Nico Hülkenberg vor dem Start: Die Führung hielt nicht einmal eine Runde

Formel 1 2010

— 07.11.2010

Hülkenberg: "Glücklich mit meiner Performance"

Sensations-Polesetter Nico Hülkenberg hatte im Rennen in São Paulo keine Chance und wurde Achter, ist mit seiner Leistung aber zufrieden - Zukunft weiterhin offen

Insgeheim hofften die deutschen Fans nach der Sensations-Pole-Position von Nico Hülkenberg in São Paulo, dass der Youngster im heutigen Rennen auch ganz weit vorne mitmischen kann, aber das Williams-Team wurde dann doch von der Realität eingeholt. Immerhin zeigte Hülkenberg einige beherzte Rad-an-Rad-Duelle und er sammelte vier wichtige Punkte für die Konstrukteurs-WM.

Frage: "Nico, Gratulation zu deinem achten Platz. Du hast dich heute tapfer gewehrt. Am Start hast du eine Position verloren - da bist du ja richtig gut weggekommen, oder?"
Nico Hülkenberg: "Richtig gut ist übertrieben. Sebastian kam noch besser weg, denn ich hatte ein bisschen zu viel Wheelspin. Aber eine Position zu verlieren und Rad an Rad in die erste Kurve zu gehen, war noch ganz akzeptabel. Bis dahin war alles okay."

Vor dem Start nur leicht nervös

Frage: "Wie nervös warst du vor dem Start?"
Hülkenberg: "Es war okay - ich habe ein bisschen Eis auf meine Nerven gelegt! Im Ernst: Natürlich war ich ein bisschen nervöser als sonst, aber das ist gar nicht schlecht, denn das hält dich auch wach und scharf. Ich weiß aus der GP2 und der Formel 3, wie es ist, von vorne zu starten, aber natürlich war es diesmal etwas Besonderes."

Frage: "Dann drückte Mark Webber, aber er kam nicht ganz so einfach vorbei..."
Hülkenberg: "Tja, wie erwartet. Von Freitag wussten wir, dass wir so um P10 mitfahren, denn gegen die Red Bulls, Ferraris und McLarens haben wir überhaupt keine Chance. Ich muss sagen, mein Auto war heute sehr schwierig zu fahren - ich hatte auf der Bremse und über die Lenkung starke Vibrationen."

"Auch der Boden hat oft aufgesetzt, teilweise in Kurven, was das Auto sehr schwierig zu fahren gemacht hat. Ich hatte Untersteuern, Übersteuern, war mit der Balance nicht sonderlich zufrieden. Ich habe aber gekämpft und das Beste daraus gemacht, habe mich gegen die 'Big Guns' verteidigt und mit P8 das Maximum rausgeholt. Damit bin ich zufrieden."

Frage: "Sind es trotzdem wertvolle Punkte auf Platz acht, wenn man von der Pole-Position startet?"
Hülkenberg: "Ja. Vier Punkte sind wertvoll für uns - damit sind wir jetzt in der Konstrukteurs-WM einen Punkt vor Force India. Das ist superwichtig für uns. Wir haben nicht genug Pace, sind im Trockenen viel zu langsam. Es war nicht möglich, vor den Mercedes zu bleiben - das ist ganz trocken und realistisch so. Kubica habe ich gut hinter mir gehalten, der normalerweise auch ein schnelleres Auto hat. Ich bin glücklich mit meiner Performance."

Frage: "In der siebten Runde ist Fernando Alonso an dir vorbeigezogen."
Hülkenberg: "Wir sind nicht die absolut Schnellsten auf den Geraden. Er hat mich in Kurve vier überholt. Ich kam ein bisschen weit raus und er fuhr innen durch, früh aufs Gas - das hat er gut gemacht. Ich musste kämpfen in der Kurve, aber ich wollte auch nicht zu viel kämpfen, denn irgendwann verliere ich auch Zeit gegen die Leute, gegen die ich eigentlich fahren muss. Man könnte immer noch härter dagegenhalten, aber irgendwann macht es keinen Sinn mehr."

Frage: "Ist es nicht so, dass es besser ist, so lange wie möglich da vorne zu bleiben?"
Hülkenberg: "Ja, schon, aber wenn ein Zweikampf wirklich mal über mehrere Kurven geht, geht es schon ordentlich an die Zeit - da sind schnell mal vier, fünf Sekunden pro Runde verloren. Von daher muss man abwägen, was man macht. Ich wusste, dass ich die großen Jungs nicht halten kann - darauf haben wir uns schon vor dem Rennen eingestellt. Heute habe ich das Maximum rausgeholt."

Frage: "Gab es irgendwelche Schrecksekunden?"
Hülkenberg: "Wir sind vom Grid weggefahren und in der ersten Kurve habe ich irgendwie den Neutralknopf gedrückt und ich hatte keinen Gang mehr drin! Ich weiß nicht wie, denn das ist mir noch nie passiert. Solange man Speed hat, kann man keinen Gang einlegen, also musste ich stehen bleiben, den ersten Gang einlegen und wieder losfahren. Da sind drei, vier Leute an mir vorbeigefahren und haben wahrscheinlich gedacht: 'Okay, der ist schon mal raus.' Das war eine haarige Situation."

