Die Strecke aus der Vogelperspektive: Der KIC liegt direkt am Gelben Meer

Formel 1 2010

— 20.10.2010

Formel 1 zwischen Chaos und dem 38. Breitengrad

Vorschau auf den Grand Prix von Südkorea: Die Geschichte des Landes, auf welchen Säulen die Wirtschaft steht und was man über die Strecke bisher weiß

Wenn die Formel 1 in den Landkreis Yeongam kommt, um dort ein Rennen zu fahren - in diesem Jahr zum ersten Mal -, dann ist oft fälschlicherweise vom Grand Prix von Korea die Rede. Richtig wäre: Grand Prix von Südkorea. Denn die Koreanische Halbinsel besteht bereits seit 1945 nicht mehr nur aus einem politischen Land Korea, sondern aus zwei ungefähr gleich großen Staaten: Süd- und Nordkorea.

Erstmals besiedelt war die Halbinsel wohl schon zwischen 18.000 und 12.000 vor Christus, näher beleuchten wollen wir die vielfältige Geschichte aber erst ab 1895. Damals endete der Japanisch-Chinesische Krieg um die Vorherrschaft in Korea mit einem Sieg der Japaner. China gestand Korea volle und umfassende Souveränität und Autonomie zu und 1897 wurde von König Gojong Groß-Korea ausgerufen.

1905 wurde Groß-Korea zu einem japanischen Protektorat und 1910 erzwang die japanische Regierung den Rücktritt des koreanischen Kaisers, nachdem der für Japan bedeutende Fürst Ito Hirobumi am 26. Oktober 1909 von einem koreanischen Nationalisten ermordet worden war. Korea wurde als Folge offiziell als Kolonie in das Japanische Kaiserreich eingegliedert. Nach der Annexion 1910 war Korea eine japanische Kolonie namens Chosen.

Lange Zeit unter japanischer Herrschaft

Diese Zeit war für Korea ein zweischneidiges Schwert, denn einerseits wurde das Land von den Japanern wirtschaftlich und gesellschaftlich modernisiert, doch gleichzeitig wurden die Rechte der Bevölkerung beschnitten und die koreanische Kultur unterdrückt. So wurde als Beispiel die Infrastruktur modernisiert und ausgebaut, doch die dafür notwendigen Grundstücke gewannen die Japaner primär durch Zwangsenteignungen.

Während des Zweiten Weltkriegs realisierte die japanische Regierung jedoch, dass Korea als Kolonie nicht dauerhaft zu halten sein würde, also wurde die Übergabe an die Koreaner vorbereitet. Am 15. August 1945 kapitulierte Japan. Die Soldaten der Kaiserlichen Armee in der nördlichen Zone Chosens (nördlich des 38. Breitengrads) mussten sich den Sowjets, die der südlichen Zone den Amerikanern ergeben. Die Besetzung des Nordens durch die Sowjetunion erfolgte nur wenige Tage später, während im Süden die Amerikaner erst am 8. September eintrafen und den japanischen Generalgouverneur bis zum 12. September in seinem Amt beließen.

In den Wochen dazwischen war die südliche Zone von der unter japanischer Aufsicht agierenden koreanischen Volksregierung verwaltet worden. Nach der Übernahme verbot die US-Regierung diese Regierung und ihre Strukturen. Auch die koreanische Exilregierung in China wurde wegen angeblicher kommunistischer Unterwanderung von den Amerikanern nicht anerkannt. Hingegen übernahmen sie viele ehemalige japanische Kolonialbeamte in ihre Dienste. Heutzutage betrachtet man sowohl in Nord- als auch in Südkorea den 15. August 1945 als Tag der Unabhängigkeit, obwohl Japan zumindest im Süden de facto bis zum 9. September 1945 die Verwaltungshoheit besaß.

