Am Ziel seiner Träume: Sebastian Vettel aus Heppenheim ist Weltmeister

Formel 1 2010

— 14.11.2010

Das große Weltmeister-Interview mit Sebastian Vettel

Geschafft: Sebastian Vettel spricht über seinen magischen Tag in Abu Dhabi, vom Einschlafen am Samstagabend bis zur Erlösung nach der Zieldurchfahrt

Sechs Jahre nach Michael Schumacher hat Deutschland wieder einen Formel-1-Weltmeister: Sebastian Vettel gewann heute mit einer makellosen Leistung den Grand Prix von Abu Dhabi, profitierte vom Abschneiden seiner direkten Konkurrenten und wurde überraschend doch noch Champion. Anschließend ließ er im Rahmen der FIA-Pressekonferenz seinen Emotionen freien Lauf.

Frage: "Sebastian, du hast diese Weltmeisterschaft während der Saison nie angeführt, aber jetzt bist du Weltmeister..."
Sebastian Vettel: "Ich bin sprachlos. Ich habe keine Ahnung, was man in so einem Moment sagt. Es war eine unglaublich harte Saison für mich, für alle von uns, körperlich und speziell mental. Wir haben immer an uns geglaubt, an das Team, an das Auto, an mich selbst."

"Heute war ein besonderer Tag. Am Morgen bin ich aufgestanden und habe versucht, an nichts zu denken, Kontakt mit zu vielen Menschen zu vermeiden, mich auf mich selbst zu konzentrieren. Ich wusste ja, dass es das Beste ist, einfach das Rennen zu gewinnen und mein Bestes zu geben. Wir haben diese Weltmeisterschaft nur einmal angeführt, aber das dafür im wichtigsten Moment."

Von Anfang an alles unter Kontrolle

"Ich bin sprachlos. Das Auto war phänomenal. Der Start war entscheidend. Es war ein bisschen knapp mit Lewis und dann hatte ich im ersten Stint leichtes Graining. Lewis kam näher, aber das stabilisierte sich. Von da an war es ein einziger Traum - alles lief gut für uns. Gut für uns war auch, dass Lewis hinter Robert Kubica aus der Box kam und aufgehalten wurde, denn so konnte ich einen Vorsprung aufbauen."

"Ich wusste es aber ehrlich gesagt bis zur Zielflagge nicht! Die letzten zehn Runden habe ich mich schon gefragt, was los ist, weil mir mein Renningenieur Tipps gab, wie ich das Auto am besten nach Hause bringe. Ich habe mich gefragt: 'Warum ist der Kerl so nervös? Da müssen wir in einer verdammt guten Position sein.' Dann kam er beim Überqueren der Ziellinie ganz leise am Funk und sagte: 'Es sieht gut aus, aber wir müssen noch warten, bis sie im Ziel sind.'"

"Ich fragte mich, was er damit meint, denn ich hatte die Videowalls nicht gesehen. Ich wollte mich nicht ablenken lassen, mich nur auf mich selbst konzentrieren. Dann kam er wieder am Funk und schrie mir ins Ohr, dass wir die Weltmeisterschaft gewonnen haben. Ich weiß nicht, das ist einfach..."

"Ich muss mich bei vielen Menschen bedanken. Viele von ihnen fallen mir jetzt sicher nicht ein, aber ich fange mit dem Team an, den Jungs hier an der Rennstrecke, meinen Mechanikern - nicht nur meinen, allen. Den Ingenieuren. Sorry, dass ich so lange quassle! Wir haben viele Leute, die in Harmonie zusammenarbeiten. In Milton Keynes pushen die Jungs wie die Hölle und die Leute in Österreich haben mich von Anfang an unterstützt."

"Es war eine unglaubliche Reise mit Red Bull und nach dieser Saison mit so vielen Höhen und Tiefen nach dem letzten Rennen die Weltmeisterschaft anzuführen, das ist unglaublich. Ich kann mich nur bei allen bedanken, bei denen, die mich schon seit dem Kartfahren unterstützen. Einige sind hier, einige sind in Kerpen, aber auch in meiner Heimatstadt Heppenheim. Danke euch allen!"

