Bullenparade: Mark Webber, Polesetter Sebastian Vettel und Fernando Alonso

Formel 1 2010

— 23.10.2010

Red Bull knackt Alonso: Pole für Vettel!

Red Bull fährt in Yeongam sensationell in die erste Startreihe: Polesetter Vettel 74 Tausendstel vor Webber - Alonso und Hamilton in Lauerposition

Von den noch zu fahrenden drei Strecken gilt der Korea International Circuit in Yeongam am allerwenigsten als Red-Bull-Terrain, dennoch sicherten sich Sebastian Vettel und Mark Webber heute überraschend die erste Startreihe für den morgigen Grand Prix von Südkorea (Start um 8:00 Uhr MESZ) - und zwar vor ihrem Hauptkonkurrenten Fernando Alonso.

Der Ferrari-Pilot dürfte die Pole-Position schon gewittert haben, als er nach dem ersten Run im Top-10-Finale mit einer Zeit von 1:35.927 Minuten in Führung lag. Besonders im ersten Sektor (absolute Bestzeit in 51,9 Sekunden) war Alonso sensationell unterwegs - und im zweiten Versuch konnte er sich sogar auf 1:35.766 Minuten steigern. Doch die Red Bulls schafften im Finish eine größere Steigerung und fuhren noch in die erste Startreihe!

74 Tausendstel zwischen den "Bullen"

"Es war wieder sehr knapp", strahlt Vettel, der am Ende 74 Tausendstelsekunden Vorsprung auf Webber hatte. "Ich war schon im ersten Run happy mit dem Auto, aber da bekam ich es nicht ganz hin. Im zweiten Versuch begann ich die Runde gut, aber es ist hier leicht, einen Fehler zu machen. Daher habe ich etwas zu viel Raum gelassen und im zweiten Sektor Zeit verloren, aber im dritten Sektor habe ich richtig Gas gegeben."

Das war letztendlich auch entscheidend, denn im Mittelsektor war Webber tatsächlich um zwei Zehntelsekunden schneller als der Deutsche. "Diese Pole", jubelt Vettel, "ist ein großer Erfolg für uns, denn gestern lief es nicht rund und ich hatte im Training einen Reifenschaden. Auch heute Morgen haben wir mit extrem wenigen Runden versucht, das Auto zu schonen, sodass ich nicht viel trainieren konnte. Aber ich fand dann immer besser in einen Rhythmus."

"Es war ein fantastisches Qualifying", strahlt Teamchef Christian Horner, und sogar der geschlagene Webber kann über das Ergebnis lächeln: "Auf der ersten schnellen Runde fühlte ich mich nicht wohl, daher habe ich mich für zwei Runden entschieden. Das hat gut geklappt", erklärt er seine Taktik, im letzten Run zweimal auf Zeit zu fahren. "Der zweite Platz ist viel besser als zuletzt, auch wenn ich natürlich gerne auf Pole gestanden wäre. Es war sehr knapp."

Alonso für das Rennen optimistisch

Auch Alonso ist mit seinem dritten Platz zufrieden: "Es war ein gutes Qualifying", schildert der WM-Zweite. "In Q1 waren wir mit den harten Reifen schneller als erwartet, auch in Q2 lief es sehr gut. Daher rochen wir eine kleine Chance, aber wir wussten, dass Red Bull in Q3 normalerweise noch zulegen kann. Ich glaube, Platz drei war für uns das Maximum. Das ist gut, denn das Qualifying ist nicht unsere Stärke, insofern bin ich für morgen sehr optimistisch."

Der heimliche Pole-Position-Favorit Lewis Hamilton konnte die McLaren-Stärke im ersten Sektor nicht wie geplant ausspielen und landete mit knapp fünf Zehntelsekunden Rückstand auf Platz vier. Zudem kam er vor dem letzten Run in der Boxeneinfahrt von der Strecke ab! "Das tut dem Auto nicht gut", analysiert 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer. "Wir wissen ja, wie empfindlich der Diffusor und die kleinen Luftleitbleche sind, und Dreck sammelt sich auch im Kühler. Ein unnötiger Fehler!"

Ob dieser letztendlich entscheidend war, sei dahingestellt, aber Tatsache ist, dass McLaren nicht an die starken Trainingsleistungen anknüpfen konnte. Noch deutlicher wurde das bei Jenson Button: Platz sieben, 1,146 Sekunden Rückstand auf Vettel! "Ich bekomme die Reifen nicht auf Temperatur", hatte er schon während des ersten Qualifyings geklagt - und im Laufe der Session konnte er nie ganz mit der Spitze mithalten. Für seine WM-Hoffnungen ist das ein herber Rückschlag.

Kubica nach Trainingsbestzeit ohne Chance

Während die erwartete Überraschung durch Robert Kubica (Renault/8./+1,239) ausblieb, fuhr Nico Rosberg (Mercedes/+0,950) eher unerwartet auf Platz fünf: "Ich bin schon ein bisschen überrascht", gesteht der Deutsche, der seinen Teamkollegen Michael Schumacher (9.) erneut um vier Zehntelsekunden abhängte. "Das war das Beste, was ich heute machen konnte, deshalb bin ich zufrieden. Fünfter ist eine gute Position für morgen."