In den folgenden Jahren kam es zu den Staatsgründungen in Süd- und Nordkorea, doch der Norden entwickelte sich zunächst wegen der Rohstoffvorkommen schneller und verfügte schon bald über eine eigene Industrie. Zudem gelang es den Nordkoreanern dank der Hilfe der Sowjetunion, sich verhältnismäßig rasch von den Folgen des Zweiten Weltkriegs zu erholen und auch wieder eine schlagkräftige Armee aufzubauen. Im Süden stand hingegen die Landwirtschaft im Mittelpunkt.

Wie der Eiserne Vorhang: Der 38. Breitengrad

Am 25. Juni 1950 überschritt die Nordkoreanische Volksarmee die Grenze am 38. Breitengrad und leitete damit den Koreakrieg ein. Der amerikanische Präsident Harry S. Truman hatte bereits wieder einige Truppen nach Südkorea geschickt, die keinesfalls stark genug waren, die materielle Überlegenheit der nordkoreanischen Truppen über die südkoreanische Armee auszugleichen. Die Hauptstadt Seoul fiel bereits nach drei Tagen, etwa einen Monat später kontrollierten die Nordkoreaner bereits die gesamte Halbinsel bis auf einige Inseln und einen schmalen Streifen um Busan im Südosten. Erst hier gelang es den Südkoreanern, die Lage zu stabilisieren.

Mit der Landung bei Incheon Mitte September 1950 gelang es den UN-Truppen, den Vormarsch der Nordkoreaner zu beenden. Am 30. September überschritten die Truppen Südkoreas den 38. Breitengrad, um die Koreanische Halbinsel unter ihrer Flagge wieder zu vereinigen. Im November erreichte man erste Abschnitte des Grenzflusses Yalu zu China. Die Chinesen wollten ein vereinigtes Korea unter US-amerikanischem Einfluss nicht dulden und griffen mit einer zunächst 300.000 Soldaten umfassenden "Freiwilligenarmee" in Nordkorea ein. Die UN-Truppen wurden schließlich bis südlich des 38. Breitengrades zurückgedrängt, wo die Front erstarrte.

Der Waffenstillstand wurde am 27. Juli 1953 beschlossen, unterzeichnet von den Vereinten Nationen, Nordkorea und China. Syngman Rhee, der Präsident Südkoreas, weigerte sich, den Vertrag zu unterzeichnen. Man verfügte die Einrichtung einer demilitarisierten Zone etwa entlang dem 38. Breitengrad. Die demilitarisierte Zone ist auch heute noch die Grenze zwischen beiden koreanischen Staaten. Ein Friedensvertrag wurde bis heute nicht unterzeichnet, obwohl die Absicht dazu mehrfach bekundet wurde.

Nach dem Koreakrieg ging es trotz westlicher Entwicklungshilfe wirtschaftlich mit Südkorea kaum aufwärts. Als Land ohne größere Bodenschätze war Südkorea auf Importe angewiesen, auch waren die wenigen Industrieanlagen und die gesamte Infrastruktur zerstört. Erst unter der Regierung des Putschisten General Park Chung-hee erholte sich Südkorea. Eine enge Verbindung zwischen Politik und Wirtschaft machte es möglich, Großindustrien aus dem Boden zu stampfen. Südkorea wandelte sich in dieser Zeit zu einem modernen, exportorientierten Industriestaat.

Bildung für sozialen Fortschritt

Dadurch verbesserte sich auch der Lebensstandard der Südkoreaner. Das Bildungswesen wurde verbessert und breiteren Bevölkerungsschichten zugänglich gemacht, das so genannte Saemaul-Programm hob die Lage der Landbevölkerung. Allerdings wurden wesentliche demokratische Rechte wie Meinungs- und Pressefreiheit ignoriert und Oppositionelle gefoltert und ermordet, sodass Südkorea faktisch eine Militärdiktatur war.