Wechselhafte Formel-1-Saison

Frage: "Es war dieses Jahr ein unglaublich intensiver WM-Kampf, nicht wahr?"
Vettel: "Ja, wirklich. Wir haben unglaubliche Fights und eine enge Saison erlebt. Ich weiß nicht, wie viele verschiedene WM-Führende wir hatten. Einige wurden sehr schnell abgeschrieben und kamen wieder zurück, zum Beispiel Fernando und Ferrari, von denen man am Anfang schon dachte, dass sie zurückfallen. Sie haben sehr stark zurückgeschlagen. McLaren kam auch wieder, Lewis führte die Weltmeisterschaft an."

"Jeder von uns kann ein Buch über die Rennen schreiben, in denen er weiter vorne ins Ziel kommen hätte sollen. Lewis hatte in Ungarn einen Ausfall, ich in Australien und Südkorea. Jeder hatte Höhen und Tiefen. Es war eine extrem intensive und harte Saison, speziell mental, um immer da zu sein und manchmal zu ignorieren, was gerade geredet wurde. Das war auch heute mein Vorsatz. Das hat funktioniert und jetzt bin ich sehr, sehr stolz."

Frage: "Wie fühlst du dich jetzt?"
Vettel: "Ich schätze, ich bin jetzt ziemlich leer. Ich weiß nicht, was ich sagen soll, aber irgendwas fällt mir schon ein, um ewig dahinzuquatschen! Gestern ging ich ins Bett und dachte ans Rennen, was passieren kann. Da habe ich mir schöne Bilder vorgestellt, was aus irgendeinem Grund immer ein gutes Gefühl ist. Aber dann dachte ich, dass ich jetzt langsam schlafen muss. Das hat funktioniert. Es dauerte ein bisschen, dann wachte ich auf und hatte ein gutes Gefühl."

"Es war heute sehr schwierig, kühlen Kopf zu bewahren. Das Rennen lief phänomenal gut. Das Auto war in jeder Runde angenehm zu fahren, daher muss ich mich beim ganzen Team bedanken. Renault hat heute auch eine große Rolle gespielt und uns geholfen, indem sie die anderen Jungs hinter sich gehalten haben."

"Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Aus irgendeinem Grund kommt es mir so vor, als würde all das gar nicht passieren. Ich habe Lewis und Jenson gefragt, ob es bei ihnen auch so merkwürdig war, aber ich schätze, ich werde es dann realisieren, wenn ich schlafen gehe. Da wird es sicher schon wieder hell sein!"

Ein Traum wird wahr

Frage: "Das muss ein überwältigendes Gefühl sein, nicht wahr?"
Vettel: "Ich habe die Auslaufrunde einfach nur genossen. Seit ich ein kleines Kind bin, verfolge ich die Formel 1. Vor dem Rennen habe ich mir gesagt: 'Unglaublich viele Menschen kommen nach Abu Dhabi, nur um dieses Rennen zu sehen, sind deswegen aufgeregt, weil sie herausfinden wollen, wer es schafft. Davon nur ein Teil zu sein, zu den Top 4 zu gehören, ist schon aufregend.' Ich fühlte mich sehr stolz und glücklich."

"Ich möchte nicht zu philosophisch klingen, aber wir reisen das ganze Jahr so viel, sehen so viele verschiedene Orte, verschiedene Leute. Da schätzte ich mich plötzlich unheimlich glücklich, weil ich etwas tun kann, was ich liebe. Die Leute sagen, dass wir Formel-1-Fahrer es nicht so schlecht haben, und ich genieße es wirklich."

"Ich habe mir eingeredet, dass es unabhängig vom Ergebnis eine gute Saison war, weil wir so viele Probleme hatten und uns so viele Punkte abhanden gekommen sind. Dann fuhr ich über diese Linie. Ich war verlockt, einen Blick auf die Videowalls zu werfen, aber ich tat es dann doch nicht, denn mein Ingenieur hatte mir die letzten zehn Runden alles Mögliche durchgefunkt, Abstände und die Pace. Ein bisschen habe ich danach gefragt, wie es steht, weil ich ja wissen musste, was mich unmittelbar betrifft, aber sonst habe ich nichts gewusst."

