Jubel: Dreimal Ferrari und einmal McLaren auf dem Podium in Yeongam

Formel 1 2010

— 24.10.2010

Red Bull patzt erneut: Alonso siegt in Südkorea!

Fernando Alonso nutzt den bitteren Doppelausfall von Red Bull und übernimmt in Yeongam die WM-Führung - Hamilton Zweiter, Button ohne Punkte

"Avanti, Fernando!" Nach einer dreistündigen Regenschlacht gewann Fernando Alonso heute bereits bei Einbruch der Dunkelheit um exakt 17:58 Uhr Ortszeit den ersten Grand Prix von Südkorea in Yeongam und sicherte sich damit auch die Führung in der Weltmeisterschaft. Doch es gibt auch einen großen Verlierer: Red Bull.

Mark Webber schmiss seinen RB6 an zweiter Stelle liegend weg, Sebastian Vettel schied in Führung liegend mit einem Motorschaden aus. Damit ist im Kampf um die Formel-1-Krone wieder alles offen, denn nicht nur Alonso nutzte mit seinem Sieg die Gunst der Stunde, sondern auch Lewis Hamilton (McLaren) sammelte 18 wertvolle Zähler für die Titelentscheidung, die sich zwei Rennen vor Schluss wohl auf einen Vierkampf reduziert hat.

Vettel: Sicheren Sieg verschenkt

Das Drama um Vettel deutete sich bereits in der 45. Runde an, als er über den Boxenfunk wegen der einbrechenden Dunkelheit einen Rennabbruch zur Diskussion stellte: "Ich kann den Bremspunkt in der ersten Kurve nicht mehr sehen, in anderen Kurven auch nicht mehr!" Doch der zu jenem Zeitpunkt an dritter Stelle liegende Hamilton relativierte: "Das Licht ist okay." Möglich, dass Vettel den sich anbahnenden Ausfall bereits erahnte.

Denn wenige Augenblicke später wurde er plötzlich langsam, sein Renault-V8-Motor spuckte Rauch und Feuer - Ausfall, 25 sicher scheinende Punkte weg! "Natürlich ist man enttäuscht, aber man sieht's mir auch an: Allzu tragisch ist es nicht", gibt sich Vettel gelassen. "Natürlich ist es gravierend für die Meisterschaftssituation, aber es ist noch nicht vorbei und ich kann mir heute nichts vorwerfen. Kopf hoch! Wir haben noch zwei Rennen, um die 25 Punkte aufzuholen."

Dabei hatte der dramatische Nachmittag nur gemächlich begonnen - und wegen Regens mit zehn Minuten Verspätung. Felipe Massa (Ferrari), Timo Glock (Virgin) und Bruno Senna (HRT) waren schon auf dem Weg in die Startaufstellung von der Strecke abgekommen, sodass FIA-Rennleiter Charlie Whiting den Start verschob. Losgefahren wurde dann zunächst hinter dem Safety-Car - und auch das erstmal nur für drei Runden.

Langes Warten hinter dem Safety-Car

"Es war die richtige Entscheidung, das Rennen zu unterbrechen", findet Red-Bull-Teamchef Christian Horner, "denn diese Autos sind nicht dafür gebaut, für längere Zeit langsam hinter dem Safety-Car zu fahren." Zuvor hatte Alonso am Funk über "die schlimmsten Bedingungen, die ich je erlebt habe" geklagt, genau wie Jenson Button (McLaren): "Ich kann auf den Geraden nicht einmal das vordere Ende meiner Reifen sehen!"

Erst eine Stunde und fünf Minuten nach der eigentlich vorgesehen Startzeit um 15:00 Uhr ging es weiter, erneut hinter dem Safety-Car. Ross Brawn nutzte diese Unterbrechung für einen seiner berühmten Geniestreiche: Das Rennen war offiziell bereits am Laufen, somit galten die Parc-Fermé-Bedingungen nicht mehr - also ließ Mercedes die Autos von Nico Rosberg und Michael Schumacher auf ein Regensetup umbauen!

Bereits in der neunten Runde hinter dem Safety-Car forderte Hamilton als Erster die Freigabe des Rennens, erst in der 18. drückte Rennleiter Whiting dann tatsächlich auf den grünen Knopf. Der Start verlief bis auf kleinere Ausritte im Hinterfeld diszipliniert, Vettel verteidigte seine Pole-Position vor Webber und Alonso souverän. Weiter hinten stach der Mercedes-Joker: Schumacher ging an Robert Kubica (Renault) vorbei, Rosberg an Hamilton!

