Mark Webber und Sebastian Vettel waren heute eine Klasse für sich

Formel 1 2010

— 07.11.2010

Red Bull jubelt: Vettel siegt, Konstrukteurs-WM fixiert!

Die erste WM-Entscheidung ist gefallen, bei den Fahrern sind aber noch vier Kandidaten im Rennen - Vettel gewinnt in São Paulo vor Webber und Alonso

Riesenjubel bei Red Bull nach dem Grand Prix von Brasilien im Autódromo José Carlos Pace von São Paulo: Sebastian Vettel und Mark Webber feierten einen souveränen Doppelsieg und fixierten damit bereits vor dem abschließenden Saisonfinale in einer Woche in Abu Dhabi den erstmaligen Gewinn der Konstrukteurs-WM!

Der Kampf um die Fahrerkrone bleibt allerdings weiter offen, mit Matchball Fernando Alonso: Dem Ferrari-Piloten reichte heute ein dritter Platz, um acht Punkte Vorsprung auf Webber ins letzte Rennen mitzunehmen. Weitere sieben Zähler dahinter ist Vettel Dritter. Nur noch rein rechnerischer Natur sind die Chancen von Lewis Hamilton (McLaren), dessen Teamkollege Jenson Button seinen WM-Titel an jener Stelle endgültig abgeben musste, wo er ihn vor einem Jahr erobert hatte.

Riesenjubel bei Red Bull

"Ich bin stolz auf diese Mannschaft und möchte Dietrich Mateschitz zu diesem Erfolg gratulieren. Das ist ein unglaubliches Gefühl und ein sehr stolzer Tag für alle Beteiligten", jubelt Teamchef Christian Horner anlässlich der ersten großen Sternstunde seiner Karriere. Seine beiden Fahrer waren im Rennen eine Klasse für sich und ließen auch im Finish nichts mehr anbrennen, als das Feld durch eine Safety-Car-Phase noch einmal zusammenrückte.

Schnell ausgeträumt war der Traum vom ganz großen Coup für den deutschen Sensations-Polesetter Nico Hülkenberg: Der Williams-Pilot kam zwar dank eines kürzer als sonst übersetzten ersten Gangs nicht schlecht von der Linie weg, musste aber im Senna-S Vettel durchlassen und in der vierten Kurve auch Webber. Gegen den stark drückenden Alonso konnte er sich mit einer soliden Defensivleistung bis in die siebte Runde wehren.

Damit war er den führenden Red Bulls natürlich eine große Hilfe: "In den ersten Runden haben wir zu viel Boden verloren. Diese zwölf Sekunden konnte ich nicht mehr aufholen", seufzt Alonso. Vettel fuhr Webber indes sofort um knapp drei Sekunden davon, von da an war es ein souveräner Paarlauf der beiden. Doch dann die Schrecksekunde 20 Runden vor Schluss, als wegen eines Crashs von Vitantonio Liuzzi (Force India) im Senna-S das Safety-Car auf die Strecke kam!

Hamilton und Jenson Button (McLaren) nutzten diese Gelegenheit, um noch einmal Reifen zu wechseln, ebenso wie Nico Rosberg (Mercedes). Doch Spitzenreiter Vettel bewahrte kühlen Kopf, hatte die überrundeten Hülkenberg und Robert Kubica (Renault) als Puffer zwischen sich und Webber und zog nach dem Restart in Runde 56 sofort weg. Schlussendlich fuhr er mit 4,2 Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen über die Ziellinie.

Taktisch clevere Leistung von Vettel

"Das war nach Korea die richtige Antwort", jubelt der Deutsche. "Ich habe am Start gesehen, dass Nico Wheelspin hatte, und ich kam auf der schmutzigen Seite gut weg. Das war entscheidend. Danach habe ich versucht, den Abstand immer bei zweieinhalb Sekunden zu halten. Das hat gut funktioniert, denn sonst hätte ich nach dem Safety-Car vielleicht keine Reifen mehr gehabt. So konnte ich mich nach dem Restart gleich absetzen."