Frage: "Vor dem Start kam Bernie Ecclestone noch bei dir vorbei. Auch ein cooles Gefühl, wenn der Chef vorbeikommt, oder?"
Hülkenberg: "Ja, das war sehr nett. Er hat gesagt, ich soll mein Ding machen und mich nicht von irgendjemandem oder irgendwas beirren lassen, hat mir auch viel Glück gewünscht. Sehr nett, das hat mich sehr gefreut."

Viel Freude an den Zweikämpfen

Frage: "Lewis Hamilton hast du es dann sehr schwer gemacht beim Überholen."
Hülkenberg: "McLaren hat einen sehr effizienten F-Schacht, die sind sehr schnell auf den Geraden. Er hat ein bisschen früh gebremst, aber ich habe ihm Platz gelassen - hart, aber fair. Ich habe mich verteidigt. Es macht Spaß, wenn man solche Rad-an-Rad-Duelle hat, denn das ist es, wofür wir racen und was die Leute sehen wollen."

Frage: "Wie ist das, wenn man einen Weltmeister Lewis Hamilton mit einem klar unterlegenen Williams hinter sich lassen kann?"
Hülkenberg: "Das ist ein hartes Stück Arbeit! Man muss die ganze Zeit am Limit fahren. Der Ingenieur hängt einem am Ohr und sagt, du darfst deine Reifen nicht überbeanspruchen, sollst aber Hamilton hinter dir halten. Das alles gleichzeitig ist ein bisschen schwierig. Keinen Fehler machen, vor allem in der letzten Kurve, die immer sehr wichtig ist - das war anstrengend. Danach hatte ich Robert die ganze Zeit hinter mir. Keiner hat mir eine Pause gegönnt!"

Frage: "Wie kann es sein, dass ein Auto am Samstag auf Pole-Position steht und am Sonntag keine Chance mehr hat?"
Hülkenberg: "Es waren die Umstände. Ich habe einen sehr aggressiven Fahrstil, bin manchmal zu hart zu den Reifen. Das hat gestern wunderbar gepasst, denn dadurch hatte ich viel Hitze in den Reifen. Es wurde mit jeder Runde besser. Das Auto fühlte sich großartig an. Das war gestern der Schlüssel."

Frage: "Geht es dir eigentlich auf die Nerven, keine Klarheit hinsichtlich deiner Zukunft zu haben? Rubens Barrichello erzählt, dass er ein Cockpit hat, und GP2-Meister Pastor Maldonado steht mit 20 Millionen vor der Tür, noch dazu bei einem armen Team wie Williams. Wie ist das für dich?"
Hülkenberg: "Es wäre natürlich viel komfortabler für mich, wenn ich jetzt schon einen Vertrag hätte und wüsste, es geht nächstes Jahr oder die nächsten zwei Jahre weiter, aber so ist es nicht."

"Bei Williams ist im Moment noch alles offen. Ich habe keinen Vertrag, Maldonado auch nicht, daher hat ihm Williams diesen Young-Driver-Test nach dem Rennen in Abu Dhabi gegeben, um zu gucken, wie er sich da schlägt und wie gut er wirklich ist. Ich denke, danach werden sich die Teambosse treffen und zusammen entscheiden, welche Fahrerwahl sie treffen wollen."

Frage: "Könnte es darauf hinauslaufen, dass du kein Cockpit bekommst, wenn es ganz blöd läuft?"
Hülkenberg: "Die vier Topteams sind alle besetzt, das ist ziemlich sicher, aber dahinter ist viel Bewegung drin. Ich glaube, ich habe mich in den letzten Rennen gut empfohlen und auf mich aufmerksam gemacht. Daher glaube ich, dass es Alternativen gibt. Wenn Williams mich nicht will, dann fahre ich eben woanders!"

Frage: "Findest du, dass du mit deinen Leistungen hier einen Vertrag rechtfertigst?"
Hülkenberg: "Das solltest du Frank (Williams) oder Patrick (Head; Anm. d. Red.) fragen. Ich hoffe, das Talent vor Geld kommt. Leider ist die Wirtschaftskrise da zum Faktor geworden, durch den sich die Dinge ändern könnten, aber ich hoffe, dass es gut ausgeht. Rubens und ich sind eine perfekte Fahrerkombination und ich hoffe wirklich, dass wir weiterhin zusammen fahren können."

Frage: "Fühlst du dich nach diesem Wochenende wie ein anderer Fahrer?"
Hülkenberg: "Nein, eigentlich nicht. Ja, es war eine sehr gute Teamleistung, aber ich bin noch der Gleiche. Es ist meine erste Saison und ich hatte viel zu lernen, aber ich habe auch gute Fortschritte gemacht. Das ist natürlich und muss so sein."

Fotoquelle: xpb.cc

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