Neuer Lebensabschnitt, neue Frisur: Rosberg fühlt sich bei Mercedes wohl

Formel 1 2010

— 21.12.2010

Rosberg: "Wechsel hat mir die Augen geöffnet"

Wie der Mercedes-Wechsel Rosbergs Arbeitsweise geändert hat, wieso Nakajima der falsche Teamkollege war und was Brawns größte Stärke ist

Blickt man auf die Resultate von Nico Rosbergs Debütsaison bei Mercedes, dann erkennt man keine Fortschritte im Vergleich zur Vergangenheit. Der Deutsche beendete das Jahr wie 2009 bei Williams auf dem siebenten Platz in der Fahrer-WM, an Siege war nicht zu denken. Und das in dem Jahr, in dem Landsmann Sebastian Vettel Weltmeister wurde - Rosberg war dem Red-Bull-Piloten in den Nachwuchskategorien meist um ein Jahr voraus gewesen.

"Es gibt zwei Seiten, wie man diese Saison betrachten kann", sagt Rosberg gegenüber 'Autosport'. "Ganz allgemein bin ich mit der Erwartungen in diese Saison gestartet, dass ich Rennen gewinnen kann und eine sehr starke Saison haben werde. Und es ist definitiv in die komplett entgegengesetzte Richtung gegangen - das war eine große Enttäuschung. Was die Resultate angeht, war es nicht einmal ein Fortschritt zum Vorjahr. Ich wurde letztes Jahr Siebenter in der Weltmeisterschaft und auch dieses Jahr."

Doch die Resultate sind nicht alles, was zählt. Der 25-Jährige ist davon überzeugt, dass ihm der Tapetenwechsel nach vier Jahren bei Williams gut getan hat. "Es war eine tolle Erfahrung. Das hat mir ein bisschen die Augen geöffnet", gibt er zu. "Man beginnt, Dinge zu hinterfragen, die man vielleicht nicht mehr hinterfragt hat. Es geht nicht nur um das Fahren - ich glaube, dass man sich da nicht stark weiterentwickelt -, es geht eher um die Kapazität, deinen Geist zu nutzen, dir mit gewissen Dingen zu helfen, um auf der Strecke zu fahren. Es geht nur darum, wie man seinen Geist einsetzt."

Keine Freundschaft mit Schumacher

Vor der Saison war die Angst groß, dass der siebenfache Weltmeister Michael Schumacher für Rosberg zum Karrierekiller werden könnte. Als der ihm dann auch noch nachträglich die Startnummer drei entriss, fühlten sich viele bestätigt, dass der Comeback-Superstar mit Psychotricks gegen Rosberg vorgehen würde.

"Ich habe so viele schlechte Dinge erwartet", bestätigt Rosberg, dass auch er gewarnt war. Sein Urteil über Schumacher fällt nach einer Saison aber positiv aus: "Er ist kein schlechter Mensch. Wir sind nicht Freunde oder irgendwas, wir kommen aber miteinander aus. Hilft es, dass wir die gleiche Sprache sprechen? Ich weiß es nicht. Ich spreche Deutsch, doch ich lebe eigentlich nicht die deutsche Kultur, bin etwas internationaler."

Auch wenn die beiden keine Freunde sind, kann er dem Teamkollegen-Wechsel nur Gutes abgewinnen. Kein Wunder, hatte er den erfolgreichsten Formel-1-Piloten der Geschichte 2010 doch locker im Griff. "Der Vergleich mit meinem Teamkollegen war natürlich sehr sehr gut für mich, was sehr wichtig ist", weiß er. "Bei allem Respekt für Kazuki Nakajima, bei ihm hatte ich diesbezüglich keinen Druck. Daher war es für mich persönlich ein großer Schritt. Auch als Fahrer habe ich mich stark weiterentwickelt. Es ist mir gelungen, das Beste aus dem Auto herauszuholen. Alleine durch den Teamwechsel habe ich einen so großen Schritt gemacht."