"'Rocky' (Guillaume Roquelin, Renningenieur; Anm. d. Red.) war in keinem der 19 Rennen so lebendig wie in diesen letzten zehn Runden! Ich habe mich schon gefragt, was da los ist. Manchmal habe ich Lewis hinter einem Renault gesehen und Fernando auch, aber dann habe ich versucht, das einfach zu vergessen und auf mich selbst zu schauen. Die Auslaufrunde, die Siegerehrung, jetzt die Interviews - langsam kommt es mir, aber noch ist es nicht da."

"Ich weiß wirklich nicht, was ich sagen soll. Ich bin extrem stolz. Wir haben einen Kerl im Team, der weiß alle Weltmeister seit 1950 auswendig. Man muss ihm nur das Jahr sagen und er sagt einem den Weltmeister. Jetzt mit Fahrern wie Senna und Michael auf dieser Liste zu stehen, das kann ich noch gar nicht einordnen."

Probleme mit dem Boxenfunk

Frage: "Einmal haben wir mitbekommen, dass es Funkprobleme gab. Was war da los?"
Vettel: "Ich glaube, ich habe den linken Ohrstöpsel verloren. Der ist nicht rausgefallen, aber er ist wohl kaputt, sodass ich nur noch rechts hören konnte. Also habe ich das Team gebeten, immer auch die Boxentafel zu verwenden, wenn sie mir etwas mitteilen wollen."

"Der Funk hat aber noch funktioniert, sonst hätte ich die letzten zehn Runden ja nicht mit meinem Ingenieur reden können und er hätte mir nicht sagen können, dass ich Weltmeister bin. Es ging nur manchmal besser, manchmal schlechter, also habe ich versucht, die Verbindung wiederherzustellen. In den letzten fünf Runden war wieder alles bestens."

Frage: "Jenson Button ist im Vorjahr nach seinem Titelgewinn früh ins Bett gegangen, weil er so ausgelaugt war. Wie wirst du feiern? Du bist ja nicht der Typ, der früh ins Bett geht, oder?"
Vettel: "Ich weiß noch nicht. Ich glaube, ich möchte die Zeit mit all den Menschen verbringen, die mir geholfen haben. Viele von ihnen sind hier, was schön ist. Und ich möchte beim Team sein, bei den Jungs."

"Alle haben an mich geglaubt, die Atmosphäre war immer großartig. Manchmal gab es Momente, da wollte man uns eine verpassen, aber wir konnten uns auf das konzentrieren, was wichtig ist, ließen uns von dem ganzen Gerede nicht ablenken. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Ich weiß es nicht. Sehr früh wird es nicht sein, denn es ist ja jetzt schon spät!"

"Als Jenson es in Brasilien geschafft hat, hatte er mehr Zeit am Abend. Was heute Mitternacht ist vom Zeitplan her, war damals 18:00 Uhr oder so ähnlich. Wir müssen diesen Moment genießen, es ist unser Moment. Das Rennen hat bei Tageslicht begonnen und ich glaube, dass es auch erst bei Tageslicht enden wird!"

Ein Red Bull für Petrov

Frage: "Vitaly Petrov hat Fernando Alonso das ganze Rennen hindurch aufgehalten. Bist du nun sein Hauptsponsor für nächstes Jahr?"
Vettel: "Sicher geben wir ihm einen aus! Das muss ich mir erst genau anschauen, aber es war ein gutes Rennen. Einiges habe ich auf dem Weg hierher schon gehört, aber ich habe mich ehrlich gesagt auf mich selbst konzentriert. Ich habe gesehen, dass Robert lange auf P2 war. Ich dachte: 'Wow, denn Lewis weiß, wie man überholt!'"

"Aber der F-Schacht von Renault ist sehr gut und sie haben normalerweise einen sehr lang übersetzten höchsten Gang. Lewis kann euch dazu wahrscheinlich eine Geschichte erzählen. Dann sah ich auch ein rotes Auto und realisierte, dass das davor Vitaly sein musste. Danke für die Hilfe! Hoffentlich wird er nächstes Jahr noch dabei sein."

