FIA-Präsident Jean Todt stimmt der Abschaffung von Artikel 39.1 zu

Formel 1 2010

— 10.12.2010

FIA schafft Stallorder-Verbot ab

Jean Todt hat seine Einführung bewirkt, jetzt schafft er ihn ab: Der umstrittene Stallorder-Artikel 39.1 wird für 2011 aus dem FIA-Reglement gestrichen

Ferrari hat mit der umstrittenen Stallorder beim Grand Prix von Österreich 2002 ("Let Michael pass for the Championship") für die Einführung des Paragrafen 39.1 des Sportlichen Reglements gesorgt, acht Jahre später war das Team dann auch verantwortlich für dessen Abschaffung. Denn infolge des Platztauschs zwischen Felipe Massa und Fernando Alonso beim Grand Prix von Deutschland wurde das umstrittene Stallorder-Verbot heute gekippt.

Wörtlich hieß es in Artikel 39.1: "Teamorder, die sich auf ein Rennergebnis auswirken, sind verboten." Diese sehr schwammige Formulierung führte dazu, dass den Teams Grauzonen eröffnet wurden, was zum Beispiel geschieht, wenn ein Fahrer "freiwillig" (beziehungsweise durch "Aktivierung" mit codierten Funksprüchen) für seinen Stallgefährten Platz macht. Selbst in Hockenheim gab es seitens Ferrari keinen klaren Befehl an Massa, Alonso vorbeizulassen.

Nach der heutigen Sitzung ihres Motorsport-Weltrats in Monte Carlo gab die FIA offiziell bekannt, dass Artikel 39.1 "gelöscht" wurde. Aber: "Die Teams werden daran erinnert, dass alle Handlungen, die dem Ansehen des Sports schaden, durch Artikel 151.c des Internationalen Sportkodexes und andere relevante Vorschriften sanktioniert werden können." Das Problem daran: Artikel 151.c erlaubt in Sachen Stallorder wieder viel Spielraum.

Genau das hätte man aber unterbinden sollen, findet Marc Surer: "Er müsste klar definiert werden", hatte der 'Motorsport-Total.com'-Experte schon vor dem Saisonfinale in Abu Dhabi gefordert. "Eine Teamorder sollte dann erlaubt sein, wenn der andere Fahrer keine Chance mehr hat, den Titel zu gewinnen. Dann kommt es nicht vor, dass das schon Mitte der Saison losgeht, wie es Ferrari damals mit Schumacher/Barrichello und dieses Jahr in Hockenheim gemacht hat."

"Das finde ich eine Sauerei, denn das verfälscht die Rennen. Aber wenn man am Jahresende sagt, dass der Fahrer, der mathematisch keine Chance mehr hat, dem anderen Platz machen muss, dann ist das okay", so Surer, der glaubt, dass man das heute "mit einem Nebensatz" hätte regeln können. De facto ist nun also der Zustand wiederhergestellt, wie er in der Formel 1 schon vor der Ära Ferrari/Schumacher problemlos funktioniert hat.

Interessantes Detail am Rande: In Österreich 2002 kam der Funkspruch "Let Michael pass for the Championship", der in die Geschichte eingegangen ist, ausgerechnet vom damaligen Ferrari-Teamchef Jean Todt. Der Franzose ist heute FIA-Präsident und damit letztendlich für die Abschaffung des Stallorder-Verbots verantwortlich. Die Regeländerung tritt übrigens schon ab der kommenden Saison in Kraft.

Fotoquelle: xpb.cc

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