Felipe Massa (Ferrari/+0,986) wurde Sechster, gefolgt von Button, Kubica, Schumacher und Rubens Barrichello (Williams/+1,413), der in Q2 noch über Verkehr geklagt hatte. Der Brasilo-Routinier schaffte immerhin erneut den Einzug ins Top-10-Finale und wurde damit seinem Ruf als zuverlässige Nummer eins gerecht. Teamkollege Nico Hülkenberg hingegen hatte die Top 10 ebenfalls in Aussicht, ließ diese Chance aber aus.

Hülkenberg ärgert sich über Fahrfehler

"Sehr ärgerlich, denn die Runde hätte mich wahrscheinlich ins Q3 gebracht - bis dahin war ich um zweieinhalb Zehntel schneller als davor", seufzt der möglicherweise scheidende Williams-Pilot, dem Pastor Maldonado mit venezolanischen Mineralöl-Millionen im Genick sitzt. Am Ende bedeutete das Platz elf für Hülkenberg, 23 Tausendstelsekunden vor Kamui Kobayashi, der das Sauber-Stallduell gegen Nick Heidfeld (13.) um Haaresbreite gewann.

Lange um den Aufstieg in Q2 zittern musste auch Adrian Sutil ("Habe ein gutes Gefühl für das Rennen"), der Force-India-Pilot kam letztendlich aber doch souverän eine Runde weiter und sicherte sich den 14. Startplatz. Für Teamkollege Vitantonio Liuzzi war hingegen schon in Q1 Endstation: Der Italiener fuhr in Sektor eins und zwei persönliche Zwischenbestzeiten, verlor aber im letzten Sektor über eine halbe Sekunde - ansonsten hätte es locker gereicht.

Vitaly Petrov (Renault) konnte nicht ganz an seine starken Trainingsleistungen anknüpfen und wird morgen wegen einer Rückversetzung um fünf Plätze (Kollision mit Hülkenberg in Suzuka) von Rang 20 aus angreifen. Ebenfalls in Q2 erwischte es die Toro-Rosso-Youngsters Jaime Alguersuari (16.) und Sébastien Buemi (17.), zwischen denen an diesem Wochenende klare Verhältnisse zugunsten des Spaniers zu herrschen scheinen.

Glock wieder Zweitbester der "Neuen"

Timo Glock (Virgin) hätte sich beinahe wieder die "kleine Pole-Position" der neuen Teams geholt, wurde letztendlich aber 20., 0,227 Sekunden hinter Jarno Trulli (Lotus): "Ich habe das Auto ausgequetscht wie eine Zitrone und die Runde war sehr gut, aber es waren dann die üblichen zwei Zehntel zu Jarno, die Lotus einfach schneller ist", gibt der Deutsche zu Protokoll. Immerhin: Das Stallduell gegen Lucas di Grassi gewann er um eineinhalb Sekunden!

Was das alles für morgen bedeutet - minimale Regenwahrscheinlichkeit inklusive - kann zum jetzigen Zeitpunkt kaum jemand zuverlässig vorhersagen. "Für heute ist die Arbeit getan, aber der Fokus ist natürlich auf dem Rennen", weiß Polesetter Vettel. "Die ersten paar Geraden nach dem Start sind sehr unterhaltsam für die Zuschauer. Ich hoffe, dass ich mich vorne gleich absetzen und das Rennen kontrollieren kann."

"Ich habe nicht gedacht, dass er Webber schlagen kann", lobt Experte Surer, "und ich habe auch nicht gedacht, dass Red Bull wirklich vorne stehen wird!" Die Frage ist, wie lange die Red Bulls vorne sein werden, denn im ersten Sektor haben sie ein signifikantes Defizit, was die Höchstgeschwindigkeit auf den Geraden angeht - erst wenn Vettel und Webber auch nach Kurve vier noch vorne sind, dürfen sie sich zunächst mal in Sicherheit wähnen...

Red Bull auf dem Weg zum ersten WM-Titel

Horner hatte schon vor dem Qualifying geahnt, dass Vettel überraschen könnte, obwohl es nach den Freien Trainings eher nach Webber roch: "Sie sind unterschiedliche Programme gefahren", klärte der Teamchef auf. "Sebastian muss nur das machen, was er sonst auch immer macht. Beide Fahrer sind sehr stark hier." Zur Erinnerung: Wenn Red Bull einen Doppelsieg feiert und McLaren maximal zwei Punkte holt, fällt morgen bereits die Entscheidung in der Konstrukteurs-WM!

Davor gilt es aber eine Graining-Schlacht über 55 Runden zu meistern: "Manche werden mehr Probleme haben als andere - und wenn du Probleme mit den Reifen hast, verlierst du Sekunden", warnt Rosberg, und auch Sutil weiß: "Die Reifen lösen sich relativ schnell auf!" Insofern ist es nicht ausgeschlossen, dass die Fahrer außerhalb der Top 10, die auf harten Pneus starten dürfen, zu Beginn des Rennens aufzeigen werden.

Mercedes-Teamchef Ross Brawn erwartet jedenfalls "viele Überholmanöver, denn die Strecke verändert sich sehr schnell. Wenn ein bisschen Staub draufkommt, verlierst du sofort eine Menge Grip, weil die Fahrbahn noch so glatt ist. Wenn es regnet, wird es sowieso interessant", kündigt er an. Sportchef Haug gratuliert abschließend dem Polesetter: "Eine überzeugende Pole! Mit der hatte er wohl nicht mal selbst gerechnet, aber umso stärker ist seine Leistung einzuschätzen."

Fotoquelle: xpb.cc

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