Riesenjubel nach dem Sieg: Stefano Domenicali und seine Scuderia

Formel 1 2010

— 24.10.2010

Domenicali: "Jetzt müssen wir cool bleiben"

Teamchef Stefano Domenicali jubelt über den Sieg in Yeongam und betont, dass Ferrari nun die Konzentration bewahren muss, um Weltmeister zu werden

Elf Punkte Vorsprung hat Fernando Alonso nach dem heutigen Rennen in Yeongam - eine trügerische Führung, denn wenn Mark Webber in São Paulo und Abu Dhabi gewinnt, würde das für den Australier auf jeden Fall zum WM-Titel reichen. Aber Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali weiß nach Alonsos jüngstem Erfolgsrun um die große Chance seines Starpiloten und glaubt zu wissen, welcher Weg zum Gewinn der Weltmeisterschaft führt.

Frage: "Stefano, glaubst du, dass die Weiterentwicklung des Autos zwei Rennen vor Schluss immer noch der Schlüssel zu dieser Weltmeisterschaft ist?"
Stefano Domenicali: "Nein, nicht wirklich. Ich glaube, dass Zuverlässigkeit und Konzentration nun die entscheidenden Faktoren sind. Natürlich werden wir versuchen, uns weiter zu verbessern, aber ich glaube nicht, dass man jetzt noch große Sprünge machen kann. Der Schlüssel ist sicher die Zuverlässigkeit."

Sensationelle Aufholjagd

Frage: "Nach Silverstone hatte Fernando 47 Punkte Rückstand. In den letzten sieben Rennen hat er 133 Punkte gesammelt - vier Siege in sieben Rennen. Welche Gespräche hast du damals mit ihm geführt, denn letztendlich ist es dieser Run, der euch in diese Situation gebracht hat, nicht wahr?"
Domenicali: "Ihr kennt meine Einstellung: Gib niemals auf! Auch in schwierigen Momenten muss man konzentriert bleiben und an die Leute glauben, die wir haben, sowie an ihre Arbeit. Ich glaube, das haben wir sehr gut gemacht, und jetzt müssen wir cool bleiben, konzentriert."

"Wir dürfen nach einem sicherlich tollen Saisonabschnitt nicht überreagieren. Wir müssen uns so gut wie möglich auf die letzten zwei Rennen vorbereiten, denn unsere Gegner sind sehr stark und wir dürfen uns keine Probleme leisten. Ich glaube, das wird den Unterschied machen: Vorbereitung und Zuverlässigkeit - und dann müssen wir fehlerfrei durch die Rennen kommen. Mit uns meine ich die Ingenieure, die Mechaniker sowie natürlich Fernando und Felipe."

Frage: "Von allen Siegen Fernandos auf Ferrari, wo reihst du diesen ein und warum?"
Domenicali: "Es war sicher ein großartiges Rennen unter schwierigen Bedingungen: Regen, Verzögerung, Handhabung der Reifen, von denen man nicht wusste, ob sie halten, weil es davor an diesem Wochenende nie geregnet hat. Was die Anspannung angeht, war es sicherlich einer seiner wichtigsten Siege."

Frage: "Am Ende wurde es ziemlich dunkel und ein frühzeitiger Abbruch hätte es euch leichter gemacht. Welchen Eindruck hattest du von den Bedingungen?"
Domenicali: "Ich dachte an die Zwei-Stunden-Regel. Wir haben geprüft, ob das reicht oder nicht, und es war sehr knapp. Da konnte man sich die Zeit des Sonnenuntergangs daneben legen und dann war mir schon klar, dass es der Rennleiter sehr schwer haben würde, das Rennen vorzeitig abzubrechen. Das Wichtigste war daher am Ende, die Autos von Fernando und Felipe zu schonen, denn die Reifen waren natürlich fast hinüber. Das war unsere Hauptsorge."

Frage: "Warst du besorgt, dass das Rennen gar nicht gestartet werden könnte?"
Domenicali: "Nein. Die Wettervorhersage war ja gut, daher war ich nicht besorgt. Aber wenn es zu lange geregnet hätte, dann hätte man das Rennen sicher verkürzen müssen."

Qualifying kein Killer-Kriterium mehr?

Frage: "Nach Suzuka hast du gesagt, dass das Qualifying der Schlüssel zum WM-Titel sein könnte. Beim aktuellen WM-Stand kann es sein, dass Fernando Mark Webber noch einmal schlagen muss, um Weltmeister zu werden. Bist du besorgt, dass euer Speed auf eine Runde dafür nicht ausreichen könnte?"
Domenicali: "Ich bin ein pragmatischer Kerl. Wenn sie in 17 Rennen 15 Mal auf Pole-Position stehen, dann hat das etwas zu bedeuten. Sie haben ein fantastisches Auto."

