Vettels Mienenspiel sprach nach dem Grand Prix von Ungarn Bände

Formel 1 2010

— 21.12.2010

Hat Vettel in Ungarn absichtlich "verschlafen"?

Mit welchen Ritualen sich Sebastian Vettel vor seiner Triumphsaison motivierte und wieso er in Ungarn eine Lektion gelernt hat

Für Sebastian Vettel war die Saison 2010 ein wahres Wechselbad der Gefühle. Auch wenn er am Ende als großer Held dasteht, wurde er dieses Jahr so scharf kritisiert wie wahrscheinlich noch nie in seiner Karriere. Der Heppenheimer wurde durch die Rivalität mit Mark Webber und den teaminternen Umgang mit dieser Problematik mit den dunklen Seiten der Formel 1 konfrontiert - eine Phase, die auch Lewis Hamilton vor einigen Jahren durchmachen musste. Vor allem in diesem Alter - Vettel ist erst 23 - wird man auf eine besonders harte Probe gestellt, wenn der Erfolgsdruck ständig zunimmt und man dabei stets im Fadenkreuz der Weltöffentlichkeit steht.

Vettel hat seinen Weg gefunden, diesen Druck etwas von sich weg zu schieben und sich freizuschwimmen. "Ich bin, wer ich bin", sagt er gegenüber dem 'Guardian'. "Ich muss darüber nicht sprechen. Ich habe es das ganze Jahr lang nicht machen und ich werde es jetzt nicht machen - das ist nicht der richtige Zeitpunkt. Ich habe dieses Jahr viel gelernt. Was am meisten zählt, ist wenn du zurückkommst - ins Hotel oder nach Hause - und du dir in den Spiegel schauen kannst und genau weiß, was passiert ist."

Wichtig sei dabei nicht, was die ganze Welt von einem denke: "Man muss es selbst verstehen und tief drinnen in deinem Herzen muss man wissen, was passiert ist. Das ist viel wichtiger, als was andere Leute denken - oder was sie schreiben oder sagen. Es ist unmöglich, alle zufrieden zu stellen. Manchmal werden Dinge von einem anderen Blickwinkel gesehen, doch das einzig Wichtige ist, dass man sich selbst auskennt."

Absichtlich verschlafen?

Genau das dürfte auch nach dem Grand Prix von Ungarn der Fall gewesen sein. Zur Erinnerung: Der Red-Bull-Pilot ließ in der Safety-Car-Phase mehr als die erlaubten zehn Wagenlängen Abstand zu Leader Webber, wodurch er das Verfolgerfeld bremste. Später kassierte er dafür eine Boxen-Durchfahrtsstrafe und beschwerte sich wild gestikulierend. Nach dem Rennen gab er zu, dass er die Freigabe des Rennens verschlafen hatte.

Doch die Wahrheit dürfte eine andere sein. Laut 'Guardian' hatte Vettel Alonso absichtlich gebremst, um seinem Teamkollegen zu helfen. "Da habe ich eine Lektion gelernt", sagt er heute. "Wie man anhand der Bilder erkennen konnte, war ich sichtlich enttäuscht, weil es nicht nach Plan gelaufen ist. Ich habe die Chance weggeworfen, das Rennen zu gewinnen."

Vettels Rituale

Doch schließlich hinderte es Vettel nicht daran, seinen ersten WM-Titel zu gewinnen. Wie sehr er dieses Ziel erreichen wollte, beweisen seine Versuche vor der Saison, sich zu motivieren. Er bestieg einen italienischen Vulkan, und schrie das Wort "Weltmeister" in dessen Krater.

Dieses Ritual sollte dafür sorgen, dass Wünsche in Erfüllung gehen. Und noch etwas tat Vettel, um den Focus zu maximieren: "Zu Saisonbeginn habe ich mir Bilder der Trophäe ausgedruckt, denn als Sportler blickt man nach vorne. Das ist jetzt ein sehr sehr schönes Souvenir." Inzwischen durfte er die echte Weltmeister-Trophäe entgegen nehmen.

Welche Wünsche er nun für die Zukunft habe? "Ich hoffe, dass noch viel mehr kommt", sagt er gegenüber 'Autosport'. "Ich will ein besserer Fahrer und ein besserer Mensch werden. Dieses Jahr war eine sehr harte Lektion, doch sie hatte ein sehr süßes Ende." Nach dem Weltmeister-Trubel sehnt er sich nun nach etwas Ruhe: "Mit Sicherheit ist eine Pause jetzt für mich sehr wichtig. Das benötigt man, um für nächstes Jahr Energie zu bekommen. Zwangsläufig blickt man immer auf den nächsten Schritt."

Fotoquelle: Red Bull/Getty

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