Erster Schock für Red Bull

Vettel setzte sich gleich in der ersten Runde um fast drei Sekunden von Webber ab - und dann der erste Schock im Rennen: Webber kam auf einen Randstein, rutschte fast wie in Zeitlupe in eine Mauer. Sein Auto überstand diesen Zwischenfall noch, stand verkehrt zur Fahrbahn und rollte weiter, aber dann kam es zum Riesenknall mit Rosberg! Der Deutsche konnte dem Red Bull nicht mehr ausweichen, was für beide das Ende des Arbeitstages bedeutete.

"Eindeutig mein Fehler", nimmt Webber den Crash auf seine Kappe. "Ich kam am Ausgang von Kurve zwölf auf den Curb und rutschte dann wie in Zeitlupe runter. Mein Fehler, nicht mein Tag. Und ich habe auch noch Nico mitgenommen." Der ärgerte sich natürlich auch: "Es wäre sicher ein super Rennen geworden. Ich hätte gedacht, er bremst und bleibt in der Mauer hängen, aber er rollte immer weiter. Da habe ich mir halt die falsche Ecke ausgesucht."

Wegen der Aufräumarbeiten wurde das Safety-Car ein drittes Mal auf die Strecke geschickt. Nach dem Restart war Button, der zuvor einen Platz gegen Schumacher verloren hatte, der erste WM-Anwärter, der auf Intermediates wechselte - in Runde 28 und offensichtlich zu früh, denn erstens kam er hinter mehreren langsamen Autos auf die Strecke und zweitens schlitterte er auf den Intermediates von einem Zwischenfall in den nächsten.

Button gibt WM-Hoffnungen auf

"Es war ein katastrophaler Tag. Ich hatte einfach nicht den Speed, mit beiden Reifentypen nicht - zu wenig Grip", seufzt der Titelverteidiger, der nun 42 Punkte Rückstand auf den neuen WM-Leader Alonso hat und sich wohl damit anfreunden muss, die Startnummer eins nach Abu Dhabi abzugeben. Das weiß der McLaren-Pilot auch selbst: "Rechnerisch habe ich noch eine Chance, aber praktisch ist es unmöglich. Ein schrecklicher Tag für mich."

In Runde 31 dann die nächste Schlüsselszene: Wegen einer Kollision zwischen Timo Glock (Virgin) und Sébastien Buemi (Toro Rosso), die zu 100 Prozent auf die Kappe des Schweizers ging, kam es zu einer weiteren Safety-Car-Phase. Vettel und Alonso blieben noch eine Runde draußen, Hamilton und die weiteren Verfolger kamen jedoch geschlossen an die Box - und weil Ferraris Crew rechts vorne zu lange benötigte, tauschten Alonso und Hamilton dabei die Plätze.

Schon beim Restart stellte Alonso aber die alte Reihenfolge wieder her, weil Hamilton in der ersten Kurve den Bremspunkt verpasste. Während es im Mittel- und Hinterfeld zu teilweise sehenswerten Positionskämpfen und unzähligen Drehern kam, verlief der Grand Prix auf der 5,621 Kilometer langen Strecke an der Spitze verhältnismäßig unspektakulär. Allerdings bauten die Intermediates bei manchen langsam ab.

Am stärksten war davon Hamilton betroffen, der nach dem Red-Bull-Drama binnen weniger Runden 13 Sekunden auf Sieger Alonso verlor und den zweiten Platz ohne Risiko ins Ziel rettete: "Fernando hat einen fantastischen Job gemacht, während meine Reifen am Ende hinüber waren. Da habe ich das Auto nur noch ins Ziel getragen. Aber es ist ein gutes Ergebnis für die Meisterschaft", analysiert der Ex-Champion und ergänzt: "Ich bin sehr glücklich."

Riesenjubel bei Alonso

Das gilt natürlich auch für Alonso: "Ich freue mich riesig", jubelt der Ferrari-Pilot über den Triumph auf der brandneuen Strecke. "Das war eines der besten Rennen des Jahres für uns. Wir waren das ganze Wochenende konkurrenzfähig und wussten schon gestern, dass die Rennpace da sein würde. Uns war klar, dass wir ins Ziel kommen müssen - und das ist mein erster Sieg bei einem Regenrennen! Umso größer ist die Freude."

