Laut Veranstalter sahen 80.000 Zuschauer den Sieg von Fernando Alonso

Formel 1 2010

— 25.10.2010

Trotz Chaos: Südkorea will Formel-1-Großmacht werden

Tausende Fans standen im Stau und sahen nichts vom Rennen in Yeongam - Südkorea arbeitet nun an einem eigenen Formel-1-Team

Der erste Grand Prix von Südkorea endete gestern um punkt 17:58 Uhr Ortszeit - und rein sportlich betrachtet verlief das Wochenende reibungsloser als erwartet. Doch während für die internationalen TV-Zuschauer der Schein einer gelungenen Veranstaltung gewahrt werden konnte, herrschte vor Ort in Yeongam ein für Formel-1-Verhältnisse seit Jahren nicht mehr erlebtes Chaos.

Besonders geärgert haben dürften sich jene Fans, die sich die fast 500 Kilometer lange Reise von Seoul an die 5,615 Kilometer lange Strecke antaten und dann so lange im Stau standen, dass sie das gesamte Rennen versäumten! "Ich bedaure das zutiefst und verspreche, dass so etwas nächstes Jahr nicht mehr vorkommen kann", entschuldigt sich Yung Cho Chung, Vorsitzender der veranstaltenden Korea Auto Valley Operation (KAVO).

Verkehrschaos rund um die Strecke

Seinen Angaben nach bildeten geschätzte 2.000 Autos den kilometerlangen Stau, und auch die Abreise von der Strecke gestaltete sich für viele schwierig, weil die Parkplätze wegen des Regens ähnlich wie vor zehn Jahren in Silverstone im Schlamm versanken. Ob die enttäuschten Fans ihr Geld (bis zu 600 Euro für die teuersten Tribünenkarten) zurückbekommen, entzieht sich zum jetzigen Zeitpunkt unserer Kenntnis.

Laut KAVO-Pressemitteilung fanden sich gestern 80.000 Zuschauer in Yeongam ein, obwohl Chung unmittelbar nach Rennende noch auf 100.000 Besucher getippt hatte. Am Samstag wurden 63.000, am Freitag 42.000 Zuschauer gezählt. Die mussten gestern allerdings stundenlang warten, bis der Grand Prix freigegeben wurde. Als das Safety-Car nach 18 Runden und einer langen Unterbrechung endlich an die Box abbog, hatten sich die ersten Fans schon abgewendet.

"Einige haben sich wohl gefragt, ob das bei diesen Eintrittspreisen alles ist, was sie geboten bekommen, aber das gehört in der Formel 1 halt dazu", zeigt Chung Verständnis für den Unmut seiner Landsleute. "Ich war unheimlich besorgt, als das Rennen nach drei Runden abgebrochen wurde. Die Leute fuhren fünf Stunden aus Seoul hierher, warteten drei Stunden auf das Rennen und saßen auch noch im Regen. Ich bin sehr glücklich, dass sie doch noch ein Rennen gesehen haben."

Peinlich auch, dass am Freitag zahlreiche Kartenbesitzer auf andere Plätze ausweichen mussten, weil viele Tribünen noch nicht fertig oder zumindest noch nicht sicherheitsüberprüft waren. In der Nacht auf Samstag sprangen daher kurzfristig 1.000 Soldaten ein, um den 1.200 Mann vor Ort bei den Bauarbeiten zu helfen. Außerdem gab es einen handfesten Skandal um hunderte enttäuschte Südkoreaner mit Gratiskarten, die wieder nach Hause geschickt wurden.

Skandal um verteilte Gratiskarten

Die KAVO erklärte in einer ersten Stellungnahme, die Provinz Jeollanam-do habe die Tickets ohne ihr Wissen an Behörden und Schulen verteilt. Im Nachhinein räumt Chung ein: "Ich habe die Karten ausgegeben. Die Sache tut mir leid." Ursprünglich war geplant, interessierten Südkoreanern Gelegenheit zu geben, am Freitag und Samstag Formel-1-Luft zu schnuppern, "aber eigentlich hat das nur für öffentlichen Ärger gesorgt..."

