Sebastian Vettel kann sein Glück kaum fassen, er ist Formel-1-Weltmeister!

Formel 1 2010

— 14.11.2010

Vettel: "Ich bin etwas sprachlos!"

Der Red-Bull-Pilot über den aufregenden Schlussspurt um die WM-Krone, bei der er bis zum Schluss nicht wusste, dass er auf WM-Kurs ist

Rein rechnerisch hatte Sebastian Vettel vor dem Großen Preis von Abu Dhabi nur geringe Chancen auf den Gewinn des WM-Titels. Doch nach einem perfekten Start und der Verteidigung der Führung und einem frühen Boxenstopp von Fernando Alonso, der den Ferrari-Pilot weit zurückwarf, schwang er Pendel ganz plötzlich zu Gunsten des Deutschen um.

Doch der 23-Jährige wusste erst einige Sekunden nach dem Überqueren der Ziellinie, dass er Weltmeister ist, denn ihm war nicht klar, wo sich seine Konkurrenten befinden. Das Team schwieg sich jedenfalls aus, womöglich, um den Rennfahrer nicht unnötig abzulenken und unter Druck zu setzen.

"Um ehrlich zu sein, ich wusste nichts. Ich habe mich gewundert. In den letzten zehn Runden gab mir mein Renningenieur Rocky (Guillaume Rocquelin) Ratschläge, mit denen er mir helfen wollte, das Auto ins Ziel zu bekommen. Ich hatte mich gewundert, warum er so nervös war. Das war in den 18 anderen Rennen eigentlich nicht so."

"Ich dachte mir schon, dass wir uns in einer guten Position befinden müssen, dann sagte er 'Es sieht gut aus'. Allerdings wusste ich nicht, was er meint. Ich konzentrierte mich einfach auf mich selbst. Ich habe versucht, die Bildschirme um mich herum zu meiden. Dann meldeten sie sich über Funk und schrien, dass wir die Weltmeisterschaft gewonnen haben."

So ganz ist die Situation beim Rennfahrer aus Heppenheim noch nicht eingesackt: "Um ehrlich zu sein, ich bin etwas sprachlos. Ich weiß nicht, was man in einem solchen Moment sagt. Es ist unglaublich. Gestern bin ich zu Bett gegangen und dachte ständig über das Rennen, darüber, was passieren könnte. Ich hatte ein paar gute Fantasien und ein gutes Gefühl."

Sebastian Vettel erlebte eine Saison voller Höhen und Tiefen, in der er zwar fünfmal gewann, aber aufgrund von Unfällen und Problemen mit der Zuverlässigkeit zahlreiche Punkte verlor: "Wir haben in dieser Saison unglaubliche Kämpfe und eine enge Saison erlebt. Ich weiß nicht, wie oft wir einen anderen Führenden hatten. Einige Leute wurden sehr früh abgeschrieben und kehrten zurück, wie Fernando. Und sie haben gewaltig zurückgeschlagen. Auch Lewis Hamilton schlug zurück und ging in Führung."

"Ich könnte ein Buch schreiben über die Rennen, in denen wir auf einer besseren Position ins Ziel hätten kommen können. Jeder von uns hatte seine Höhen und Tiefen. Es war eine intensive und harte Saison."

"Wenn man das alles Revue passieren lässt, dann war es glaube ich entscheidend, dass man nie den Glauben verliert. Manchmal ignorierte man, was die Leute sagen, und versuchte, sich auf sein eigenes Ding zu konzentrieren. Man durfte sich nicht von den Leuten durcheinanderbringen lassen, die glaubten zu wissen, wie man es richtig macht."

"Wir haben einfach unser Ding durchgezogen. Das war auch meine Herangehensweise, mit der ich in dieses Rennen ging, und nun sieht es gut aus, denn das hat alles funktioniert. Und das jetzt alles mit dem notwendigen Quäntchen Glück, das wir in dieser Saison nicht immer hatten, schlussendlich einzutreten, ist nicht allzu schlecht."

Als Vettel sich über Funk nach dem Rennen bei seinem Team meldete, war der Rennfahrer in Tränen aufgelöst: "Als ich über die Ziellinie fuhr, sagte mir mein Renningenieur, dass es nicht allzu schlecht aussieht, wir aber abwarten müssen, bis die anderen über die Ziellinie fahren. Da dachte ich 'Das kann jetzt nicht wahr sein!'."

"Als er dann mit starkem französischem Akzent sagte, dass wir Weltmeister sind, da konnte ich das nur schwer begreifen. Ich glaube, ich habe noch nie so lange für die Runde zurück an die Box gebraucht. Ich habe an meine Eltern und alle Leute gedacht, die mir auf der einen Seite die Kraft geben und auf der anderen Seite auch in schlechten Tagen zu mir gestanden sind und mich unterstützt haben."

"Ich bin unheimlich stolz. Mir sind verschiedene Bilder durch den Kopf gegangen, von früher, von ganz am Anfang. Zum Beispiel, als wir mit meinem Vater zu zweit im Kart gegen die ganz großen Teams angetreten sind. Teilweise sind wir ihnen auf der Nase herumgetanzt. Bis zur Formel 1 war es eine unglaubliche Reise. Ich bin sehr stolz, überhaupt dabei sein zu dürfen. Es ist unheimlich schwer, das ganze mit dem Titel zu krönen."

"Sowohl körperlich aber besonders mental war es eine unglaublich harte Saison für uns alle. Ich behielt den Glauben an mich selbst, und heute war ein spezieller Tag. Ich habe die Meisterschaft lediglich einmal angeführt, dann, als es zählte, war ich einmal in Führung."

"Aus irgendeinem Grund fühlte sich nicht so an, als würde das wirklich passieren. Es ist schwer, das Ganze zu begreifen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das heute alles passiert ist. Ich bin unheimlich stolz und unheimlich glücklich. Es ist seltsam, aber das wird sich setzen, wenn ich schlussendlich zum Schlafen gehe. Aber ich denke, dass das Tageslicht herein bricht, bevor das passiert."

Nun darf sich Vettel bereits darauf freuen, kommendes Jahr mit der Startnummer eins an den Start gehen zu dürfen: "So weit habe ich noch gar nicht gedacht. Das ganze Jahr über schaut man sich die Zeitenlisten an und sieht die Nummer eins, denkt, das ist der Weltmeister des vergangenen Jahres. Um ehrlich zu sein, ich kann es im Moment gar nicht einordnen, dass diese Nummer kommendes Jahr jetzt bei uns auf dem Auto klebt."

Fotoquelle: xpb.cc

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