Frage: "Kimi Räikkönen ist 2007 auch vom dritten WM-Platz aus noch Weltmeister geworden. Hat das etwas mit Glück zu tun oder mit Können?"
Vettel: "Ich habe heute an Kimi gedacht. Man kann ihn mögen oder nicht, aber meine Situation war ähnlich. Mir fehlten nicht ganz so viele Punkte, aber wer Kimi kennt, der kennt seine größte Stärke, nämlich dass er sich in manchen Situationen einen - Verzeihung - feuchten Dreck um alles schert und sein eigenes Ding durchzieht. Das habe ich mir auch vorgenommen."

"Was er vor drei Jahren erreicht hat, war etwas Besonderes. Viele von uns waren damals dabei, aber niemand hätte es für möglich gehalten. Er hat uns eines Besseren belehrt, aber es waren besondere Umstände, genau wie heute. Wer hätte gedacht, dass ein Ferrari, der vom dritten Startplatz ins Rennen geht, nur Siebter wird? So läuft das manchmal. Ich bin wahnsinnig glücklich, dass ich jetzt auch meinen Namen auf dieser Liste verewigen darf."

Frage: "Es wirkte diese Saison so, als hättest du nach Spa-Francorchamps ein bisschen deine Einstellung geändert, denn von da an kamst du wieder so locker rüber wie früher. Was hat das ausgelöst?"
Vettel: "Ich habe mich gleich nach Spa bei Jenson entschuldigt, habe ihn am Abend angerufen. So sollte es sein. Wir alle respektieren einander und ich freue mich sogar sehr darüber, mit Lewis und Jenson hier zu sitzen."

Freundschaftliches Verhältnis zu Hamilton

"Als ich Lewis bei der Boxeneinfahrt überholt habe, gab er mir ein Handzeichen, das auf mich so wirkte, als würde er sich ehrlich freuen. Davor habe ich großen Respekt. Ich kenne ihn schon lange - nicht so lange wie Jenson - und wir haben in der Formel 3 viel gemeinsam erlebt. Er hat mir dort ziemlich den Hintern versohlt! Jetzt in der Formel 1 gegeneinander zu fahren, ist fantastisch. Er hat mir gratuliert. Es ist schön, wenn man jemandem in die Augen schaut und spürt, dass er es ernst meint."

"Aber um auf die Frage zurückzukommen: Ich hatte vor dieser Saison das klare Ziel, Weltmeister zu werden. Ich war sehr fokussiert, habe härter als je zuvor gearbeitet. Gegen Saisonmitte habe ich zwar nicht den Fokus verloren, aber ich war ein bisschen angespannt. Es war nicht immer einfach, aber wir haben zurückgeschlagen."

"Spa war ein Rennunfall. Ich wollte das Rennen gewinnen, aber Lewis zog vorne weg und ich war zu dem Zeitpunkt ein bisschen schneller als Jenson. Es gab ein Problem mit dem Frontflügel und es begann zu tröpfeln. Jenson verteidigte sich - ich wollte überholen. Jedenfalls habe ich die Kontrolle verloren und ihn gerammt, uns beide aus dem Rennen befördert. Das habe ich ihm dann so erklärt."

"Dann habe ich viel schlechte Presse abbekommen. Das war nicht einfach, denn über mich wurde viel schlecht geredet, aber in so einer Phase kriegst du mit, wer deine wahren Freunde sind und wer dich wirklich unterstützt. Der ganze Paddock ist eine Gruppe an Menschen und es war wichtig, meine Energie da hineinzustecken, um sie heute zurückzuholen. Irgendwann habe ich akzeptiert, dass man nicht alles beeinflussen kann, aber langfristig gibt es so etwas wie Gerechtigkeit. Die hat heute zugeschlagen, zumindest nach meiner Rechnung. Manchmal kommt es halt so, manchmal auch anders."

