben. Das war unsere Absicht."

Frage: "Wäre es dann nicht klüger gewesen, ihn noch früher reinzuholen?"
Whitmarsh: "Glaube ich nicht. Wir haben das durchgespielt, aber es hätte keinen Unterschied gemacht. Wir waren mit den harten Reifen einfach nicht schnell genug. Theoretisch wäre es aufgegangen, wenn wir in der 15. Runde reinkommen hätten können, aber das ging nicht, weil Jenson dann hinter langsamere Autos zurückgefallen wäre. Die Strategie ist eben nicht ganz aufgegangen, denn wie gesagt, mit den weichen Reifen wäre er im Qualifying vielleicht vor Alonso gestanden. Aber das ist Konjunktiv."

Frage: "Was für eine Überlegung steckte eigentlich hinter dieser Strategie?"
Whitmarsh: "Jenson dachte, dass er auch mit den harten Reifen schnell genug sein würde, um in die zweite Reihe zu fahren, aber das ist knapp nicht gelungen. Mit den weichen Reifen und einer konventionellen Strategie wäre er vielleicht vor Alonso geblieben, aber er fühlte sich auf den harten Reifen wohl und wir haben das gemeinsam entschieden. Es hat halt nicht funktioniert, aber das kommt im Motorsport vor."

Frage: "Was genau war Lewis' Problem?"
Whitmarsh: "Er hatte keinen dritten Gang mehr. Ich erwarte nicht, dass das für das nächste Rennen ein Problem ist. In der Schlussphase konnte er nur vom vierten bis in den siebten Gang schalten, was klarerweise eine Beeinträchtigung war, aber er ist sehr gut damit umgegangen und nach einem ziemlich schwierigen Wochenende ruhig geblieben. Im Qualifying haben wir gesehen, wie schnell er sich zurückmelden kann. Wir werden weiterhin pushen und ich bin mir sicher, dass wir in Südkorea zurückschlagen werden."

Nur nach vorne schauen

Frage: "Befürchtest du, dass euch im WM-Kampf ein wenig der Schwung verloren gehen könnte?"
Whitmarsh: "Wir sollten keine Zeit damit verschwenden, uns darüber den Kopf zu zerbrechen, sondern wir müssen etwas dagegen unternehmen! Wir müssen zuverlässig sein, schneller werden und in den nächsten Rennen unser Bestes geben."

Frage: "Wie schwierig ist es, zwei Fahrer im Team zu haben, die beide um den WM-Titel kämpfen?"
Whitmarsh: "Sie sind tolle Rennfahrer und Weltmeister. Sie werden bis zum Ende kämpfen und sie sind enorm motiviert. Das hat man im Qualifying gesehen. Sie haben wertvolle Punkte gesammelt, auch wenn das nicht ganz das war, was wir uns erhofft hatten. Sie werden aber auch in Südkorea genauso motiviert sein - und wenn wir ihnen ein schnelles Auto geben, werden sie vorne mitkämpfen."

Frage: "Jetzt wird im WM-Kampf natürlich alles auf die Waagschale geworfen. Welche neuen Teile erwartet ihr für Südkorea?"
Whitmarsh: "Wir bekommen einen neuen Frontflügel und der neue Heckflügel, den wir hier noch nicht genug testen konnten, soll ebenfalls zum Einsatz kommen. Es gibt ein paar Dinge und wir werden auf jeden Fall alles probieren, denn es sind noch drei Rennen zu fahren und wir sind noch im Spiel. Bis es nicht mehr möglich ist, werden wir alles geben."

Frage: "Glaubst du, dass die drei Spitzenreiter einmal ausfallen müssen, damit ihr noch eine Chance habt, oder könnt ihr es auch aus eigener Kraft schaffen?"
Whitmarsh: "Wir müssen uns auf uns selbst konzentrieren, denn was die anderen machen, können wir sowieso nicht beeinflussen - leider. Das ist unsere Marschrichtung für die letzten drei Rennen."

Frage: "Hast du eine Idee, warum wir dieses Jahr so viele wegfliegende Räder sehen?"
Whitmarsh: "Nein. Bei uns ist es nicht passiert - eines der wenigen Probleme, das wir dieses Wochenende nicht hatten! Aber die anderen Teams haben da vielleicht ihre Theorien."

Fotoquelle: xpb.cc

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