Dann Verwirrung um einen Funkspruch von Renningenieur Ciaran Pilbeam an Webber zwei Runden vor Schluss: "Wir sollten okay sein, du kannst wieder pushen?" Hatte der Red-Bull-Pilot etwa gar zu wenig Benzin an Bord? Unwahrscheinlich - wegen der Safety-Car-Phase. Tatsache ist aber: Alonso machte von hinten noch einmal richtig Druck, verkürzte den Abstand von sieben auf zwei Sekunden. Letztendlich reichte es trotzdem nicht mehr für eine Attacke.

"Als das Safety-Car rauskam, waren leider sieben Autos zwischen Mark und mir. Als ich an denen vorbei war, betrug der Abstand wieder sechs oder sieben Sekunden, da war es dann gelaufen", so der Spanier, der glaubt: "In der Rennpace waren wir nahe dran, vielleicht eine Zehntel langsamer." Was die Weltmeisterschaft angeht, ist er aber auch nach Platz drei Favorit: "Alles ist offen. Mit seinem heutigen Sieg ist auch Sebastian wieder ein Anwärter", sagt Alonso.

Interessant: Würde sich das heutige Rennergebnis in Abu Dhabi wiederholen, wäre Alonso Weltmeister. Würde Red Bull jedoch eingreifen und Webber an Vettel vorbeilotsen, wäre Webber Champion. Heute hielt sich der Kommandostand an die Vorgabe von Konzernchef Dietrich Mateschitz und verzichtete auf eine Stallorder, auch wenn bei Teamchef Horner schon während des Rennens immer wieder das Handy klingelte...

Ferrari freut sich über Red-Bull-Fairness

"Wir haben nur drei Punkte auf Mark verloren", freut sich Ferrari-Chefrenningenieur Chris Dyer darüber, dass Red Bull im Gegensatz zu seiner Crew keine klare Nummer eins hat. "Damit haben sie uns heute einen großen Gefallen getan, aber ich bin mir sicher, dass sie in Abu Dhabi nicht mehr so großzügig sein werden." Und: "Nach dem Qualifying gestern ist das ein großartiges Ergebnis. Die Red Bulls waren einfach zu schnell für uns und Platz drei war das Maximum."

Hamiltons Versuch, nach dem Restart mit frischen Reifen auf Alonso-Jagd zu gehen, scheiterte an den vielen überrundeten Autos, die die letzten Runden zu einem einzigen Chaos werden ließen. Der McLaren-Pilot fuhr zwar in 1:13.851 Minuten noch die schnellste Rennrunde auf dem 4,309 Kilometer langen Kurs, aber mehr als Platz vier war nicht mehr drin. Damit fehlen ihm vor Abu Dhabi 24 Punkte auf Alonso - 25 gibt es für einen Sieg.

Teamkollege Button war in der Anfangsphase der große Profiteur, als er in der elften Runde als Erster an die Box kam, sich der weichen Bridgestone-Supersofts entledigte und die schnelleren Mediums aufziehen ließ. Das spülte den nunmehr entthronten Weltmeister an mehreren Konkurrenten vorbei, auf Platz fünf war jedoch Endstation. Für Rosberg funktionierte genau die entgegengesetzte Strategie: Dank eines langen ersten Stints verbesserte er sich auf Rang sieben.

Rosberg erwischte vom 13. Platz aus einen guten Start, arbeitete sich dann sukzessive nach vorne und lag schon vor der Safety-Car-Phase vor seinem Teamkollegen Michael Schumacher. Dann kam er jedoch wegen einer Panne seiner Crew in zwei Runden zweimal zum Reifenwechsel an die Box - und fiel nicht ans Ende des Feldes, sondern nur hinter Schumacher zurück, weil hinter dem Mercedes-Duo alle anderen schon überrundet waren.

Solide Vorstellung von Mercedes

Schumacher ließ Rosberg wegen seiner verschlisseneren Reifen kampflos vorbei, war ansonsten aber zufrieden mit seiner heutigen Leistung: "Es hat super angefangen, der Start war hervorragend. Ich konnte mich neben Kubica setzen, aber der hat mich ins Grüne verfrachtet. Dann waren wir zu früh an der Box, ich bin hinter Sutil gefallen und wurde von ihm aufgehalten", berichtet der São-Paulo-Rekordsieger, der weiterhin bei vier Triumphen hält.

