Dietrich Mateschitz spricht ein Machtwort und befiehlt: Keine Stallorder!

Formel 1 2010

— 05.11.2010

Mateschitz: Lieber nicht Weltmeister als Manipulateur!

Red Bull beweist sportliche Größe, zur Not auch auf Kosten des Erfolgs: Dietrich Mateschitz erteilt seinem Team ein ausdrückliches Stallorder-Verbot

In der leidigen Diskussion um Stallorder im WM-Endspurt hat Dietrich Mateschitz nun ein Machtwort gesprochen: "Meine persönliche Meinung und auch die des Teams ist: Lassen wir sie fahren und lassen wir es ausgehen, wie es ausgeht. Ist Alonso vorne, dann haben wir eben Pech gehabt", stellt der Red-Bull-Konzernchef im Interview mit der 'Kleinen Zeitung' klar.

Allerdings gesteht der Österreicher, dass die Überlegung, eine Stallorder anzuwenden, nicht von vornherein vom Tisch gewischt wurde: "Unsere Happy-End-Hollywood-Version hätte geheißen, dass wir nach Abu Dhabi fahren und beide noch Weltmeister werden können. Dann hätten wir sie fahren lassen. So, jetzt gibt es plötzlich auch einen Herrn Alonso", ist er sich der schwierigen Ausgangslage mit elf (Mark Webber) beziehungsweise 25 Punkten Rückstand (Sebastian Vettel) bewusst.

"Im schlimmsten Fall werden wir eben nicht Weltmeister - dann können wir es noch immer nächstes Jahr werden. Egal, was wir machen, es wird immer ambivalent sein, du wirst es nie allen recht machen können", so Mateschitz. "Ich gehöre in das Lager, dass wir bei unserer Philosophie bleiben, dass es um Sport geht, wir nicht einmal daran denken sollten, einzugreifen, wir nicht manipulieren. Aber dann sagen natürlich alle, wahrscheinlich die Mehrheit: Was sind das für Vollidioten?"

Sollte Red Bull umgekehrt doch noch eine Stallorder anwenden, "würde es sofort heißen: Ha, ha, das ganze Jahr haben sie groß geredet, jetzt machen sie es auch. Sie sind ja um nichts besser als alle anderen", weiß Mateschitz, der für die letzten zwei Saisonrennen "ungefähr 80 Versionen" endloser Rechenspiele im Kopf hat und seinem Team einen klaren Befehl erteilt hat: "Das, was Ferrari gemacht hat, machen wir ganz sicher nicht!"

Sehr wohl möglich ist allerdings, dass Red Bull einen der beiden Fahrer bittet, an die Interessen des Teams zu denken - zum Beispiel wenn Alonso vor Vettel und Webber führen sollte. Denn bei so einem Zieleinlauf wäre Vettel endgültig aus dem WM-Rennen, aber Webber würden die drei zusätzlichen Punkte für den zweiten Platz helfen. Doch solange mathematisch keine Entscheidung gefallen ist, darf bei Red Bull offenbar frei gefahren werden.

Fotoquelle: Red Bull

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