Gerhard Berger tippt im WM-Endspurt auf Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel

Formel 1 2010

— 26.10.2010

Berger: "Vettel gewinnt die letzten beiden Rennen"

Gerhard Berger kennt Dietrich Mateschitz und Red Bull sehr gut - Nach dem Doppelausfall in Südkorea hat der Österreicher die WM-Situation analysiert

Der Österreicher Gerhard Berger hat das Rennen in Südkorea genau verfolgt und sich darüber seine Gedanken gemacht. Unter dem Strich sind bei Red Bull zu viele Fehler passiert, sowohl auf Fahrer als auch auf Teamseite, wenn man um die WM kämpft. Berger hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass für ihn Fernando Alonso der derzeit beste Pilot in der Formel 1 ist, aber auch Lewis Hamilton schätzt er stark ein. Auf seinen ehemaligen Toro-Rosso-Schützling Sebastian Vettel hält Berger ebenfalls große Stücke und er sieht ihn bei den letzten beiden Rennen als Sieger.

"Natürlich hat sich in Südkorea alles umgedreht. Jetzt braucht Red Bull Fehler von Alonso, aber davor brauchten die anderen Fehler von Red Bull. Die Chancen sind immer noch da, bei Webber etwas mehr als bei Vettel. Beim nächsten Rennen kann schon wieder alles anders sein", sagt Berger bei 'ServusTV'.

Speziell die italienische Presse feierte Alonso bereist als neuen Weltmeister. Berger kennt die Italiener aus seiner aktiven Zeit bei Ferrari und bremst: "Man soll nicht zu früh feiern, das lehrt die Formel 1 immer wieder. Es sind noch zwei Rennen, abgerechnet wird beim letzten mit der Zielflagge."

"Natürlich hat sich Alonso in eine gute Position gebracht, aber ein Ausfall und er ist auch schon wieder unter Druck. Wir wissen, dass er sehr beständig ist und wenig Fehler macht. Er ist aus meiner Sicht auch der beste Fahrer. Aber er hat nicht das schnellste Auto. Dieses Mal hat Sebastian Pech gehabt. Der Motor ist kaputt gegangen, das kann passieren. Das ist Alonso in diesem Jahr auch schon passiert. Beim nächsten Rennen könnte es auch ihn erwischen. Alle haben Motoren, die am Ende ihrer Laufzeit sind. Da kann sich noch einiges drehen."

Nach Valencia ist Webber nun zum zweiten Mal ausgeschieden. Der Australier nahm den Fehler auf seine Kappe. Wie hat Berger den Unfall aus Fahrersicht gesehen? "Bei solchen Analysen, speziell bei Jahresanalysen, muss man aufpassen. Es ist schnell etwas diskutiert, aber die Probleme liegen meist tiefer."

"In diesem Fall hat Webber sicher einen Fahrfehler begangen, wie er selbst gesagt hat. Ihm sind aber schon einige Fahrfehler in dieser Saison unterlaufen. Wenn ich die vier Topfahrer hernehme, dann ist sicher er derjenige, der als Fahrer die meisten Fehler gemacht hat. Was mich etwas stört: Wie er da abgeflogen ist, kann ich mich gut in seine Lage versetzen."

"Ich sehe keine stehenden Räder. Er hätte eigentlich bremsen müssen und das Auto irgendwie bei der Mauer halten. Er hat dann den Rosberg mitgenommen, aber das war leider der Falsche. Ich glaube, in seinem Kopf hätte er lieber den Alonso oder den Hamilton mitgenommen", schätzt Berger.

"In diesem Rennen war Rosberg nach Vettel der schnellste Mann, er war zu diesem Zeitpunkt schneller als Alonso und Hamilton. Rosberg war schon hinter dem Ferrari, der an der Box mit seinem Reifenproblem länger gestanden ist. Rosberg wäre Zweiter geworden oder hätte vielleicht sogar gewonnen. Das wären wichtige Punkte gewesen, für einen der keine Rolle in der WM spielt."

Webber absichtlich in Rosberg gecrasht?

