Christian Horner und Adrian Newey haben Red Bull zum Erfolg geführt

Formel 1 2010

— 24.11.2010

Red Bull: Eintagsfliege oder neue Ära?

Red Bull hat sich 2010 als Topteam etabliert und sogar beide WM-Titel geholt, aber viele fragen sich: War das nur der Anfang oder schon wieder das Ende?

Schon im Vorjahr war Red Bull erstmals zum Kreis der Topteams gestoßen, doch dieses Jahr etablierte sich die Energydrink-Truppe von Dietrich Mateschitz mit dem schnellsten Auto an der Spitze der Formel 1 und gewann sogar beide WM-Titel. Nun stellen sich viele die Frage: Bleibt 2010 eine Eintagsfliege oder waren es nur die ersten beiden Weltmeisterschaften von vielen?

Marc Surer traut Red Bull mit dem erst 23-jährigen Fahrerchampion Sebastian Vettel zu, dass 2010 der Anfang einer neuen Ära sein könnte: "Das kann ich mir durchaus vorstellen", erklärt der 'Motorsport-Total.com'-Experte, der Stardesigner Adrian Newey als Erfolgsgeheimnis einschätzt: "Man muss sich nur den Werdegang von Newey anschauen. Er war damals bei Williams zuständig für das Auto, das Michael Schumacher geschlagen hat, später dann auch bei McLaren."

Newey selbst ist stolz darauf, nun auch mit einem dritten Team Weltmeister geworden zu sein: "Unsere Ressourcen waren nicht so groß wie die unserer Gegner und sind es immer noch nicht ganz, aber wir waren cleverer als sie und entwickelten ein sehr gutes Paket, das wir vernünftig weiterentwickelt haben. Dadurch haben wir jetzt einen Schwung drin", sagt der Brite und schränkt ein: "Wir wissen aber, dass sich die Dinge in der Formel 1 sehr schnell ändern können."

Kleinstes der drei Topteams

Red Bull beschäftigt in Milton Keynes 550 Mitarbeiter, also deutlich weniger als Ferrari (900) und McLaren (850). Allerdings müssen die Mitarbeiterzahlen wegen der Sparvereinbarung (Resource-Restriction-Agreement oder kurz RRA) ohnehin reduziert werden. Auch in Sachen Budget fährt die "Operation Mateschitz" billiger als der Branchenkrösus: Werden etwa in Maranello geschätzte 250 Millionen Euro jährlich ins Ferrari-Team investiert, so sollen es in Milton Keynes nur deren 150 sein.

Umso höher ist der WM-Triumph einzuschätzen: "Dieses Jahr war für ein unabhängiges Team wie Red Bull mit einem Kundenmotor von Renault sensationell", strahlt Teamchef Christian Horner. "Wir haben es nicht nur mit Ferrari, sondern auch mit Mercedes aufgenommen, die das amtierende Weltmeisterteam übernommen hatten. Das war eine phänomenale Teamleistung von uns und spricht für die harte Arbeit und die Leidenschaft, die jedes einzelne Teammitglied eingebracht hat."

Von einer Red-Bull-Ära will er nichts wissen, denn "natürlich gibt es unter unseren Rivalen einige legendäre Teams - Ferrari ist seit Beginn in der Weltmeisterschaft vor 60 Jahren dabei, McLaren hat viele Weltmeisterschaften gewonnen", weiß Horner. Aber: "Mit den Leuten, die wir haben, mit diesen Fahrern sehe ich keinen Grund, für die Zukunft nicht optimistisch zu sein", so der jüngste Teamchef der Formel 1 im Rahmen einer Pressekonferenz am Hangar-7.

"Wir unterschätzen unsere Gegner aber nicht, denn das sind großartige Teams mit großen Ressourcen. Es hat ihnen wehgetan, nicht Weltmeister geworden zu sein, und wenn sie überhaupt noch zusätzlich motiviert werden mussten, dann haben wir das dieses Jahr getan", sagt Horner und ergänzt: "Wir sind ein junges Team und wir sind zuversichtlich, dass wir auf diesen Erfolg aufbauen können. Wir werden jetzt einmal genießen, aber dann unseren Fokus sehr früh auf 2011 richten."

Verkraftet Red Bull einen dritten WM-Kampf?

Denn das Team steckte bis zum Schluss im WM-Kampf und konnte im Gegensatz zu einigen Konkurrenten nicht schon früh die Ressourcen auf die Saison 2011 umschwenken, wie das etwa bei Mercedes oder Renault der Fall war. Ferrari und McLaren sind daran gewöhnt, von einem WM-Kampf in den nächsten zu stürzen, aber Red Bull hat diese Situation erst einmal durchgemacht. Andererseits konnte die Truppe von 2009 auf 2010 sogar noch einmal zulegen.

Dass vor knapp zwei Jahren die Weichen richtig gestellt wurden, war nämlich auch durch äußere Umstände bedingt: "Was uns Anfang 2009 sicher geholfen hat, waren die großen Regeländerungen", gesteht Newey ein, der damals nur den Doppeldiffusor "verschlafen" hat und diesen nachrüsten musste. "Von den frühen 1990er-Jahren bis 2008 hatten wir ein sehr stabiles Reglement. Da wiederholt sich dann vieles und es geht fast ausschließlich um die Ressourcen."

"Die 'eingefrorenen' Motoren", fährt er fort, "sind für uns eine große Herausforderung. Wir wissen, dass zwei andere Motoren besser sind, daher hoffen wir, dass wir das ändern können, denn solange die Regeln so bleiben, können wir da nichts machen. Der Motor ist heutzutage ein sehr großer Bestandteil des Pakets. Man braucht die richtigen Fahrer, das richtige Chassis und den richtigen Motor. Diese Kombination macht es aus."

Und weiter: "Wir machen unseren Job. Etwas anderes bleibt uns sowieso nicht übrig", meint Newey. Große Hoffnungen setzt Red Bull in das RRA, durch das die größten Teams Personal und finanzielle Ressourcen einsparen müssen - Red Bull trifft diese Sparvereinbarung nämlich weniger hart als etwa Ferrari oder McLaren. Daher glaubt nicht nur Experte Surer, dass 2010 nur der Anfang von vielen sehr konkurrenzfähigen Red-Bull-Jahren in der Formel 1 gewesen sein könnte...

Fotoquelle: xpb.cc

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