Gerhard Berger weiß, wie man Adrian Newey einbremsen könnte

Formel 1 2010

— 08.12.2010

Berger: Wie man die Red-Bull-Ära verhindern könnte

Gerhard Berger wundert sich, warum die Konkurrenz zusieht, wie Newey eine Red-Bull-Ära einläutet und verrät seine Strategie gegen die "Bullen"

Nach dem Vorjahr durfte die Konkurrenz von Red Bull noch hoffen: Vielleicht war ja der sensationelle Aufstieg von Red Bull nur durch die Reglementrevolution zu erklären. Und womöglich bindet der lange Titelkampf die Ressourcen des Teams, sodass man mit Rückstand in die Saison 2010 geht. Doch die österreichische Truppe mit Sitz in Milton Keynes strafte die Konkurrenz beinhart Lügen. Dieses Jahr war man bei weitem stärker als im Vorjahr - auch die Zuverlässigkeit war gut genug, um beide Titel einzufahren.

Dadurch ist auch nicht davon auszugehen, dass Stardesigner Adrian Newey für die Saison der Titelverteidigung daneben greift - zumal die Basis des RB6 exzellent ist und die Reglementänderungen von nicht allzu großer Natur sind. Droht nun eine Red-Bull-Ära in der Formel 1? Der ehemalige Rennfahrer und Teambesitzer Gerhard Berger bejaht diese Frage. Der Grund ist für ihn klar, wie er gegenüber 'auto motor und sport' bestätigt: "Die sind über Jahre nicht zu schlagen, solange sie Newey haben."

Und der macht derzeit keine Anstalten, Red Bull in absehbarer Zeit zu verlassen. "Er hat schon mehrfach verlauten lassen, dass Red Bull sein letzter Arbeitsplatz in der Formel 1 sein wird", hatte Red-Bull-Motorsportkonsulent diese Saison verraten. "Also kann man davon ausgehen, dass er noch länger bei uns bleibt." Zudem genießt er in Milton Keynes viele Freiheiten, die er bei anderen Rennställen wie seinem Ex-Team McLaren nicht hatte.

Bergers Rat an Red Bulls Rivalen

Ist die Situation für die Konkurrenz daher aussichtslos? Berger ist anderer Meinung und übt Kritik an den anderen Topteams: "Ferrari, Mercedes und McLaren hätten längst merken müssen, dass sie keinen Newey haben und ihn auch von Red Bull nicht weglocken können. Was mache ich in so einer Situation? Ich versuche Newey das Werkzeug wegzunehmen. Das ist die Aerodynamik."

Doch wie ist das möglich? Berger versetzt sich in die Lage eines Red-Bull-Rivalen und verrät seine Strategie: "Wenn ich Konkurrent von Red Bull wäre, würde ich politisch alles tun, um die Bedeutung der Aerodynamik zu reduzieren. Das geht doch heute ganz einfach mit dem Kostenargument. Einfach sagen, dass die ganze Windkanal-Testerei viel zu teuer ist, dass man da locker Geld einsparen könnte. Bei einem Reglement, bei dem die Aerodynamik nicht mehr die Hauptlast an der Rundenzeit trägt, ist auch Newey nicht mehr soviel wert."

Auch ein anderes Argument würde für die Beschneidung der Aerodynamik sprechen: Da die Formel-1-Boliden inzwischen so ausgeklügelt sind, sind Überholmanöver nur noch erschwert möglich. Eine Reduzierung der Aerodynamik könnte also auch mehr Spannung in die Rennen bringen. Überraschend ist, dass selbst das Ferrari-Team, das zu Michael Schumachers oft durch politisches Geschick auffiel, nicht auf diese Idee kam.

Kritik an Ferrari

An den Roten aus Maranello, für die einst auch Berger fuhr, übt der Tiroler weitere Kritik. Dass man beim Titelfinale in Abu Dhabi mit Fernando Alonso in die Falle tappte und zu früh stoppte, sieht Berger seinem Ex-Team noch nach, doch dass der Spanier schließlich nicht an Renault-Pilot Vitaly Petrov vorbei kam, findet er unakzeptabel.

"Es darf Ferrari nicht passieren, dass Renault die F-Schacht-Technik besser beherrscht als man selbst und dass Petrov dem Alonso auf der Geraden die Show stiehlt", findet Berger. "Man kann keinem den Vorwurf machen, dass er den Red Bull nicht perfekt kopiert hat. Da geht es ums Gesamtpaket. Die Feinheiten hat Adrian Newey im Windkanal ausgearbeitet. Da muss alles zusammenpassen, das lässt sich nicht so einfach nachbauen. Aber beim F-Schacht wusste jeder, um was es geht. Und in diesem Punkt hat Ferrari einfach nicht den perfekten Job gemacht."

Mit dem Ausgang der Weltmeisterschaft kann Berger verständlicherweise gut leben, schließlich war er es, der 2008 mit Weltmeister Sebastian Vettel als Toro-Rosso-Mitbesitzer den ersten Triumph in der Formel 1 feierte. "Sebastian hat es verdient", meint Berger. "Er hat im Schnitt von allen Fahrern über die Saison die beste Leistung gebracht."

Fotoquelle: xpb.cc

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