"Das Wichtigste für mich ist aber, dass wir gegen dieses fantastische Auto kämpfen - und das werden wir bis zur letzten Kurve des letzten Rennens tun. Das muss man sich schon vor Augen halten, denn es spricht für das Team, dass wir so gut dastehen, obwohl wir wissen, dass unsere Konkurrenz sehr stark ist. Wir wissen das, aber wir versuchen zu reagieren. In den letzten Rennen hat den Unterschied ausgemacht, dass wir unsere Möglichkeiten genutzt haben."

Frage: "Fernando hat am Funk nach seinem Sieg in Silverstone gesagt, dass er Weltmeister werden kann. Was hast du in dem Moment gedacht und was denkst du jetzt?"
Domenicali: "Ich kann nicht sagen, was ich jetzt gerade denke, denn ich denke italienisch! Aber Spaß beiseite: Nach diesem Rennen stehen wir mental sehr stark da, aber ich muss sicherstellen, dass die Jungs nicht den Boden unter den Füßen verlieren."

"Wir müssen konzentriert bleiben, denn bis jetzt haben wir noch gar nichts erreicht. Es sind noch viele Punkte zu vergeben. Red Bull hat heute keinen einzigen Punkt geholt und es ist für sie schwierig geworden, aber ihre Chance lebt noch. Daher dürfen wir nicht nachlassen."

Frage: "Glaubst du, dass Fernando Sebastian Vettel heute noch eingeholt hätte? Und war das Problem beim Boxenstopp sein Fehler oder war es mechanischer Natur?"
Domenicali: "Das war unser Problem, mit der Radmutter, die locker wurde. Die Situation beim Boxenstopp war ähnlich wie in Valencia, denn die ersten zwei Autos waren schon an der Boxeneinfahrt vorbei, als das Safety-Car auf die Strecke kam. Vettel und Fernando konnten also nicht direkt reinkommen."

Lob für coolen Alonso

"Wir hatten ein Problem beim Boxenstopp und deshalb verloren wir eine Position. In dem Moment war es wichtig, cool zu bleiben, denn du darfst da keine Panik schieben. Fernando hat beim Restart Druck auf Hamilton ausgeübt - und dann hat sich Hamilton verbremst, glaube ich. Das war sehr gut. Ob wir Vettel noch erwischt hätten? Schwer zu sagen. Sie waren sehr stark, von der ersten Runde an, aber du weißt bei diesen Bedingungen nie, wie die Reifen in den letzten Runden beisammen sind."

"Wir haben versucht, die Reifen zu schonen, und haben Fernando gesagt, dass er es in manchen Passagen ruhig angehen lassen soll. Wir wussten, dass ein Boxenstopp bedeutet hätte, das Rennen zu verlieren, also haben wir das genau gemanagt. Das war zu der Zeit, als Hamilton näher kam - da hat Fernando die Reifen abkühlen lassen. Wer weiß, wie es ausgegangen wäre? Zum Zeitpunkt seines Ausfalls lag Vettel jedenfalls vor uns."

Frage: "Wie zufrieden bist du mit Felipe Massas Rennen?"
Domenicali: "Sehr glücklich, ich freue mich für ihn. Er stand nach einer schwierigen Phase unter einer Menge Druck. Es freut mich, dass er wieder richtig im Geschäft ist, mit der richtigen Einstellung. Mit der Sicht und den Reifen war es am Anfang nicht einfach, aber genau so einen Fahrer brauchen wir. Ich freue mich für ihn und seine Mechaniker."

Frage: "Fernandos Sieg bedeutet, dass ihr die letzten zwei Rennen möglicherweise nicht unbedingt gewinnen müsst, um Weltmeister zu werden. Was bedeutet es, so einen Puffer zu haben?"
Domenicali: "Wir ändern unsere Einstellung nicht. Wir haben in Suzuka gesagt, dass wir in allen Rennen auf dem Podium stehen müssen und eines davon gewinnen sollten. Den Sieg haben wir nun. Jetzt müssen wir ohne zu rechnen so weitermachen. Rechnen können wir auch hinterher."

Frage: "Du hast gesagt, ihr werdet bis zur letzten Kurve in Abu Dhabi kämpfen. Glaubst du nicht, dass die Entscheidung vielleicht schon in São Paulo fallen könnte?"
Domenicali: "Das würde mir gefallen, aber ich glaube nicht daran. Wir kämpfen ja noch um zwei Titel, aber in Brasilien können wir nur den der Fahrer gewinnen. Wir bleiben mit beiden Füßen auf den Boden, denn ich erinnere mich noch gut an die schlechten Momente dieser Saison."

Fotoquelle: xpb.cc

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