"Der sechste Platz von Nico", bilanziert Mercedes-Sportchef Norbert Haug, "war das beste Resultat, das mit seinem 13. Startplatz drin war. Dass Michael hinter ihm Siebter wurde, lag am Verkehr. Das ist kein Traumresultat, aber wieder wie bei den letzten Rennen 'Best of the Rest' hinter den WM-Kandidaten und so eine solide Teamleistung." Immerhin: Mercedes hat nun Platz vier in der Konstrukteurs-WM endgültig sicher.

Polesetter Hülkenbergs Prognose, er werde "irgendwo zwischen fünf und zehn" ins Ziel kommen, bewahrheitete sich: Platz acht. "Vom Freitag wussten wir, dass wir so um P10 mitfahren", analysiert der Williams-Rookie ohne Verbitterung. "Gegen die Red Bulls und Ferraris hatten wir überhaupt keine Chance. Das Auto war noch dazu schwierig zu fahren, was Lenkung und Bremse anging, und es hat manchmal aufgesetzt. Mit P8 bin ich zufrieden."

Sein Teamkollege Rubens Barrichello erlebte indes einen turbulenten Nachmittag, schlitzte sich an Jaime Alguersuari (Toro Rosso) den linken Vorderreifen auf und spielte danach für die Vergabe der WM-Punkte keine Rolle mehr. Landsmann Massa landete 0,7 Sekunden hinter ihm gar nur auf dem 15. Platz - nach zwei kleinen Rangeleien im letzten Rennabschnitt, in dem er schon das Messer zwischen den Zähnen hatte.

Lotus wieder bestes neues Team

Nick Heidfeld (Sauber) kassierte heute wegen Ignorierens blauer Flaggen eine Durchfahrstrafe und wurde 17., während sein Stallgefährte Kamui Kobayashi als Zehnter wieder einmal die Hinwiler Kastanien aus dem Feuer holte und einen Punkt sammelte. Bester Vertreter der drei neuen Teams war im Rennen Heikki Kovalainen vor Jarno Trulli (beide Lotus) und Timo Glock (Virgin). Lokalmatador Bruno Senna (HRT) wurde 21.

Riesenpech hatte Christian Klien: Sein HRT-Dallara rollte schon beim Rausfahren aus der Box vor der Aufwärmrunde aus, wurde aber zum Glück rechtzeitig zurück zum Team gebracht, sodass der Österreicher zumindest mit drei Runden Verspätung ins Renngeschehen eingreifen konnte. Gewertet wurde er als 22. und Letzter, vor Lucas di Grassi (Virgin) und Unfallopfer Liuzzi, dem beim Abflug im Senna-S zum Glück nichts passiert ist.

Weiter geht es schon in einer Woche mit dem Dämmerungs-Saisonfinale in Abu Dhabi. Vettel glaubt trotz der 15 Punkte Rückstand noch an seine Chance: "26 wären unmöglich, aber 15 sind möglich", grinst er. "Ich wünsche Fernando nichts Schlechtes, aber ein bisschen Ferrari-Rauch würde mich nicht stören! Ich muss auf mich selbst schauen und versuchen, das Wochenende von hier zu wiederholen. Wenn ich gewinne, sehen wir ja, was Fernando macht."

"Heute wird einmal die eine oder andere Flasche geköpft", kündigt er eine improvisierte Party an und hält fest: "Ein guter Tag für uns, hervorragend sogar!" Bei Webber hielt sich der Jubel angesichts der ausgebliebenen Stallorder hingegen in Grenzen: "So ist es halt, müssen wir Fernando in Abu Dhabi eben mehr Punkte wegnehmen." Bitter: Aus eigener Kraft kann Webber bei acht Punkten Rückstand nicht mehr Weltmeister werden, wenn Alonso Zweiter wird...

Fotoquelle: xpb.cc

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