Also wollte Webber absichtlich jemanden mitnehmen? "Ja das ist ganz klar. Man fliegt ab und weiß, dass es vorbei ist. Man ist so frustriert und es gehen einem tausende Gedanken durch den Kopf. Es ist klar, dass man keine stehenden Räder sieht. Entweder hatte er ein Bremsproblem, woran ich aber nicht glaube. Man hat da schon das Gefühl, dass man da lieber einen mitnimmt, der einem Punkte wegnehmen kann."

Vettel konnte nichts für seinen Ausfall. In Führung liegend schien er sicher dem Sieg entgegenzufahren. Die Situation kennt Berger aus seiner Karriere. In Hockenheim 1996 ist ihm drei Runden vor Schluss ebenfalls in Führung liegend ein Renault-Motor geplatzt.

"Das ist die reinste Katastrophe, denn Sebastian hatte fahrerisch alles im Griff. Er hat keinen Fehler gemacht. Es war unglaublich gut, wie er immer den Start nach den Safety-Car-Phasen optimal hinbekommen hat. Er hat es geschafft, dass die Konkurrenten mit ihrem Geschwindigkeitsüberschuss auf den Geraden keine Chance hatten. Wirklich exzellent gemacht."

"Er ist auch gut drauf, denn er weiß, dass es jetzt nur noch darauf ankommt, die letzten beiden Rennen zu gewinnen. Vielleicht ist da auch der Druck weg, denn er muss auf das Pech der anderen Fahrer hoffen. Ich glaube, er wird auch beide Rennen gewinnen", schätzt Berger für Interlagos und Abu Dhabi.

Dafür darf am Red Bull aber nichts mehr schief gehen. Sechs mechanische Defekte sind in dieser Saison am RB6 bereits aufgetreten. Dazu kamen Fahrfehler. "Man muss bei diesen Analysen in die Tiefe gehen, aber jetzt war es ein klarer Motorschaden. Alonso hatte aber auch schon einen. Das verteilt sich. Sechs Defekte sind aber klar zuviel, wenn man um die Weltmeisterschaft fährt."

"Der Red Bull ist im schlechtesten Fall drei Zehntel, im besten Fall bis zu sieben Zehntel schneller als die Konkurrenz. Das ist hervorragende Arbeit", lobt Berger. "Von der Standfestigkeit her gibt es leider bei Sebastian zu viele Ausfälle in diesem Jahr. Dazu hat er selbst vielleicht den einen Fehler zuviel gemacht. Das waren der Konzentrationsfehler in Ungarn und die Kollision in Spa. In Summe ist das einfach zuviel, aber vielleicht machen die Gegner in den letzten zwei Rennen Fehler."

Alonso ein besonderes Exemplar

Mit seinem 26. Sieg hat Alonso die Weltmeister Niki Lauda und Jim Clark überholt und befindet sich im Kreise von großen Legenden. "Egal in welchem Team er ist, ist er momentan der beste Fahrer. Er ist immer ein Sieganwärter. Es gibt immer so besondere Exemplare. Früher waren es Ayrton Senna und Michael Schumacher, jetzt ist es Alonso. Sie können auch Weltmeisterschaften gewinnen, wenn sie nicht im besten Auto sitzen", findet Berger.

"Dann gibt es Hamilton, den ich fast gleichstark einschätze und dann kommt Vettel. Er ist natürlich noch sehr grün hinter den Ohren und hat ein paar Fehler gemacht, die ganz logisch sind. Aber Vettel ist ganz nahe dran an der Leistung. Die Kombination Vettel/Red Bull ist meiner Meinung nach stärker als Alonso/Ferrari. Die Ausfälle haben Vettel allerdings zu viele Punkte gekostet."

Wie sieht nun der endgültige WM-Tipp von Berger aus? "Ich würde sagen, dass Sebastian die letzten beiden Rennen gewinnt. Er braucht aber das Pech von Alonso. Sebastian hat es nicht mehr in der Hand, man muss das abwarten. Webber muss jetzt seine Sachen zusammenhalten und die Aufgabe taktisch klug angehen und keine Fehler machen. Er muss die Kohlen aus dem Feuer holen. Alle drei haben das Heft in der Hand, aber vielleicht sollten wir Hamilton nicht ganz vergessen. Es werden auf jeden Fall zwei gute Rennen."

Fotoquelle: pacepix.com

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