Kein Grund zur Sorge: Kamui Kobayashi war eine der Entdeckungen der Saison

Formel 1 2010

— 22.11.2010

Sauber und Kobayashi: Richtiges Bauchgefühl

Monisha Kaltenborn und James Key sind froh, dass sich das Risiko Kamui Kobayashi für Sauber gelohnt hat - Keine Bedenken wegen zweier junger Fahrer

Eher zufällig erhielt Kamui Kobayashi im Vorjahr seine Chance, sich in der Formel 1 zu beweisen, weil sich Toyota-Stammfahrer Timo Glock im Qualifying in Suzuka verletzte. Der Japaner nutzte die Gunst der Stunde, ärgerte in São Paulo rundenlang den werdenden Weltmeister Jenson Button und zeigte auch in Abu Dhabi eine tadellose Leistung.

Zwar stieg Toyota anschließend aus der Formel 1 aus, aber Kobayashi kam bei Sauber unter, wo Peter Sauber nach dem Ausstieg von BMW verzweifelt und vor allem mutig genug war, um auf ein unbeschriebenes Blatt zu setzen: "Es war eine der Entscheidungen, für die Peter Sauber bekannt ist: ein Risiko einzugehen und einen jungen Fahrer zu nehmen, der vielleicht nicht die Erfahrung hat - er hatte kaum Formel-1-Erfahrung", erklärt Geschäftsführerin Monisha Kaltenborn.

Risiko für beide Seiten

"Natürlich hatten wir keine Garantien, aber wir hatten das Bauchgefühl, dass wir ihn nehmen und ihm diese Chance geben sollten", sagt sie. "Ich denke, es war nicht nur für uns, sondern auch für ihn ein Risiko, denn zu dem Zeitpunkt wussten wir nicht, wie es mit dem Team weitergehen würde. Aber Kamui hat sich sehr gut eingelebt, in Umständen, die er nicht gewöhnt war. Toyota war ein etabliertes Team. Hier wurde alles in letzter Minute auf die Beine gestellt, aber er ging gut damit um."

Kobayashi kam im Laufe der Saison immer besser zurecht, sodass sich seine Bilanz sehen lassen kann: 7:7 gewonnene Qualifyings gegen Pedro de la Rosa, 4:1 gegen Nick Heidfeld - und auch nach Punkten behielt er gegen beide die Oberhand (21:6 gegen de la Rosa, 11:6 gegen Heidfeld). Nun mutet man ihm in Hinwil sogar schon zu, 2011 Teamleader zu sein, denn mit Sergio Pérez kommt ein weiterer Rookie als zweiter Fahrer an Bord.

Kaltenborn traut ihm diese Führungsrolle zu: "Obwohl er ein Rookie mit sehr wenig Erfahrung war, hat er bewiesen, dass er auf sehr hohem Niveau fahren kann. Er ist nach Punkten der beste Rookie 2010. Das ist eine beeindruckende Entwicklung. Auch während der Saison hat er sich weiterentwickelt. Er hört viel zu, seine Kommunikation ist präziser geworden und er hat seine Fähigkeiten geschärft, aber auch die des Teams", lobt die Österreicherin.

Der entscheidende Moment für Kobayashis Verpflichtung sei gewesen, "als er die Rennen für Toyota gefahren ist, denn das war schlichtweg sehr beeindruckend. Wie er sich in dieses Auto gesetzt und sofort diese Performance gezeigt hat, das hat Peter überzeugt", fährt sie fort. Und auch der Technische Direktor James Key, der im April neu nach Hinwil gekommen ist, schätzt den 24-Jährigen "sehr hoch" ein.

"Er hatte eine wirklich exzellente Saison, wenn man bedenkt, dass es seine erste Saison war. Er ist zwar 2009 schon für Toyota gefahren, aber nur ein paar Rennen", so Key. "Vor allem haben wir erlebt, wie er sich während der Saison weiterentwickelt und Erfahrungen gesammelt hat. Er hat manchmal Erfahrungen gemacht, die er dann am nächsten Rennwochenende schon umsetzen konnte. Er hat bewiesen, dass er für seine beschränkte Erfahrung schon sehr erfahren ist."

Bestes Rennen: Suzuka oder Istanbul?

"Suzuka war sein bestes Rennen", erinnert er sich an Kobayashis Heimspiel, wo der Lokalmatador vor der Haarnadelkurve einen Konkurrenten nach dem anderen ausbremste und so für jede Menge Unterhaltung sorgte. "Es ist eine fantastische Strecke, aber überholen kann man nicht besonders gut. Eine Stelle zu finden, wo er nicht auf den Topspeed angewiesen war, um jemanden zu überholen, war eine extrem gute Leistung." Kobayashi selbst nennt übrigens Istanbul als bestes Rennen.

Key hofft, dass Saubers Mut zum Risiko belohnt wird und die Rechnung 2011 auch mit dem jungen Mexikaner Pérez aufgeht: "Das Team ist gut darin, mit jungen Fahrern zu arbeiten. Wir sind kein schwieriges Umfeld für einen jungen Fahrer", blickt er optimistisch in die Zukunft. "Wir sind zuversichtlich, dass uns Kamui nach einem Jahr jetzt alles sagen kann, was wir wissen müssen. Bei Sergio sind es die normalen Vorgänge, um ihn auf Speed zu bringen."

"Er war zum Beispiel in Abu Dhabi schon in unseren Meetings und über den Winter kann er noch Prozeduren lernen oder auch Dinge wie die Knöpfe am Lenkrad und so weiter", berichtet er. "Das Ziel ist, dass er im Februar schon so gut vorbereitet wie möglich ist, damit er sich voll auf das Fahren konzentrieren kann. 15 Testtage sind für zwei so junge Fahrer nicht viel, aber es muss reichen, um speziell Sergio vorzubereiten."

Abschließende Frage: Hat die positive Erfahrung mit dem Rookie Kobayashi die Entscheidung für den Rookie Pérez erleichtert? "Man kann nicht sagen, dass es wieder genauso gut laufen muss, weil es mit einem Rookie so gut geklappt hat. Man hat diese Garantie nicht", entgegnet Key. "Aber wir haben ihn in der GP2 gesehen und Sergio hat Talent. Wir glauben, dass wir ihm die richtige Plattform für den Einstieg in die Formel 1 bieten können."

Fotoquelle: Sauber

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