Nelson Piquet Jr. fuhr am 28. September 2008 absichtlich in die Mauer

Formel 1 2010

— 10.12.2010

Piquet und "Crashgate": Wie alles passierte

Nelson Piquet Jr. beschreibt noch einmal die Abläufe vom Singapur-Wochenende 2008: "Sie wollten das Safety-Car in Runde 14"

Unter die "Crashgate"-Affäre hat man vor wenigen Tagen wohl endgültig einen Schlussstrich gezogen. Ein Gericht sprach der Familie Piquet einen Schadensersatz zu, den Renault zu leisten hat. Die Teamverantwortlichen hatten den Ex-Piloten nach seinem Geständnis zunächst als Lügner dargestellt. Später war jedoch bewiesen worden, dass Piquet auf Druck des Teams im Singapur-Rennen 2008 absichtlich einen Crash verursacht hatte.

In der britischen 'Times' erklärt der Brasilianer nun noch einmal detailliert die Abläufe an jenem Wochenende Ende September 2008. Nach einem schwachen Qualifying von Piquet und dem späteren Crash-Profiteur Fernando Alonso begann der ehemalige Chefingenieur Pat Symonds mit der Ansprache. "Er sagte: 'Wir sind in einer Situation, wo wir nichts erreichen können. Es sei denn, etwas Unvorhergesehenes passiert.' Flavio Briatore sprach von einem bevorstehenden Desaster", berichtet Piquet.

"Ich habe mir das erst einmal nur angehört und wusste nicht, worauf es hinauslaufen würde", erklärt der Weltmeistersohn. "Beide waren sehr aufgeregt und es lag Spannung in der Luft. Ich sagte zuerst gar nichts. Nach rund fünf Minuten fing Flavio dann an. 'Der einzige Weg, wie wir zum Erfolg kommen können, ist ein Safety-Car zum perfekten Zeitpunkt', sagte er. Ich saß erst einmal nur da und starrte die beiden an."

Briatore und Symonds erinnerten Piquet an das Rennen in Hockenheim, in welchem der Nachwuchspilot von genau einer solchen Safety-Car-Phase profitiert hatte und Zweiter geworden war. "Flavio fragte mich, ob ich dem Team helfen wolle. Er sagte: 'Wenn du im richtigen Moment einen Unfall baust, dann könnte sich alles ändern'", sagt Piquet. Der damalige Teamchef habe enormen Druck ausgeübt. Der Neuling bangte um seinen Platz im Team.

"Sie wollten das Safety-Car in Runde 14", erklärt der 25-Jährige. "Ich stimmte vor dem Hintergrund der argen Kritik an meiner Person schließlich zu. Über die moralische Seite machte ich mir keine Gedanken. Im Rennen zählte ich die Runden, ich konnte kaum glauben, was ich dort tat. Ich machte mir mehr Sorgen um den Erfolg des Teams als um meine eigene Gesundheit. Ich hatte Angst, bekam kaum Luft."

"Auf der Boxentafel schaute ich immer, in welcher Runde wir gerade waren, aber ich konnte es wegen der Dunkelheit kaum erkennen. Ich schrie immer wieder in den Funk, dass man mir die aktuelle Runde ansagen soll. Ich musste mich ob der bevorstehenden Aktion richtig zusammenreißen", so Piquet. "Als ich dann in Runde 14 in die Schikane fuhr, zog sich mein Magen regelrecht zusammen. Ich hatte Angst, es lief wie im schlechten Traum ab."

"Mit einem Hinterrad habe ich dann die Mauer touchiert, bin auf das Gaspedal gestiegen, um danach in der anderen Mauer zu landen. Ich spürte keinen Schmerz, aber das Adrenalin schoss durch meinen Körper. Ich hatte den Wagen während des gesamten Unfalls unter Kontrolle", beschreibt der Brasilianer den entscheidenden Moment, der zum Einsatz des Safety-Cars und letztlich zum Sieg seines damaligen Teamkollegen Alonso führte.

Der Spanier war zwei Runden zuvor - im Vergleich zu Konkurrenz sehr früh - zum Boxenstopp gefahren und wurde in der Safety-Car-Phase nach vorne gespült. Ein "Dankeschön" und ein Schulterklopfen sei die einzige Reaktion von Briatore und Symonds nach dem Rennen gewesen. Piquet behielt den Betrug monatelang für sich. Erst als er im Sommer des Folgejahres sein Cockpit bei Renault räumen musste, packte er aus.

"Ganz ehrlich: Meine Angst vor Flavio war damals größer als mein Wunsch nach einem reinen Gewissen", sagt Piquet. "Mir kommt es mittlerweile vor, als läge dieser Vorfall Ewigkeiten zurück, aber ich werde diesen Schatten wohl nie mehr los. Ich entschuldige mich in aller Form dafür. Ich hoffe einfach, dass man ein Verständnis dafür aufbringen kann, in welcher Drucksituation ich mich befand. Das ist keine Entschuldigung, aber ich war damals extrem unglücklich. Heute hätte ich die Stärke, so etwas entschieden abzulehnen."

Fotoquelle: xpb.cc

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