Lewis Hamilton fuhr heute ein überlegtes Rennen ohne letztes Risiko

Formel 1 2010

— 24.10.2010

McLaren hält WM-Chance am Leben

Jenson Button ist seine Startnummer eins nach dem Rennen in Yeongam so gut wie los, aber Lewis Hamilton sammelte 18 enorm wichtige Punkte

Die gute Nachricht für McLaren-Fans vorweg: Lewis Hamilton hat seinen Rückstand auf den Führenden in der Fahrer-WM von 28 auf 21 Punkte verkürzt. Die schlechte Nachricht: Jenson Button liegt zwei Rennen vor Schluss schon 42 Zähler hinter dem neuen Spitzenreiter Fernando Alonso und ist seinen Titel damit zwar noch nicht rechnerisch, aber praktisch los.

"Ich hatte heute einfach nicht genug Grip", klagt der enttäuschte Brite, dem nun nur noch ein Husarenstück wie jenes von Kimi Räikkönen im Jahr 2007 (der damals umgerechnet 43 Punkte in zwei Rennen aufgeholt hat) die Startnummer eins retten könnte. "Sobald ich auf die Bremse stieg, blockierten meine Vorderräder. Jedes Mal, wenn ich bremste, ging es geradeaus, weil ich das Auto nicht mehr kontrollieren konnte."

Zu früh auf Intermediates gewechselt?

Das Drama um Button begann, als er in der 28. Runde an die Box kam, um auf Intermediates zu wechseln - als Erster der fünf WM-Anwärter. Offenbar erinnerte er sich an seine Regensiege in Melbourne und Schanghai zurück, in denen ihn eine abweichende Strategie jeweils nach vorne spülte, doch diesmal ging der Poker nicht auf. Er weiß nun selbst: "Um diese WM noch zu gewinnen, müssen andere ausfallen. Ein sehr enttäuschender Tag!"

"Ich habe drei oder vier Plätze verloren, als sich Adrian entschieden hat, mich von der Strecke zu schieben - keine Ahnung, was er sich dabei gedacht hat", kritisiert er Force-India-Pilot Adrian Sutil, dessen ungestümes Manöver wohl etwas zu optimistisch war. "Aber ich hatte so oder so nicht die Pace. Man hätte das Rennen meiner Meinung nach auch schon früher abbrechen müssen, denn es war viel zu dunkel für einen Formel-1-Grand-Prix."

Das sieht Hamilton ganz anders: "Das Licht ist in Ordnung", ließ er noch während des Rennens über den Boxenfunk ausrichten. Schon zuvor hatte er bei den Fans Sympathien gesammelt, als er der einzige Fahrer war, der es zu Beginn gar nicht mehr erwarten konnte, dass FIA-Rennleiter Charlie Whiting endlich das Safety-Car reinholt: "Lasst uns fahren, es ist ja fast schon trocken genug für Intermediates!" Weitere acht Runden lang musste er darauf warten.

"Am Start", schildert er die Situation, "wollte ich einfach nur loslegen. Ich liebe den Rennsport und ich hielt die Bedingungen für sicher genug. 17 Runden hinter dem Safety-Car herumzugondeln, ist nicht gut für die Zuschauer - und uns Fahrern macht es auch keinen Spaß. Zum Glück ging es dann los." Der McLaren-Pilot sprach mit seinen Funksprüchen vielen Fans aus der Seele, die sich auf den Tribünen teilweise schon vom Geschehen abwendeten.

"Es war sehr schwierig, vor allem am Ende", gesteht Hamilton. "Es war stockdunkel, ich konnte nicht mehr viel sehen und meine Reifen waren am Ende. Dass beide Red Bulls ausgeschieden sind, war eine große Überraschung. Fernando ist wirklich gut gefahren, aber ich bin sehr glücklich darüber, nach einigen enttäuschenden Rennen als Zweiter wieder gute Punkte gesammelt zu haben." Deren 18, um genau zu sein.

Möglichen Sieg vergeben

Theoretisch hätten es auch 25 sein können, denn der Regenspezialist nutzte beim Boxenstopp die langsame Arbeit der Ferrari-Crew und ging hinter Sebastian Vettel an Alonso vorbei. Beim Restart unterlief ihm jedoch in der ersten Kurve ein Fehler, sodass Alonso wieder durchschlüpfte. Anschließend knabberte er zwei von seinen vier Sekunden Rückstand auf den führenden Ferrari ab, aber im Finish musste er wegen der abbauenden Reifen zurückstecken.

"Unser Auto ist noch nicht das schnellste", findet Hamilton. "Ich habe viel Zeit auf Fernando verloren, besonders im letzten Sektor. Ich bin mir aber sicher, dass wir in der Fabrik bis Brasilien hart arbeiten werden. Wir haben noch zwei Rennen und wir erwarten neue Teile von den Jungs, die einen fantastischen Job machen. Alle sind enthusiastisch und geben ihr Bestes. Die Weltmeisterschaft ist definitiv noch nicht außer Reichweite - wir können es noch packen!"

Findet auch Martin Whitmarsh: "Wir bleiben in beiden WM-Wertungen im Rennen und wir werden bis zur letzten Runde in Abu Dhabi alles geben, um die Titel zu gewinnen", kündigt der McLaren-Teamchef einen heißen Tanz an. Bei den Fahrern fehlen zwei Rennen vor Schluss 21, bei den Konstrukteuren 27 Punkte. Wahrscheinlich kann man sich nun auf ein Auto konzentrieren, auch wenn Button grinsend sagt: "Rechnerisch habe ich noch eine Chance!"

"Das heutige Rennen war eine unglaubliche Herausforderung für die Fahrer", analysiert Whitmarsh. "Es hatte wenig Grip und das Licht war schlecht, daher konnte man ganz leicht Fehler machen. Dass keiner unserer Fahrer keinen erheblichen Fehler gemacht hat, spricht für ihre Klasse. Aber nach einem so schwierigen Rennen wie heute neigen Formel-1-Fahrer immer dazu, einem bestimmten Moment nachzutrauern und eine Entscheidung im Nachhinein zu bedauern."

"Trotzdem war Lewis' zweiter Platz das Ergebnis einer für ihn typischen Kampfleistung", ergänzt er, "und die 18 Punkte bringen ihn zwei Rennen vor Schluss wieder in Reichweite der Fahrer-WM. Bei Jenson müssen wir uns die Strategie im Debriefing genau anschauen, aber wir hätten ihm wohl einen besseren Nachmittag ermöglichen können. Sein erster Reifensatz war schon sehr abgenutzt und wir mussten wechseln. Danach war sein Rennen ein einziger Krampf."

Fotoquelle: xpb.cc

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