Dietrich Mateschitz hielt schon immer große Stücke auf Sebastian Vettel

Formel 1 2010

— 15.11.2010

Großer Sportsmann Mateschitz: "So sind wir"

"Oberbulle" Dietrich Mateschitz stellt sich der Kamera: Warum er "nicht aus der Haut" kann und in der Stunde des Triumphs auch an Mark Webber denkt

Die Formel 1 ist manchmal schwer zu verstehen. Erst wurde Ferrari für die Stallorder in Hockenheim medial geprügelt, dann wurde Dietrich Mateschitz als naiv verhöhnt, weil er sich eben nicht auf solche Spielchen einlassen wollte und stattdessen frei fahren ließ. Gestern erntete er für diese sportliche Einstellung den Lohn, indem Sebastian Vettel in Abu Dhabi nach der Konstrukteurs- auch noch die Fahrer-WM gewann.

Mateschitz, ein hochintelligenter Geschäftsmann, der als Zahnpastavertreter begonnen und sich ein Milliardenimperium aufgebaut hat, rang plötzlich mit den Emotionen: "Tanja, komm in fünf Minuten wieder", vertröstete er die Reporterkollegin von 'Sky', die versuchte, ihn live vor die Kamera zu bekommen. Was man wissen muss: Der Österreicher gilt als extrem medienscheu, gibt - wenn überhaupt - nur Zeitungsinterviews.

Sensation: Mateschitz gibt Interviews

Aber gestern ließ auch er sich von der Euphorie um "Super-Seb" anstecken: "Wir machen die Ausnahme von der rühmlichen Regel. Das ist eine Situation, wo man Ausnahmen machen kann", lächelte er ins 'ORF'-Mikrofon. Heute fliegt er mit dem gesamten Team nach Salzburg, wo die WM-Party weitergeht. Der Hangar-7, ein weiteres Herzensprojekt, das Mateschitz verwirklich hat, wird aus allen Nähten platzen: "Es wird ein fürchterliches Chaos werden, aber lustig."

In solchen Momenten kann es dann auch mal passieren, dass im Kopf ein Film abläuft, wie alles angefangen hat. Mit dem ersten Sponsoring des jungen Rennfahrers Gerhard Berger, später dann als Teilhaber eines Teams: "Das ist immerhin 16 Jahre her, dass wir uns für die Formel 1 entschieden haben. Wir waren ja zehn Jahre lang schon Gesellschafter beim Sauber-Team. Aber das ist schon schnell gegangen", reflektiert der 66-Jährige.

"Natürlich haben wir bis zum Schluss darauf gehofft und theoretisch war es auch noch möglich, aber Wetten konnte man keine mehr drauf setzen. Dass es dann trotz unserer von vielen nicht verstandenen Philosophie doch noch geht, ist ganz einfach fantastisch. Jetzt ist es so weit. Wir nehmen es so an, wie es gekommen ist", gibt sich Mateschitz bescheiden - und denkt in der Stunde seines größten sportlichen Triumphs auch an eine tragische Figur...

"Mark", spricht er Webber Mut zu, "tut mir leid, denn er hat das ganze Jahr über eine fantastische Performance gebracht. Jetzt geht es ihm wahrscheinlich nicht so gut, aber nächstes Jahr ist ein neues Jahr und dann kann er wieder von vorne angreifen. Er wird es Sebastian sicherlich nicht leicht machen. Jetzt konzentriert sich natürlich alles auf den Weltmeister. Das ist normal im Sport. Der Zweite ist der erste Verlierer. Nächstes Jahr ist es vielleicht wieder andersrum."

Zunächst mal freut sich Mateschitz aber mit Vettel, der die vielleicht wichtigste Entdeckung ist, die Red Bull im Sport je gemacht hat. Das Team würdigte dies, als nach dem Sieg in Abu Dhabi nicht Mateschitz selbst oder Teamchef Christian Horner mit dem neuen Champion auf das Podium durften, sondern Helmut Marko. Der Motorsportkonsulent hatte Vettel als Chef des Red-Bull-Juniorteams jahrelang gefördert und auch intern unterstützt.

Lobeshymne auf Vettel

"Sebastian", philosophiert Mateschitz, "ist immerhin der jüngste Weltmeister aller Zeiten. Ich glaube, das wird er auch ziemlich lange bleiben. Also freuen wir uns mit ihm mit. Er ist eine Ausnahmepersönlichkeit. Wir wissen das schon lange und jetzt hat er es auch bewiesen. Das ist ziemlich einzigartig. Er wird ein paar Mal Champion werden. Der Weg zum Weltmeistertitel führt sicherlich in den nächsten Jahren über Sebastian - vorausgesetzt, er sitzt im richtigen Auto."

"Wir werden uns bemühen, ihm dieses Auto zu geben. Wenn wir dazu nicht imstande sind, dann muss man ihm auch verzeihen, dort hinzugehen, wo er wieder Weltmeister werden kann", zeigt der "Oberbulle" Größe. Vettels Vertrag bei Red Bull läuft Ende 2011 aus. Im Sommer wurde getuschelt, dass Red Bull ihn am liebsten bis Ende 2015 binden würde, doch dafür wird Mateschitz nun mit dem Zusatz "Weltmeister" auf der Visitenkarte tief in die Tasche greifen müssen.

Am Nein zur Stallorder hätte er übrigens weiter festgehalten, auch wenn es notwendig geworden wäre: "Man kann ja nicht aus seiner Haut heraus", sagt Mateschitz. "So sind wir halt, so werden wir immer bleiben. Ob das jetzt opportun ist oder nicht - Gott sei Dank ist es uns nicht auf den Kopf gefallen, sondern es wurde uns auch noch mit diesem Resultat bestätigt. Das ist auch nicht normal. Das passiert, aber es muss nicht passieren, darum freut uns das Ganze doppelt und dreifach."

"Es ist ganz einfach eine Situation, in der so viele Dinge zusammengekommen sind. Jedenfalls ist es gut für den Sport, gut für unsere Philosophie und es hat ein Formel-1-Jahr gebracht, das an Spannung, Höhen und Tiefen und Diskussionen wahrscheinlich nicht so bald zu überbieten sein wird. Dazu haben wir ein bisschen was beigetragen und das ist gut so. So soll es bleiben", lässt er seinen Emotionen im 'ORF' freien Lauf.

Fotoquelle: xpb.cc

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