General Park wurde Ende der 1970er-Jahre vom eigenen Geheimdienst erschossen, doch die politischen Unruhen nahmen deswegen kein Ende. Auch die Spannungen mit Nordkorea blieben über die Jahrzehnte allgegenwärtig. 1987 wählte dann die Bevölkerung ihren Präsidenten, dessen Amtszeit auf fünf Jahre verkürzt worden war, erstmals wieder selbst. Nach dem Abzug von amerikanischen Atomwaffen im September 1991 schlossen Nord- und Südkorea am 13. Dezember 1991 sogar einen Nichtangriffspakt.

Zweimal war Südkorea auch schon Ausrichter von bedeutsamen Sportereignissen: 1988 trug Seoul die Olympischen Sommerspiele aus, die wegen des Dopingskandals um den 100-Meter-Goldmedaillengewinner Ben Johnson in die Geschichte eingingen, und 2002 veranstaltete man gemeinsam mit dem einstigen Kolonialherrscher Japan die Fußball-Weltmeisterschaft - eine Kooperation mit Symbolkraft. Außerdem sorgte das von Guus Hiddink trainierte Nationalteam für eine landesweite Euphorie, als es erst im Halbfinale gegen Deutschland ausschied.

Der Tourismus wuchs seit den 1970er-Jahren beständig. 2002, im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft, kamen 5,3 Millionen Besucher ins Land. Davon waren etwa 43 Prozent Japaner, die zweitgrößte Gruppe der Besucher kam aus China. Bereits im Jahr 2008 betrug die Anzahl der Besucher 6,9 Millionen und im Jahr 2009 7,8 Millionen. Ein kurzer Aufenthalt in Südkorea ist für Besucher aus vielen Staaten sogar ohne Visum möglich.

Kein Kontakt nach Nordkorea erlaubt

Das gesellschaftliche Leben ist immer noch durch den Konflikt mit Nordkorea beeinflusst. So verbietet es das Nationale Sicherheitsgesetz, Kontakt nach Nordkorea aufzunehmen. Auch darf Nordkorea in der Öffentlichkeit nicht gelobt oder für Nordkorea geworben werden. Das Gesetz wurde am 1. Dezember 1948 beschlossen, 1963 und 1980 geändert und ist bis heute in Kraft. Es wurde vor der Demokratisierung als "Gummiparagraph" zur Unterdrückung politischer Opposition missbraucht, denn es ist inhaltlich sehr unbestimmt und sieht auch schon für regierungsfeindliche Äußerungen, Besitz und Weitergabe regierungsfeindlichen Materials, Mitgliedschaft in regierungsfeindlichen Organisationen und Nichtanzeige derartiger Straftatbestände Strafen bis hin zur Todesstrafe vor.

Allerdings gibt es zunehmende Bestrebungen, die Todesstrafe abzuschaffen. Zwar wird die Abschaffung von der Bevölkerung mehrheitlich abgelehnt, jedoch haben im Dezember 2004 175 der 299 Mitglieder des Parlaments einen Gesetzesvorschlag gegen die Todesstrafe unterschrieben. Anfang 2006 gab das Justizministerium bekannt, eine Studie über die Folgen der Abschaffung vornehmen zu wollen. Der Oberste Gerichtshof jedoch entschied, dass die Todesstrafe mit der Verfassung vereinbar sei.

Doch so unzeitgemäß die Südkoreaner mit dem Thema Todesstrafe umgehen, so haben sie umso mehr die Notwendigkeit von Bildung für ein funktionierendes Sozialsystem erkannt. Mit der Gründung Südkoreas wurde ein Schulsystem nach westlichem Vorbild aufgebaut und heute weist Südkorea eine der weltweit besten Alphabetisierungsraten auf. Allerdings wird das Schulsystem wegen des extrem hohen Leistungsdruck oft auch kritisiert - so sind Zwölf-Stunden-Tage keine Seltenheit.

