Max Mosley macht sich weiterhin Sorgen über die hohen Budgets in der Formel 1

Formel 1 2010

— 03.12.2010

Mosley: "Der Formel 1 droht kurzfristig eine Krise"

Der ehemalige FIA-Präsident Max Mosley macht sich über die hohen Budgets weiter Sorgen - Außerdem sind für den Briten 20 Rennen pro Jahr zu viel

In seiner Zeit als FIA-Präsident hat Max Mosley der Formel 1 seinen Stempel aufgedrückt und sie mit zu dem gemacht, wie sie heute aussieht. In seiner letzten Zeit als Oberhaupt hat der nicht unumstrittene Brite einige Änderungen durchgedrückt. Lange wurde über Budgetbegrenzungen diskutiert und eine Piratenserie lag im vergangenen Jahr in der Luft. Honda, Toyota und BMW verließen die Formel 1, und mit Virgin, Lotus und HRT sind drei neue Teams gekommen. Obwohl 2010 sportlich gesehen eines der unterhaltsamsten Jahre der Formel 1 war, malt Mosley ein dunkles Bild von der Zukunft.

"Der Formel 1 droht kurzfristig eine Krise. Im Moment wird eine tolle Saison gefeiert, aber die Zukunft sieht düster aus. Wer 2011 mitfahren will, benötigt 100 Millionen Dollar. 30, 40 Millionen kommen als Startgeld von Bernie Ecclestone und vielleicht 20, 25 Millionen von einem Sponsor oder Bezahlfahrer. Woher den Rest nehmen, fragen sich da sechs Teams", wird Mosley von der 'Welt online' zitiert. "Und bei McLaren wird auch genauer gerechnet. Die FIA kann für 2011 keine Vorgaben mehr machen. Gut möglich, dass zwei, drei Teams aussteigen."

Praktisch die Hälfte der engagierten Rennställe ist auf Sponsorensuche. Das ist ein Mitgrund, warum Bezahlfahrer derzeit in Mode sind. Anders dagegen Red Bull, wo in erster Linie Besitzer Dietrich Mateschitz das Projekt finanziert. Mosley zählt Red Bull nicht primär zu den privaten Mannschaften. "Privatteams wie Williams oder Sauber müssen sich für die Formel 1 Geldgeber auf dem freien Markt suchen und sind abhängig von diesen."

"Bei Werksteams wie Mercedes oder Ferrari kommt ein Großteil des Budgets aus der eigenen Firma. So ist das auch bei Red Bull. Das Team finanziert sich komplett aus dem eigenen Unternehmen, fast noch besser als bei den Herstellern. Das erleichtert die technische, logistische und personelle Planung", so Mosley.

Während Red Bull an der Spitze der Maßstab war, tummelten sich die drei neuen Teams am Ende des Feldes. Trotzdem waren Verbesserungen deutlich zu sehen. Auf der einen Seite sind die Autos zuverlässiger geworden, auf der anderen auch schneller. So hatte Timo Glock beim Saisonauftakt in Bahrain in Q1 5,1 Sekunden Rückstand auf die Spitze. Beim Saisonfinale in Abu Dhabi hatte Jarno Trulli als bester Pilot der Neueinsteiger 3,3 Sekunden Rückstand. Da auch die Spitzenteams mit Volldampf entwickelt haben, ist den neuen Teams ein größerer Sprung gelungen.

Für Mosley haben diese drei Teams gut gearbeitet, aber man müsse ihnen noch etwas mehr Zeit geben. "Lotus und Virgin haben in ihrer ersten Saison trotz kleinerer Budgets ihren anfangs erheblichen Zeitabstand gut aufgeholt. Besonders bei Virgin ist die Entwicklung geradezu revolutionär."

"Das Auto wurde komplett ohne Windkanal gebaut und man hat trotzdem Zeit auf die Topteams gut gemacht. So komisch das klingt, bei Virgin geht es in die richtige Richtung. Während man bei McLaren vorsorglich den Energieversorger anrufen muss, wenn man den Windkanal anwirft, weil er so viel wie eine Kleinstadt verbraucht, hat man bei Virgin ein Auto nur mit Computersimulationen entwickelt und fährt nur zwei, drei Sekunden pro Runde langsamer."

"Hat die Rundenzeit Einfluss auf den Unterhaltungswert bei den Zuschauern?", fragt sich Mosley. "Keiner wird behaupten, dass dieser abstrakte Wert den zweistelligen Millionenaufwand für Windkanäle rechtfertigt? Am Beispiel Virgin sehen wir, wie man zeitgemäß in der Formel 1 arbeiten könnte. Der Vorsprung der Topteams resultiert derzeit aus deren finanziellen Möglichkeiten, nicht durch technische Kompetenz. Genau das sollte geändert werden, um die Zukunft abzusichern."

Der Brite hat auch einen Vorschlag parat, der an seine geplante Budgetdeckelung, die schließlich abgelehnt wurde, erinnert. "Kurzfristig eine Budgetgrenze für 2012 und 2013, die inhaltlich über 2013 weiterlaufen müsste. Für 2011 würde das zwar keine Entlastung bedeuten, aber sie könnte einen Brückeneffekt bedeuten. Man hätte einen plausiblen Grund, sich übers Jahr zu retten, um dann mit einem verbindlichen Finanz- und Techniksystem in eine abgesicherte Zukunft zu fahren."

Das liegt aber nicht mehr in seiner Hand. Jean Todt hat das Ruder bei der FIA übernommen. Ein reger Gedankenaustausch zwischen dem neuen und dem alten Präsidenten besteht aber nicht. "Wir reden ab und zu. Jean ist das Problem klar und wird eine Lösung finden. Ich weiß nicht, ob es eine Lösung ist, wie ich sie bevorzugen würde, aber in jedem Fall eine, die seine Handschrift trägt."

In der kommenden Saison werden erstmals 20 Rennen gefahren, darunter auch die Premiere in Indien. "Für mich persönlich ist das zu viel", sagt Mosley klar. "Meiner Meinung nach wird es zu viele Sonntage geben, an denen die Leute ihren Sonntagnachmittag nach der Formel 1 ausrichten müssen. Irgendwann wird das lästig. Wenn man einmal angefangen hat ein Rennen auszulassen, kann das schnell zur Gewohnheit werden und, was die TV-Einschaltquoten betrifft, zum Schneeballeffekt führen."

Fotoquelle: xpb.cc

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