"Ich weiß, dass wir Schwächen haben, die wir für nächstes Jahr ausmerzen müssen", gesteht Chung und verweist auf die unfertigen Zufahrtsstraßen, Probleme mit einigen Kurven der Strecke, den noch nicht angewachsenen Rasen und die Tribünen. Auch die Boxeneinfahrt werde man für nächstes Jahr anders gestalten. Für morgen ist ein Treffen zwischen Chung und FIA-Rennleiter Charlie Whiting geplant, um die Änderungen zu besprechen.

"Der erste Schritt ist, die Tribünen fertigzustellen, dann können wir uns um Bäume und den Rasen kümmern. Der nächste Schritt - Hotels und der Jachthafen - ist ebenfalls schon genehmigt. Damit werden wir nächstes Jahr beginnen", kündigt Chung an. Grundsätzlich überwiegt bei ihm angesichts der Skepsis im Vorfeld aber die Freude, denn: "Letzte Woche haben die Leute ja noch gesagt, dass der Grand Prix nicht stattfinden wird!"

Auch der südkoreanische Premierminister war offenbar überglücklich: Kim Hwang-sik ließ es sich nicht nehmen, im Medienzentrum hunderte Journalisten einzeln zu begrüßen, und er verbrachte den ganzen Tag an der Strecke, obwohl er eigentlich nur für einige Stunden bleiben wollte. "Ich glaube sogar, er ist jetzt noch da", grinste Chung, dem politische und finanzielle Unterstützung für sein Rennstreckenprojekt natürlich mehr als gelegen käme, am Abend.

Unzumutbare Zustände in den Hotels

Kaum noch ein Thema waren am Sonntag die teilweise unzumutbaren sanitären Zustände in den Unterkünften, für die man bei der KAVO eine Erklärung hat: "Koreaner schlafen auf dem Boden, nicht im Bett. Da muss ich die Hotelbetreiber noch umerziehen", bittet Chung um Verzeihung. Dennoch ärgerten sich manche Journalisten über Stundenhotels, für die sie umgerechnet 160 Euro pro Nacht hinblättern mussten und in denen noch gebrauchte Kondome herumlagen...

Das nächste Motorsport-Großereignis in Yeongam ist nun der Formel-3-Grand-Prix, der nach dem Klassiker in Macao den Saisonabschluss 2010 darstellt. Längerfristig hat das Land aber größere Pläne: Bekanntlich soll rund um den Korea International Circuit in den nächsten zehn Jahren ein Stadtentwicklungsprojekt umgesetzt werden - und irgendwann könnte es offenbar auch ein südkoreanisches Formel-1-Team geben!

"Das brauchen wir unbedingt", fordert Chung gegenüber 'Reuters' "ein Team und einen Fahrer" in der Formel 1: "Ich glaube wirklich, dass diese Nation, die Firmen und unsere Organisation gemeinsam einen Weg dafür finden müssen. Ich weiß, dass hinter den Kulissen hart daran gearbeitet wird, aber jetzt ist es an der Zeit, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Nur keine Angst, dass es nicht klappen könnte! Wenn jemand Hilfe benötigt, werden wir helfen."

Vor einigen Jahren war Hyundai angeblich an einem Formel-1-Einstieg interessiert, doch spätestens seit den Rückzugen der japanischen Konkurrenten Toyota und Honda ist das kein Thema mehr. Bleibt derzeit lediglich der Elektronik-Konzern LG, der sich als Sponsor engagiert. Übrigens: 1996 hatte Südkorea schon einmal einen Grand Prix geplant. Die 11,75 Millionen US-Dollar Anzahlung wurden nach Scheitern des Projekts von Bernie Ecclestone einbehalten...

Fotoquelle: xpb.cc

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