Durch den hohen Bildungsgrad gibt es jedoch viele qualifizierte Fachkräfte im Land, was wiederum zu einer extrem niedrigen Arbeitslosenquote führt. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass sich in Südkorea gut Geld verdienen lässt, denn für einheimische Arbeitnehmer gilt ein Mindestlohn von umgerechnet nur 400 Euro pro Monat. Das Wohlfahrtsministerium schätzt, dass sich etwa 1,4 Millionen Personen unterhalb der Armutsgrenze befinden und weitere 3,2 Millionen in potenzieller Armut leben.

Wirtschaftsdaten wie ein EU-Land

Das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt Südkoreas entspricht mittlerweile dem eines durchschnittlichen EU-Landes. Die Wachstumsraten sind noch immer wesentlich höher als in Europa oder den USA. Die Bedeutung der Landwirtschaft für die Wirtschaft ist in den vergangenen Jahrzehnten aber ständig zurückgegangen. Im Jahr 2003 betrug der landwirtschaftliche Anteil am BIP des Landes etwa 3,2 Prozent. Trotzdem beschäftigt die Landwirtschaft etwa zehn Prozent der Arbeitskräfte. Das wichtigste landwirtschaftliche Produkt ist der Reis, der in etwa 80 Prozent aller Betriebe angebaut wird.

Die Industrie trägt fast 35 Prozent zum BIP bei und beschäftigt etwa 20 Prozent aller Arbeitskräfte. In Südkorea werden vor allem Elektronik wie Computer, Telekommunikationsausrüstungen, Unterhaltungselektronik und Halbleiter hergestellt, daneben Fahrzeuge, Schiffe, Produkte der chemischen Industrie, Stahl und Produkte der Leichtindustrie wie Textilien, Schuhe oder Lebensmittel. In der Produktion von Halbleitern, Flachbildschirmen und Schiffen sind südkoreanische Unternehmen wie zum Beispiel Formel-1-Seriensponsor LG weltweit führend.

Das Nationalgericht ist Kimchi, ein überwiegend scharf eingelegtes Gemüse. Unter den südkoreanischen Hauptspeisen nimmt Bulgogi (gebratene Rindfleischstreifen) eine Sonderstellung ein. Die in einer Mischung aus Sojasoße, Sesam und Gewürzen marinierten Fleischstreifen werden über einem Holzkohlenfeuer gebraten. Galbi heißen zarte Rippenstücke, die wie Bulgogi mariniert und gebraten oder gegrillt werden. Aber nicht das Fleisch, sondern immer noch der Reis gilt in Südkorea als wichtiger Bestandteil des Essens.

Zu einer echten südkoreanischen Mahlzeit gehört auch eine Suppe (Guk), die als eine der frühesten kulinarischen Errungenschaften des Landes gilt. Berühmt ist beispielsweise die Doenjangguk, eine Suppe aus fermentierten Sojabohnen (Doenjang) mit Gemüse und oft auch Muscheln. Gern gegessen werden auch die aus Myeolchi-Pulver (getrockneten, fermentierten, gemahlenen Sardellen) gekochte leichte Brühe sowie Gemüsesuppen, zubereitet aus Trockenspinat, Rettichscheiben oder aus frischen oder getrockneten Algen (Miyeokguk).

Doch am kommenden Wochenende geht es nicht um Politik oder kulinarische Genüsse, sondern um Racing. Der Korean International Circuit (KIC) wurde erst im Oktober 2010, also wenige Tage vor dem ersten Grand Prix am 24. Oktober, fertiggestellt. Selbst am Tag vor dem ersten Freien Training bäumten sich über sämtlichen Tribünen riesige Kräne auf, das Militär schraubte und hämmerte an den Zuschauerrängen, ein paar Meter weiter stand eine halbe Brücke.

Formel-1-Stars steigen in Stundenhotels ab

Alles wirkte improvisiert - auch das gesamte Umfeld. Denn rund um den KIC soll in den nächsten Jahren ein Stadtentwicklungsprojekt umgesetzt werden, aber derzeit könnte man in Yeongam meinen, man sei "am Arsch der Welt angekommen", wie eine Schweizer Boulevardzeitung schreibt. Allein die Situation bei den Unterkünften ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten: Manche Teams logieren in Stundenhotels in der 60.000-Einwohner-Stadt Mokpo - zwischen schmuddeligen Videokassetten auf dem Gang und zwielichtigem Publikum im Nebenzimmer sollen sich die Fahrer professionell auf ein WM-Rennen vorbereiten.