Frage: "Auf deiner Balaclava stand heute 'Monza'. War es die gleiche wie vor zwei Jahren bei deinem ersten Sieg? Glaubst du an solches Karma?"
Vettel: "Es war nicht die gleiche, denn die habe ich bei mir zu Hause und wurde seither nie gewaschen!"

Mit Karma zum WM-Titel

"Es war nicht ich selbst, um ehrlich zu sein, sondern mein Renningenieur hat das draufgeschrieben. Er hat mich irgendwann in diesem Jahr gefragt, ob es ein Wort gibt, das mich glücklich macht. Ein paar Tage später kam ich auf ihn zurück und sagte: 'Monza'. Dort habe ich meinen ersten Grand Prix gewonnen und nach dem Rennen sind viele erstaunliche Dinge passiert. Auf dem Podium zu stehen und die Leute von überall kommen zu sehen, war einmalig. Monza ist eines der schönsten Podien, auf dem man stehen kann - und dann wurde für das italienische Team Toro Rosso auch noch die italienische Hymne gespielt. Das sind Momente, die vergisst du nie."

"Als ich in die Box kam und 'Monza' auf meiner Balaclava sah, war ich überrascht. Zweimal wurde mir heute klar, dass ich das Rennen einfach genießen sollte: Zuerst beim Gedanken an Monza 2008 und dann auch an dieses Jahr, denn es war ein sehr schwieriges Rennen, in dem ich trotzdem Vierter geworden bin. Durch diese Balaclava hatte ich vor dem Start ein gutes Gefühl."

Frage: "Was ist das Beste, was du dieses Jahr gelernt hast?"
Vettel: "Das hängt teilweise mit den Emotionen nach Situationen wie in Ungarn oder Spa zusammen. Wenn du vorne ins Ziel kommst, geht alles ganz schnell. Da kann man Lewis fragen, der eine tolle Chance hatte und sofort einen guten Job machen konnte, als er in die Formel 1 kam."

"Das Wichtigste ist, sich selbst treu zu bleiben und nicht zu versuchen, jemand anderer zu sein. Wenn man einen Sportler fragt, was am wichtigsten ist, dann sagt er, das Gleichgewicht zu halten, Ruhe zu bewahren, was manchmal nicht leicht ist, wenn alle um einen herum Panik schieben. Das meine ich: Es gibt ein paar Menschen, für die es Sinn macht, Energie zu investieren, weil man von denen etwas zurückbekommt."

"Andere Erfahrungen mag man vielleicht weniger, aber das gehört im Leben dazu. Das gibt es ja nicht nur in der Formel 1 oder im Sport, sondern im ganz normalen Leben auch. Das ist eine meiner wichtigsten Lektionen in diesem Jahr, denn unterm Strich sind Fahrer wie Jenson, Lewis, Fernando und Mark - einige vergesse ich sicher - die besten Fahrer der Welt. Zu diesem Kreis zu gehören, ist fantastisch, ein großartiges Gefühl. Ich freue mich, dass ich das tun kann, was ich am meisten liebe. Das erinnert mich daran, wer ich wirklich bin."

Jüngster Weltmeister aller Zeiten

Frage: "Du bist jetzt der jüngste Weltmeister aller Zeiten."
Vettel: "Als Lewis Weltmeister wurde, habe ich mich gefragt, ob es jemals jemanden geben wird, der noch jünger ist als er. Man muss auch fairerweise sagen, dass er das Jahr zuvor nur um einen Punkt vorbeigeschrammt ist. Man kann über Rekorde diskutieren, aber sie sind da, um gebrochen zu werden. Es ist schön, mit Leuten wie Lewis und Michael, der fast alle anderen Rekorde hält, in einem Atemzug genannt zu werden, aber das ist jetzt nicht die Hauptsache. Zwischen mir und Lewis liegt glaube ich ein halbes Jahr, aber ich finde nicht, dass das einen Unterschied macht."

