Lewis Hamilton sicherte sich in Abu Dhabi schon im Vorjahr die Pole-Position

Formel 1 2010

— 12.11.2010

WM-Quartett gibt im Training den Ton an

Lewis Hamilton gibt nicht auf: Freitagsbestzeit in Abu Dhabi - Vettel guter Zweiter, Alonso und Webber nur durch eine Tausendstelsekunde getrennt

Eine spannendere Dramaturgie könnte man sich für den Rest des Rennwochenendes eigentlich gar nicht wünschen: Im Freitagstraining zum Grand Prix von Abu Dhabi, bei dem am Sonntag die Entscheidung in der Fahrer-WM fallen wird, lagen am Ende ausgerechnet jene vier Piloten voran, die noch Chancen auf den Titelgewinn haben.

Bei in der Dämmerung von 30 auf 27 Grad zurückgehenden Temperaturen auf dem ultramodernen Yas-Marina-Circuit war es am Ende Lewis Hamilton (McLaren), der die Zeitentabelle in 1:40.888 Minuten anführte. Der Polesetter des Vorjahres hat in der Fahrerwertung zwar 24 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Fernando Alonso (Ferrari), klammert sich aber anscheinend an den letzten Strohhalm und gibt in Abu Dhabi von der ersten Minute an alles.

Droht Hamilton noch eine Strafe?

Eine kleine Schrecksekunde gab es für Hamilton, als er in der Zielkurve von der Strecke abkam, relativ abrupt in Richtung Boxengasse nach innen zog und dabei Bruno Senna (HRT) den Weg abschnitt. Die FIA-Kommissare werden den Zwischenfall heute Abend noch untersuchen, eine Geldstrafe scheint nicht ausgeschlossen. Den psychologischen Vorteil der Tagesbestzeit kann Hamilton aber niemand mehr wegnehmen.

Sebastian Vettel (Red Bull), heute Morgen noch überlegen Schnellster, sicherte sich mit 0,257 Sekunden Rückstand den zweiten Platz und - überraschend - die Bestzeit im ersten Sektor, der eigentlich wegen der erforderlichen Höchstgeschwindigkeit als McLaren-Terrain gilt. Doch Topspeed ist eben nicht alles, wie das Beispiel Jenson Button (+1,244) beweist: Trotz gemessener 319 km/h reichte es für den entthronten Weltmeister nur zu Platz acht.

"Es lief ziemlich gut", berichtet McLaren-Testfahrer Gary Paffett aus dem Lager der Briten. "Wir führten zunächst weitere Tests mit dem neuen Heckflügel durch, die positiv verliefen. Heute Nacht werden wir weitere Änderungen vornehmen. Lewis klagt ein bisschen über blockierende Räder, aber bei Jenson scheint es deutlich schlimmer zu sein. Ansonsten ist die Balance der Autos gut und es gibt keine großen Probleme."

Motorenschonung bei Red Bull und Ferrari?

"Mich überrascht, wie gut die McLarens aussehen", analysiert auch Formel-1-Experte Martin Brundle. "Wir wissen, dass die Red-Bull- und Ferrari-Piloten nicht mehr viele Motorenkilometer übrig haben, daher haben sie vielleicht die Drehzahl reduziert und wir kennen nicht die ganze Geschichte. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass Lewis im WM-Kampf zwischen den Red Bulls und Alonso zum Zünglein an der Waage werden könnte."

Für Vettel war es "ein ganz normaler Freitag. Die Rundenzeiten liegen recht eng beisammen. Wir werden sehen. McLaren ist wie erwartet schnell, Ferrari ist vorne dabei. Es war nicht so schlecht. Schauen wir mal, was drin ist", sagt der Zweite, und Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko zeigt sich angesichts der McLaren-Performance überrascht: "Hamilton als Sieger passt natürlich nicht in unser Konzept. Er sieht verdammt schnell aus."