Um Südkorea im Boot zu halten, haben die Verantwortlichen im Vorfeld der Formel-1-Premiere unzählige Grundsätze über Bord geworfen. Normalerweise muss eine Strecke 90 Tage vor dem Start abgenommen werden, der Kurs direkt am Meer in Yeongam erhielt jedoch erst eine Woche vor der Ankunft des Formel-1-Trosses das Okay von FIA-Chefinspektor Charlie Whiting.

Schon die Anreise war für alle Beteiligten ein Abenteuer. Der nächstgelegene Großflughafen in Seoul ist 400 Kilometer entfernt. Zubringerbusse mussten kurz dem Ziel plötzlich stoppen und umkehren, weil Straßen nicht fertiggestellt waren, Internet- und Telefonleitungen brachen wieder und wieder zusammen. Die zahlreichen freiwilligen Helfer im Streckengelände sorgten mehr für Verwirrung als für Aufklärung, auch sie blickten nicht mehr durch.

Formel-1-Fans sind in Südkorea ohnehin in der Minderheit. Obwohl Teams wie Red Bull und Renault im Vorfeld Demoshows abhielten, hat die Bevölkerung offenbar noch nicht realisiert, dass das Rennen wirklich stattfindet. Im 15 Kilometer entfernten Mokpo wissen die meisten Bewohner nichts von dem Großevent am Wochenende, im Stadtbild weisen nur zwei Banner an großen Brücken darauf hin. Somit droht auch auf den 130.000 Zuschauer fassenden Tribünen, an denen in den meisten Fällen noch gearbeitet wird, gähnende Leere.

Der Grund für die Bauverzögerung war schlechtes Wetter: "Das hier war sehr sumpfiges Land, das wir erst trocknen mussten, bevor wir beginnen konnten", berichtet Streckenarchitekt Hermann Tilke, der in Südkorea allerdings nicht als Projektleiter fungierte. "Zu den Verzögerungen kam es gleich zu Beginn, denn wir brauchten zu lange, um das Wasser herauszubekommen - länger als ein Jahr. Und dann dauerte die Monsunzeit länger als erwartet."

Strecke mit variantenreichen Passagen

Die Rätsel von Yeongam: Was klingt wie der Titel eines neuen Fantasy-Rollenspiels, beschreibt in Wirklichkeit die Aufgaben der Ingenieure der Teams. Das Debüt einer neuen Strecke ist immer ein spannender Moment für den gesamten Formel-1-Tross, und der brandneue KIC in Südkorea besitzt alle Zutaten für einen packenden Rennverlauf. Die Strecke im Landkreis Yeongam weit im Süden der Halbinsel wird entgegen dem Uhrzeigersinn gefahren und weist einen Mix unterschiedlicher Kurventypen und langer Geraden sowie einige vielversprechende Überholmöglichkeiten auf.

"Wir haben mit den Vorbereitungen bereits vor Monaten begonnen, gleich nachdem die FIA allen Teams die Streckendaten zur Verfügung gestellt hat", erklärt Alan Permane, Chefrenningenieur des Renault-Teams. "Auf dieser Basis konnten wir ein digitales Modell des Kurses erstellen und mit unseren Fahrern überlegen, wo die Ideallinie verläuft."

