Rosberg war dabei, als für Vettel im Formelsport alles begann

Formel 1 2010

— 02.12.2010

Vettels erster Formel-Test: "Der Hintern war zu klein"

Nico Rosberg war Zeuge, als Karttalent Vettel mit 13 zum ersten Mal ein Formelauto testete - Erinnerungen an einen sporthistorischen Moment

Nico Rosberg war an Sebastian Vettels WM-Titel nicht ganz unbeteiligt. Der Deutsche duellierte sich in der ersten Runde mit seinem Teamkollegen Michael Schumacher, der sich daraufhin drehte und somit fr eine Safety-Car-Phase sorgte. Dadurch absolvierten einige Piloten, darunter auch Rosberg, sofort ihren einzigen Boxenstopp und zwngten sich so zwischen Vettel und seine Titelrivalen Fernando Alonso und Mark Webber.

Als Knigsmacher sieht sich der Wiesbadener mit finnischen Wurzeln aber nicht. "Ist ja auch total egal, denn Sebastian hat den Titel sowieso verdient", sagt er gegenber 'Sport Bild'. "Wenn er whrend der Saison ein bisschen weniger Pech gehabt htte, htte er meine Hilfe nie gebraucht." Dass Vettel einmal zu den Besten zhlen wrde, ahnte Rosberg schon frh in seiner Karriere.

Es war der 13. Juni 2001. Schauplatz: der hgelige A1-Ring in sterreich. Rosberg war damals 15 Jahre alt und ein aufstrebendes Formeltalent. "Erstmals habe ich Sebastian bei einem Test in Zeltweg gesehen", erinnert er sich. "Da war ich gerade auf dem Weg zu meiner Formel BMW Meisterschaft und er durfte als Kartpilot das erste Mal ein Formelauto fahren. Damals war er schon recht schnell unterwegs."

Vettel zu klein fr den Sitz

Vettel war schon 2001 Teil von Helmut Markos Red-Bull-Juniorprogramm. Motorsport-Manager Thomas berall hatte das enorme Talent des 13-Jhrigen erkannt und war neugierig, wie sich der Kartpilot in einem Formelauto schlagen wrde. Die Idee: Vettel sollte den 120 PS starken Formel-Knig-Boliden des amtierenden Meisters Bernhard Auinger unter Aufsicht von dessen Vater, Motorrad-Legende Gustl Auinger, ausprobieren. Der Junge aus Heppenheim kannte die beiden, weil auch Auinger von Red Bull untersttzt wurde und Vettel bei einigen Rennen des sterreichers als Zuschauer in der Box war - dabei hatte der spter Formel-1-Champion den Boliden sogar geputzt.

Bernhard Auinger erinnert sich in der sterreichischen 'SportWoche' an den durchwachsenen Start am A1-Ring: "Es war schwierig: Der Sitz war doppelt so gro wie sein Hintern." Gustl Auinger hoffte, dass die Sicherheitsinspektoren keinen Wind davon bekommen wrden. Doch Vettel, der im Auto mit Vater Norbert und Schwester Stefanie angereist war, lie sich nicht aus der Ruhe bringen.

Er hatte schon damals die Gabe, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Gustl Auinger erinnert sich: "Mir fiel seine Wissbegierde auf, dieses Vertrauen in uns. Er wollte alles ganz genau wissen, sog alle Informationen auf. Es schien, als ob er das Ziel von der ganz groen Karriere ganz klar vor sich hatte - mit aller Konsequenz. Und das im Krper eines Kindes."

Selbe Tugenden wie heute

Vettels Strategie machte sich bezahlt: Langsam tastete er sich ans Limit heran, whrend andere Piloten aus bereifer von der Strecke flogen. "Interessant war, wie er sich Runde fr Runde ohne jede Hektik steigerte", blickt der inzwischen 28-jhrige Bernhard Auinger, der selbst einige Formel-3000-Rennen bestritt, zurck. "Ich habe mir damals oft gedacht, 'der versumt seine Kindheit'. Doch heute wei ich: Er hatte recht."

Auch Vettel erinnert sich freilich an seine ersten zwei Formel-Testtage in der Steiermark - und bedankt sich: "Die Auingers gaben mir alle Zeit der Welt, damit ich mich Schritt fr Schritt an das neue Fahrgefhl gewhnen konnte. Gustl und Bernhard investierten viel Mhe, um mir alles genau zu erklren", sagt er gegenber der 'SportWoche'.

Auch Rosberg hat es damals irgendwie gesprt, dass er Zeuge eines sporthistorischen Moments war. Heute ist das begabte Kind von damals Formel-1-Weltmeister, whrend der Weltmeistersohn zwar eine groartige Saison hinter sich hat, seinem ersten Sieg aber weiterhin nachjagt. Kommt da etwas Neid auf? "Neidisch bin ich nicht", winkt Schumachers Mercedes-Teamkollege gegenber 'Sport Bild' ab. "Aber ich erhoffe mir nur selbst auch ein Topauto. Ich bin berzeugt, dass ich von Mercedes ein gutes Auto kriegen werde. Sebastian sa schneller in einem siegfhigen Auto."

Fotoquelle: xpb.cc

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