Lewis Hamilton und Jenson Button haben das Lächeln nicht verlernt

Formel 1 2010

— 23.10.2010

Trotz Quali-Pleite: McLaren gibt nicht auf

Kampfgeist bei McLaren ungebrochen: Lewis Hamilton will voll attackieren, aber keine Dummheiten machen, und Jenson Button hofft auf Regen

28 beziehungsweise 31 Punkte Rückstand für Lewis Hamilton und Jenson Button, heute nur die Plätze vier und sieben im Qualifying zum Grand Prix von Südkorea - aber das McLaren-Team steckt bei der Premiere in Yeongam drei Rennen vor Schluss nicht den Kopf in den Sand, sondern glaubt weiterhin an die Titelchance und gibt sich kämpferisch.

"Natürlich sollten wir hier gewinnen - das sollten wir am besten immer", weiß Hamilton, der in zwei der letzten drei Rennen selbstverschuldet ausgeschieden ist. "Wir wollen nicht Vierter oder Siebter werden, sondern wir geben unser Bestes, um so weit nach vorne zu kommen wie möglich. Wir haben vor, es mit den Jungs vor uns aufzunehmen und so viele Punkte zu sammeln, wie für uns eben möglich sind. Der wichtige Tag ist aber erst morgen."

Vorteil McLaren im ersten Sektor

Dass man in der ersten Startreihe stehen muss, um eine realistische Chance auf den Sieg zu haben, hält der Weltmeister von 2008 für einen Mythos: "Jenson hatte dieses Jahr schon einige tolle Rennen, in denen er von weiter hinten kam und großartige erste Runden hinlegte. Alles ist möglich - und das gilt auch für mich", analysiert er. "Meine Starts waren dieses Jahr sehr gut und wir sind auf den Geraden sehr schnell. Ich sehe uns in einer guten Ausgangsposition."

Die große Chance für McLaren sind wahrscheinlich die ersten gut 40 Fahrsekunden, denn der Start an sich gilt ebenso als Spezialität des MP4-25 wie die beiden langen Geraden zwischen den Kurven zwei und drei beziehungsweise drei und vier - dem F-Schacht-System sei Dank. Sogar bei Red Bull weiß man, dass man erst aus dem Schneider ist, wenn Polesetter Sebastian Vettel und Mark Webber auch nach Kurve vier noch führen.

Allerdings will Hamilton am Start nicht allzu aggressiv auftreten: "Ich hoffe, dass ich aus den letzten Rennen meine Lektion gelernt habe", sagt er. Wir erinnern uns: In Monza zerstörte er sich bei einem übermotivierten Überholversuch gegen Felipe Massa in der ersten Runde die Vorderradaufhängung und beim Restart in Singapur riskierte er bei einer Attacke gegen Webber etwas zu viel, auch wenn die Schuld dafür sicher nicht zu 100 Prozent auf seine eigene Kappe geht.

"Morgen werde ich definitiv keine dummen, aggressiven und opportunistischen Attacken reiten", kündigt Hamilton an. "Wenn es eine klare Möglichkeit gibt, jemanden zu überholen, ohne das Auto dabei zu beschädigen, dann werde ich die nutzen. Es geht darum, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, denn die Dinge passieren unheimlich schnell. Du weißt am Start nicht, ob du innen oder außen fahren wirst, sondern das ergibt sich vor dir."

Teamkollege Button hat die WM-Krone ebenfalls noch nicht abgeschrieben, dem Tonfall des Titelverteidigers kann man aber entnehmen, dass bei seinen Aussagen eher die Hoffnung Vater des Gedankens ist: "Hoffentlich haben wir morgen einen besseren Tag, sodass wir den Red Bulls ein paar Punkte abnehmen können", gibt sich der McLaren-Pilot zuversichtlich, fügt aber gleichzeitig an: "Einfach wird das nicht..."

WM-Kampf: Langsam wird es eng

"Wir müssen die nächsten Rennen gewinnen", weiß er und klammert sich an die vielleicht letzte Chance: "Wenn wir morgen ein gutes Rennen haben und die Red Bulls einen chaotischen Tag erwischen, dann sind das gleich einen Haufen Punkte. Wenn du gewinnst und Mark zum Beispiel nur Fünfter wird, sieht die Welt gleich ganz anders aus. Es ist noch nicht vorbei, aber wir haben es uns heute natürlich nicht einfacher gemacht."

Bisher hat Button zwei Saisonsiege auf dem Konto: Melbourne und Schanghai, jeweils im Regen. Daher macht ihm auch die kleine Möglichkeit, dass es morgen nass sein könnte, Mut: "Ich habe gehört, dass es regnen könnte. Das wäre für uns nicht schlecht, denn wir können mehr Risiko eingehen als die WM-Führenden. Diese Wettervorhersage setzt Mark, Sebastian und Fernando also ein bisschen unter Druck", glaubt der WM-Fünfte.

"Du kannst unweigerlich weniger Risiko eingehen, wenn du eine Führung verteidigst", stimmt Teamchef Martin Whitmarsh zu. "Natürlich sind wir enttäuscht über das Qualifying, aber wir haben zwei hervorragende Rennfahrer und ein starkes Team. Es könnte ein aufregendes Rennen werden und es gibt keinen Grund, warum wir es nicht gewinnen sollten. Wir werden uns im Rennen auf die Umstände und das Wetter anpassen, aber wir werden pushen."

Obwohl das heutige Ergebnis nicht dem entspricht, was sich McLaren im Vorfeld des drittletzten Rennwochenendes ausgerechnet hatte, lobt Whitmarsh die mitgebrachten Neuerungen: "Der neue Heckflügel, der neue Frontflügel und die anderen neuen Teile halten das, was sie in der Simulation versprochen haben", analysiert Whitmarsh und fügt an: "Der Fortschritt ist nicht groß genug, wie man heute sehen konnte, aber es ist ein Fortschritt da."

Doch obwohl McLaren von vielen Experten schon abgeschrieben wird, ist der Kampfgeist im Team ungebrochen: "Wir bringen neue Teile nach Brasilien und geben nicht auf. Wir kämpfen bis zum Schluss um diese Weltmeisterschaft", kündigt Whitmarsh an. Dass sich das lohnen kann, weiß man in Woking genau: 2007 hatte Hamilton zwei Rennen vor Schluss auf das heutige System umgerechnet 43 Punkte Vorsprung, trotzdem wurde am Ende Kimi Räikkönen Weltmeister...

Fotoquelle: xpb.cc

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