In Hockenheim "erschummelte" sich Ferrari sieben Punkte für Fernando Alonso

Formel 1 2010

— 29.10.2010

Stallorder: Entscheidet Hockenheim die WM?

Max Mosley kritisiert, dass Fernando Alonso für Hockenheim keine Punkte abgezogen wurden - War Alonso wirklich schneller als Felipe Massa?

Fernando Alonso hat vor den abschließenden Rennen in São Paulo und Abu Dhabi elf Punkte Vorsprung auf Mark Webber, 21 auf Lewis Hamilton und 25 auf Sebastian Vettel. Das bedeutet, dass er auch ohne die sieben "Stallorder-Punkte" von Hockenheim in Führung liegen würde, aber der Abstand wäre geringer.

Zieht man die sieben Zähler ab, die Alonso dadurch gewonnen hat, dass der zu jenem Zeitpunkt führende Felipe Massa vom Ferrari-Kommandostand zurückgepfiffen wurde, dann wäre Webber jetzt bis auf vier Punkte dran und könnte mit einem Sieg vor Alonso in São Paulo als WM-Führender nach Abu Dhabi fliegen. Beim jetzigen Stand der Dinge würde er beim gleichen Rennausgang am 7. November immer noch vier Punkte Rückstand haben.

Sollte Red Bull die Weltmeisterschaft wegen der sieben Zähler von Hockenheim verlieren, "wäre das frustrierend, denn Teamorder ist illegal", meint Teamchef Christian Horner im Interview mit 'BBC Radio 5 live'. "Die FIA hat aber nun einmal so entschieden. Wir können nicht ändern, was passiert ist, sondern wir müssen uns auf den bevorstehenden Brasilien-Grand-Prix konzentrieren und dann auf das letzte Rennen in Abu Dhabi."

Mosley kritisiert Entscheidung des Weltrats

Die FIA-Rennkommissare in Hockenheim belegten Ferrari mit einer Geldstrafe über 100.000 US-Dollar - ein Urteil, das später ohne die Verhängung weiterer Sanktionen auch vom FIA-Motorsport-Weltrat bestätigt wurde. Eine Entscheidung, die übrigens nicht allen gefallen hat: "Es ist eine Demokratie. Im Weltrat sind viele Dinge passiert, denen ich persönlich nicht zustimme, aber es gibt eben 26 Mitglieder, die alle eine Stimme haben", findet Ex-FIA-Präsident Max Mosley.

"Ich hatte aber das Gefühl, dass man Alonso zumindest die zusätzlichen Punkte, die er durch das Überholen von Massa unter Teamorder gewonnen hat, wegnehmen hätte müssen. Das ist das absolute Minimum. Denn wenn Alonso jetzt die Weltmeisterschaft mit weniger als diesen sieben Punkten Vorsprung, die er auf illegitime Art und Weise in Hockenheim gesammelt hat, gewinnen sollte, dann würde das die Weltmeisterschaft meiner Meinung nach entwerten", so der Brite.

Mosley, unter dessen Amtszeit der umstrittene Stallorder-Paragraf 39.1 beschlossen wurde, hält Teamregie nicht grundsätzlich für illegal, legt aber Wert auf eine seiner Meinung nach wichtige Differenzierung: "Jeder sieht ein, dass der eine Fahrer dem anderen gelegentlich helfen wird, wenn nur einer von beiden gewinnen kann. Das ist aber offen und klar und jeder weiß das. Inakzeptabel finde ich, die Fans zu täuschen."

"In Hockenheim hatten wir ein gutes Rennen Alonso gegen Massa. Man fragte sich: 'Wird Alonso überholen?' Das war aufregend, aber als die Order ausgesprochen wurde, war das Interesse am Rennen weg", bekrittelt er. "Das ist etwas anderes als die Situation, wenn ein Fahrer unterstützend für den anderen fährt. Das ist okay. Auch wenn jeder weiß, dass der zweite Fahrer auf dieser Basis fährt, dann ist es in Ordnung. Aber wenn sie die Fans täuschen, dann ist es schwierig zu akzeptieren."

Hat Alonso Massa betrogen?

Hinzu kommt, dass einige Fakten zunächst nicht korrekt dargestellt wurden, wie unseren Kollegen vom 'Express' aufgefallen ist. So hatte sich Alonso in jener Rennphase, als er noch hinter Massa lag, beklagt, es sei "lächerlich", dass er nicht vorbeigelassen wird: "Was muss ich noch tun?", schimpfte er damals. Doch im Rahmen der FIA-Untersuchung der Vorfälle von Hockenheim stellte sich heraus, dass sein Speed in Wahrheit kaum besser war als der seines Teamkollegen.

Wörtlich heißt es im FIA-Bericht: "Ferraris Argument, dass Herr Alonso schneller war als Herr Massa, scheint nicht haltbar zu sein. Einige Runden vor dem Überholmanöver reduzierten die Ferrari-Fahrer auf Anweisung ihrer Renningenieure die Drehzahl. Dann erhöhte Herr Alonso die Drehzahl wieder, ohne dass Herr Massa informiert wurde. Herr Alonso profitierte demnach in der Phase vor dem Überholmanöver von einem Leistungsvorteil."

Für die Bewertung der Stallorder macht das keinen wesentlichen Unterschied, denn die wäre möglicherweise so oder so vollzogen worden. Allerdings entkräftet dies die häufig dargelegte Darstellung, wonach Alonso ohnehin schneller war als Massa. Das war zwar der Fall, aber auch deshalb, weil Massa mit reduzierter Drehzahl und stumpfen Waffen kämpfte. Die große Frage ist: Hat nur Alonso getrickst oder wusste das Team Bescheid?

Fotoquelle: xpb.cc

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