Alonso belegte im zweiten Freien Training mit 0,426 Sekunden Rückstand den dritten Platz und blieb damit um genau eine Tausendstelsekunde (!) vor seinem schärfsten Titelrivalen Mark Webber (Red Bull). Alonso begann die Session laut Ferrari-Angaben mit einem Heckflügel "mit weniger Anpressdruck", fuhr damit eine Zeit von 1:41.473 Minuten. Dann wechselte er zu einem High-Downforce-Modell und fand weitere neun Tausendstelsekunden.

Alonso wechselt zwischen Heckflügeln

Aber der zweifache Weltmeister scheint mit dem Low-Downforce-Modell besser zurechtzukommen und vertraute diesem für den Rest der Session und damit auch für die Zeitenjagd auf den Supersofts von Bridgestone, die bei den meisten Teams zu starkem Graining neigten. Doch Ferraris größte Sorge war, dass Felipe Massa (6./+0,695) ausrollte - und wenig später der Funkspruch im internationalen TV-Signal nachgereicht wurde: "Ich habe kein Benzin mehr!"

Das Team will diesen Sachverhalt vorerst noch nicht bestätigen: "Es gab ein Benzinproblem an Felipes Auto, aber solange es nicht zurück in der Garage ist, können wir nichts Genaueres sagen", heißt es offiziell. Fest steht: Wenn Massas Tank wirklich leer war, dann könnte das auch auf den von Alonso zutreffen - und das wäre hinsichtlich des wahren Kräfteverhältnisses beim Saisonfinale zumindest kein gutes Zeichen...

Die Renault-Piloten Robert Kubica (+0,688) und Vitaly Petrov (+1,208) sicherten sich die Positionen fünf und sieben, gefolgt von Button, Vitantonio Liuzzi (Force India/+1,315), Nico Rosberg (+1,334) und Michael Schumacher (beide Mercedes/+1,358). Letzterer lotete das Limit teilweise etwas zu sehr aus, wurde mehrere Male neben der Strecke gesehen - genau wie auch Massa und Jaime Alguersuari (17./Toro Rosso/+2,240), dem beim Yas-Hotel sein Ferrari-Motor abstarb.

Haug sieht Mercedes weiter vorne

"Im Renntrimm sind wir heute ganz ordentliche Zeiten gefahren, vielleicht sogar in einem ähnlichen Bereich wie die besten Fünf oder Sechs", zieht Mercedes-Sportchef Norbert Haug eine zufriedene Zwischenbilanz. "Wir waren besser, als die Reihenfolge mit Platz zehn und elf wirklich zeigt. Wir haben auch nicht alle besten Sektorenzeiten in eine Runde gebracht, denn die Sektorenzeiten sehen ein bisschen besser aus."

Nico Hülkenberg (12./Williams/+1,561) und Adrian Sutil (13./Force India/+1,647) erfüllten in etwa ihr Plansoll, Nick Heidfeld (16./Sauber/+2,062) wird hingegen nach starkem Beginn am Vormittag nicht ganz zufrieden sein. Im internen Kampf der drei neuen Teams war diesmal Heikki Kovalainen (19./Lotus/+4,292) Schnellster, 0,079 Sekunden vor Timo Glock (Virgin) - und das, obwohl der Finne heute Morgen wegen Freitagstester Fairuz Fauzy nur zugesehen hatte.

Was das heutige Ergebnis für den Rest des Wochenendes oder gar den WM-Vierkampf bedeutet, lässt sich nach 180 recht spannenden Minuten in Abu Dhabi noch nicht abschätzen. Die Kombination Hamilton/McLaren scheint genau wie im Vorjahr gut zu funktionieren, aber auch Red Bull ist vorne mit dabei - mit leichten Vorteilen von Vettel gegenüber Webber. Das große Fragezeichen ist nach Massas entblößender Benzinpanne wohl die wahre Ferrari-Pace.

Fotoquelle: xpb.cc

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