Frage: "Du hast von Höhen und Tiefen gesprochen. Hast du je daran gezweifelt, dass es dieses Jahr klappen wird?"
Vettel: "Schwierige Frage. Ich habe an mich und das Team geglaubt und von meinem Umfeld viel positive Energie erhalten. Sie haben mir auf die Schulter geklopft und da wurde mir bewusst, dass sie hinter mir stehen. Das macht es ein bisschen leichter."

"Wenn so etwas passiert wie in Südkorea, dann weißt du, dass nicht mehr viele Rennen zu fahren sind und dass man es nicht mehr ändern kann, was schon passiert ist, aber du kannst noch ändern, was noch vor dir liegt. Wir hatten eine gute Position und dann war plötzlich der Motor weg. Das ist natürlich enttäuschend, aber gleich danach war ich wieder guter Dinge, was wichtig war."

"Es war noch nicht unmöglich, aber vor Brasilien schien die Ausgangslage schon sehr schwierig zu sein. Andererseits war damit der Druck weg und ich konnte einfach fahren wie sonst auch. Lewis hatte ein sehr starkes Wochenende und war heute in der gleichen Situation. Manchmal ist es wichtig, kühlen Kopf zu bewahren und zu wissen, was man zu tun hat. Das ist uns heute mit ein bisschen Glück gelungen, weil andere nicht so weit vorne ins Ziel gekommen sind, wie man es eigentlich erwarten musste."

Frage: "Du hast bewirkt, dass sehr viele junge Menschen Formel 1 schauen und sich so eine Karriere wünschen. Möchtest du diesen Menschen irgendeine Botschaft übermitteln, dass sie an sich glauben und ihre Ziele verfolgen sollen? Und zweitens, hat Red Bull dieses Jahr wirklich Flügel verliehen?"
Vettel: "Ich beantworte zuerst die zweite Frage: Ja, das Auto war phänomenal, ein Meisterstück."

Erinnerungen an Pechmomente

"Ich denke, es gibt Bereiche, an denen wir arbeiten müssen, denn im Nachhinein betrachtet hätten wir in einigen Rennen besser abschneiden können. Andererseits war der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg manchmal sehr schmal. Zum Beispiel kam mir Lewis in der ersten Kurve in Silverstone zu nahe und er berührte meinen Hinterreifen, was zu einem Reifenschaden führte. Das war keine böse Absicht von ihm, aber solche Dinge passieren - und dann bist du nicht Erster oder Zweiter, sondern viel weiter hinten."

"Es ist schon etwas Besonderes, wenn man ein Auto unter seinem Hintern weiß, mit dem man um Siege und Pole-Positions kämpfen kann. Ja, Red Bull hat mir Flügel verliehen. Heute Nacht wird es mir auch Flügel verleihen, schätze ich!"

"Und zur ersten Frage: Man kann darauf sehr ausführlich antworten, aber ich möchte mich jetzt langsam kurz halten. Wenn ich an die Zeit in der Formel 3 und im Kart zurückdenke, an die Anfänge, dann war das Wichtigste, immer Spaß daran zu haben. Ob es nun Motorsport ist oder Fußball, aber wenn jemand etwas findet, was ihm Spaß macht, dann sollte er dranbleiben. Das Niveau in der Formel 1 ist so hoch, dass das letzte Bisschen, das den Unterschied macht, vielleicht aus dem Herzen kommt."

Frage: "Wenn du in São Paulo Mark Webber vorbeigelassen hättest, wie es von vielen gefordert wurde, dann wärst du heute nicht Weltmeister geworden..."
Vettel: "Ja, also haben wir es richtig gemacht. Im Nachhinein sagt sich das immer leicht. Ferrari hat für Deutschland viel Kritik abbekommen. Manchmal ist es eng, du brauchst jeden einzelnen Punkt."

"Vor Brasilien sah es schlechter als zu Beginn dieses Rennens - und jetzt sieht es fantastisch aus. Das ist ein typisches Beispiel dafür, dass man es im Vorhinein einfach nicht sagen kann, genau wie 2007. Irgendwie ist es gut, dass man nicht alles selbst in der Hand hat. Manche nennen das Schicksal, andere suchen nach Erklärungen dafür, aber es passiert manchmal so."

Fotoquelle: xpb.cc

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