Ihm ist bewusst, welchen Stellenwert die erfolgreiche Bilanz gegen Schumacher hat: "Es ist wichtig für meine Karriere - und es ist wichtig, dass es die Entscheidungsträger in diesem Sport wissen. Allgemein benötigst du aber die Resultate, um etwas zu bewirken, die hatte ich aber noch nicht. Ich bin noch nicht ganz dort."

Warum der Erfolg 2010 ausblieb

Schon zu Saisonbeginn war es für Rosberg "eine Überraschung, wo wir standen. Es gab die Wahrscheinlichkeit, dass wir die Weltmeisterschaft dieses Jahr nicht gewinnen würden, wenn man sich die letzte Saison und die Art und Weise, wie sich diese entwickelt hat, anschaut. Doch in der Konstrukteurs-WM Vierter zu werden und oft von Renault geschlagen zu werden, war eine Überraschung. Ich hatte nicht erwartet, dass wir so schlecht sein würden."

Dabei lebte die Hoffnung bis zum Europaauftakt in Barcelona, wo man mit einem großen Aerodynamikpaket den Rückstand auf die Konkurrenz wett machen wollte. Bis dahin war Rosberg stets in den Top fünf gelegen, stand in Sepang und Schanghai auf dem Podest. "Wir erwarteten große Dinge", erinnert er sich. "Wir rechneten nach den ersten paar Rennen mit Siegen, da so viele große Schritte vor uns lagen, doch das ist eine weitere Schwäche, die sich gezeigt hat: Wir waren einfach nicht gut genug, um diese Schritte auch mit dem Auto zu machen."

Woran das lag? "Wir waren nicht das beste Team, wenn es um die Abstimmung in der Fabrik geht. Wir haben die besten Leute, beginnend mit Ross Brawn. Ich habe also viel Zuversicht, dass wir dorthin kommen. Es ist bloß so, dass sein Prozess noch nicht abgeschlossen ist und ich habe das Gefühl, dass er dauernd lernt."

Umstrukturierung noch nicht abgeschlossen

Laut Rosberg versucht Brawn, der 2008 als Teamchef an Bord kam, immer noch herauszufinden, wo die Schwachpunkte des Rennstalls liegen. "Er hat letztes Jahr wahrscheinlich schon viel gelernt und vor allem dieses Jahr, wo die Schwächen in der Organisation liegen. Er ist also immer noch im Prozess, viele Dinge zu ändern und das Beste aus jedem Individuum herauszuholen, die Zusammenarbeit zu verbessern. Es gab viele Änderungen im Team. Die letzten drei Jahre waren eine große Achterbahnfahrt. Es dauert einfach, bis alles so funktioniert, wie es jeder will."

Wie lange dies noch dauern wird, weiß selbst der Mercedes-Pilot nicht genau: "Ross macht ständig Änderungen, schön langsam greift alles ineinander. Dennoch ist es für mich schwer einzuschätzen, wie schnell und wie effizient dies passiert, weil ich nicht wirklich involviert bin. Wir befinden uns noch immer in der Verbesserungsphase. Dennoch war es für mich eine großartige Erfahrung und ich freue mich auf die kommenden Jahre. Es ist toll, einen Mercedes zu fahren. Ich glaube an die Menschen, die hier arbeiten, ich glaube an die Leute in Brackley und ich sehe es als Langzeitprojekt."

Vor allem genießt er es, mit Brawn zusammenzuarbeiten: "Es ist beeindruckend, wie er mit Dingen umgeht, und es freut mich, das mitzuerleben. Seine größte Stärke ist seine Führungsqualität. Ich beobachte es nicht nur, sondern ich erfahre es auch. Er führt auch mich auf eine gewisse Art - wie er Schwächen und Stärken anspricht, all diese Dinge."

Fotoquelle: xpb.cc

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