Hinter Massa, der eher unbemerkt eine gute Leistung ablieferte und Dritter wurde, fuhr Schumacher bereits zum dritten Mal in dieser Saison als Vierter über die Ziellinie. Der siebenfache Weltmeister brillierte zu Beginn mit seinen Überholmanövern gegen Kubica und Button, fuhr dann ein fehlerfreies Rennen und kann mit den zwölf Punkten gut leben: "Ich bin zufrieden. Am Anfang mit den Intermediates hatte ich mir mehr ausgerechnet, aber mehr war heute nicht drin."

Genau wie Rosberg war auch Schumacher mit Regensetup unterwegs, weshalb Mercedes einer entgangenen Großchance nachtrauert: "Ein Jammer für Nico! Dass Webber in ihn crashte, hat Nico und uns ziemlich sicher ein Podium gekostet", bedauert Sportchef Norbert Haug und lobt: "Klasse Fahrt von Michael, der den Weltmeister ausbremste und bei diesem so schwierigen Rennen Vierter und bester Deutscher wurde!"

Reifenpoker im Finish

Im Finish wurde es dann noch einmal interessant, als das Williams-Duo Barrichello/Hülkenberg mit abbauenden Reifen die sicher scheinenden Plätze fünf und sechs wegschmiss, wofür sich Kubica und Vitantonio Liuzzi (Force India) herzlich bedankten. Barrichello kam als Siebter ins Ziel, Hülkenberg wurde nach einem zusätzlichen Boxenstopp und einem Last-Minute-Überholmanöver gegen Jaime Alguersuari (Toro Rosso) immerhin noch Zehnter.

Das Sauber-Team nahm mit den Positionen acht (Kamui Kobayashi) und neun (Nick Heidfeld) weitere wichtige Punkte mit, die andere liegen ließen: Sutils kämpferische Fahrt endete mit der Kollision mit Kobayashi, Vitaly Petrov schmetterte seinen Renault in der letzten Kurve in die Boxenmauer und Sensationsmann Glock lag phasenweise an elfter Stelle, bis er von Buemi abgeschossen wurde. Insgesamt sahen nur 15 Autos die Zielflagge.

In der Fahrer-WM führt nach 17 von 19 Rennen Alonso mit 231 Punkten vor Webber (220), Hamilton (210), Vettel (206) und Button (189). Letzterer hat nur noch theoretische Chancen. Doch Leader Alonso warnt vor vorschnellen Schlüssen: "In den nächsten zwei Rennen kann noch alles passieren", weiß der Spanier, der bei seiner bisherigen Linie bleibt: "Ich muss konstant auf das Podium fahren, das ist der Schlüssel."

Webber: Satzball vergeben

"Webber", wirft 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer ein, "wäre in der WM meilenweit in Führung gelegen. Das tut doppelt weh." Eine Aussage, die Teamchef Horner enttäuscht unterschreibt: "Mark hat dieses Jahr sehr wenige Fehler gemacht, aber heute rutschte er auf einem Curb aus. Manchmal kann der Motorsport grausam sein. Wir haben Fernando heute ein großes Geschenk gemacht. Das Gute ist, dass wir die Konstrukteurs-WM noch anführen."

Auch Vettel ärgert sich über die verschenkten Punkte, denn bis zu seinem Ausfall sei es "nicht nur gut, sondern perfekt gelaufen. Ich habe bei sehr schwierigen Bedingungen versucht, die Reifen zum Schluss zu schonen. In Kurve 17 habe ich eine Zylinderreihe komplett verloren. Ich bin noch zwei Kurven mit vier Zylindern gefahren, aber dann musste ich anhalten", berichtet er. Angekündigt habe sich der Motorschaden "gar nicht. Das kam urplötzlich."

Trösten kann sich Red Bull (426 Punkte) mit der Führung in der Konstrukteurswertung, doch McLaren (399) holte heute 18, Ferrari (374) sogar 40 Zähler auf - die Team-WM-Entscheidung, die theoretisch schon in Yeongam hätte fallen können, ist somit vertagt. Daher dürfen sich die Formel-1-Fans auf einen weiterhin spannenden WM-Kampf freuen. Nächste Station ist am 7. November der Grand Prix von Brasilien in São Paulo.

Fotoquelle: xpb.cc

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