Sobald die Strecke am Computer fertig gebaut war, "fuhr" das Team Simulationen von Qualifyings und Rennen, um bereits in der Heimat ein tragfähiges Basis-Setup auszuarbeiten. "Auf Basis der Simulationen konnten wir die optimalen Abtriebslevels, Aufhängungswerte, Bodenfreiheit und sogar das Fahrverhalten in Abhängigkeit von der aktuellen Benzinmenge berechnen", berichtet Permane. "Auf der anderen Seite bleiben eine Reihe von unbekannten Variablen, etwa das Gripniveau des Asphalts, Bodenwellen oder eine eventuelle Neigung der Kurven. Aber trotzdem haben wir eine ziemlich genaue Vorstellung von der richtigen Abstimmung, noch bevor wir einen Fuß auf das Streckengelände gesetzt haben."

Was haben die Simulationen denn alles ergeben? Die Rundenzeit wird im Trockenen voraussichtlich bei 1:44 Minuten liegen, der Volllastanteil bei 55 Prozent und 20 Prozent der Zeit werden die Piloten auf der Bremse stehen. Die Teams gehen von einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 195 km/h aus, als Topspeed auf der 1,15 Kilometer langen Geraden zwischen den Kurven zwei und drei werden 315 km/h erwartet. Von den 18 Kurven dürfte Turn acht mit einer Geschwindigkeit von 235 km/h im Scheitelpunkt die schnellste sein. Als langsamste Stelle gilt Turn drei, wo die Boliden mit nur 65 km/h durchrollen.

Vorarbeit durch Computersimulationen

Angesichts dieses Vorwissens und der zahllosen Runden am Rechner unterscheidet sich die Arbeit im Freitagstraining nicht wesentlich von dem Programm, das auf bekannten Strecken gefahren wird. Allenfalls werden die Piloten im Vormittagstraining einige Runden mehr drehen als üblich, um die Feinheiten der Strecke kennenzulernen. Für die Ingenieure geht es in den Trainingssessions darum, die optimalen Getriebeübersetzungen, vor allem für den zweiten, dritten und vierten Gang festzulegen. Für das erste Freie Training stehen die Übersetzungen längst fest, aber wenn sich zeigen sollte, dass vor der zweiten Session Änderungen nötig sind, wird die Mittagspause in Yeongam sehr kurz ausfallen...

Das Aerodynamik-Setup dürfte sich nicht wesentlich von dem in Suzuka verwendeten unterscheiden. "Wir benötigen ziemlich viel Abtrieb und werden auf jeden Fall mit dem Suzuka-Paket starten", bestätigt Permane. "Es gibt eine Reihe von Hochgeschwindigkeitskurven wie etwa die Turns sieben und acht, die mich an die Kurven fünf und sechs von Sepang erinnern. Zwischen den Kurven steht ein schneller Richtungswechsel an. Wir gehen davon aus, dass Turn sieben voll und Turn acht fast voll gefahren wird. Ein weiterer wichtiger Punkt: Der F-Schacht muss auf den langen Geraden optimal arbeiten, denn am Ende der Vollgasstücke vor den Kurven eins und drei ergeben sich jeweils gute Überholmöglichkeiten."

Für die Ingenieure nicht weniger wichtig sind die zahlreichen langsamen, technisch anspruchsvollen Passagen wie etwa die von Turn vier bis sechs oder 15 bis 16 im letzten Streckenteil. Die richtige Fahrzeugbalance in diesen kurvenreichen Sektionen wird wesentlich über die Rundenzeiten entscheiden. "In den engen Ecken brauchst du ein agiles Auto, das flott einlenkt und beim Beschleunigen gute Traktion bietet", erklärt Permane. "Gerade in dieser Art Kurven ist es wichtig, dass unser Auto gut funktioniert, denn hier kannst du am meisten Zeit gewinnen oder verlieren."

In Wahrheit kann Südkorea selbst am kommenden Wochenende am meisten gewinnen oder verlieren. Denn sollte die Veranstaltung wie befürchtet zum Chaos-Grand-Prix verkommen, dann wäre das für das aufstrebende Land von Formel-1-Sponsor LG eine mittlere Katastrophe - schließlich würden die Asiaten der Welt nur zu gerne beweisen, dass sie trotz der großen Skepsis nicht scheitern werden...

Fotoquelle: KIC

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