Ross Brawn ist sicher, dass Schumacher 2010 Simulatorerfahrung abging

Formel 1 2010

— 30.12.2010

Brawn: "Simulator hätte Schumacher geholfen"

Warum Ross Brawn sicher ist, dass Schumi nichts von seinen Fähigkeiten eingebüßt hat und wieso sich das Wunder von 2009 nicht wiederholen wird

2011 wird für Michael Schumacher ein entscheidendes Jahr. Nach der missglückten Comebacksaison will der Rekordweltmeister in der kommenden Saison zu alter Stärke auflaufen und endlich wieder Podestplätze und Siege einfahren. Dabei sollen auch die neuen Pirelli-Reifen helfen, zumal Schumacher dieses Jahr mit den Bridgestone-Gummis nie zurecht kam.

Doch wird der Wechsel auf Pirelli den Nachteil des Kerpeners tatsächlich verschwinden lassen? "Keiner kann das vorhersagen", meint Teamchef Ross Brawn gegenüber 'Auto Motor und Sport'. "Der Reifen wird eine andere Charakteristik haben, ein anderes Gefühl vermitteln, eine andere Vorbereitung verlangen." Der Brite verweist auf die Vergangenheit: "Als vor einigen Jahren einige Teams von Michelin zu Bridgestone gewechselt sind, hatten viele Fahrer Probleme, Top-Piloten wie Alonso mit eingeschlossen. Mit Pirelli wird das ähnlich sein. Ob das jetzt Rosberg oder Schumacher in die Hände spielt, ist schwer vorherzusagen."

Dass es 2010 mit den Reifen nicht geklappt hat, ist laut Brawn nicht nur auf Schumacher zurückzuführen. Denn während alle anderen Topteams modernste Fahrsimulatoren nützen, um Aufhängungsteile zu testen und um an der Reifenabstimmung zu arbeiten, fehlt diese Innovation in der Mercedes-Fabrik in Brackley gänzlich. "Wahrscheinlich" hätte Schumacher ein Fahrsimulator dabei geholfen, die Reifen zu verstehen, mein Brawn.

Schumi muss weiterhin auf Simulator verzichten

Und erklärt, warum: "Er hätte sich mehr in das Verhalten der Reifen hineinarbeiten können. Es war sicher keine Hilfe, dass wir noch keinen Top-Simulator haben." Diesbezüglich wird sich Schumacher noch gedulden müssen: "Der Simulator befindet sich gerade im Aufbau, wird aber nicht vor 2012 voll einsatzfähig sein. Daimler entwickelt diesen Fahrsimulator. Wir sollten im Winter einen großen Schritt damit machen. Das geht nur in Eigenregie. Diese Technik kann man nicht auf dem Markt kaufen."

Entgegen der allgemeinen Erwartungen fehlt dem 41-Jährigen in Passagen, wo es auf Mut und Reaktionsfähigkeit ankommt, kaum etwas auf seinen jungen Teamkollegen Nico Rosberg. "Es ist die Fahrtechnik in langsamen und mittelschnellen Kurven, für die Nico mit den Reifen, die wir 2010 zur Verfügung hatten, hin und wieder das bessere Gefühl entwickelt hat", weiß Brawn. "Und da gehen die zwei, drei Zehntel verloren. An diesen Bereichen arbeitet Michael. Es fehlte ihm manchmal das Gefühl dafür, wie der Reifen reagiert. Ob sich das mit den Pirelli-Reifen ändert, weiß ich nicht."

Ganz allgemein zeigt sich der Teamchef aber ob der Problemzonen seines Piloten erleichtert: "Die Tatsache, dass es an eher technischen Dingen liegt, gibt mir die Sicherheit, dass Michael in der Pause nichts an seinen Fähigkeiten eingebüßt hat." Dennoch hätte sich der ehemalige Ferrari-Pilot mit Sicherheit auch von seinem Auto mehr erwartet. 2009 hatte Jenson Button mit dem Brawn-Boliden sensationell den Titel geholt, 2010 folgte dann der Abstieg. Das lag auch daran, dass man 2009 bis zum Saisonende entwickeln musste, um den WM-Triumph sicherzustellen. Das ging auf Kosten des diesjährigen Autos.

Brawn glaubt nicht an Wiederholung des Wunders

Als Brawn erkannte, dass der 2010er Bolide nicht gut genug ist, veränderte er wie 2008 die Prioritäten: Ab Saisonmitte stellte man die Entwicklung des aktuellen Autos ein und konzentrierte sich bereits auf das kommende Jahr. Gelingt es so, das Wunder des Jahres 2009 zu wiederholen, als die Truppe alle überraschte? Brawn winkt ab: "Nein, wir werden dieses Märchen von 2009 kein zweites Mal erleben."

Er erklärt die Gründe: "2008 hatten wir 750 Mitarbeiter in Brackley und einige hundert in Japan bei Honda. Das haben wir nicht mehr. Es stimmt, dass wir mit der Entwicklung des 2011er Autos früh begonnen haben, was aber nicht heißt, dass wir deshalb mehr Ressourcen hineinstecken konnten als die drei Teams vor uns. Red Bull, Ferrari und McLaren können immer noch das aktuelle Auto bis zum Ende der Saison betreuen und gleichzeitig das neue entwickeln."

Gelingt Mercedes aber dennoch der große Wurf, dann "haben wir jetzt auch die Organisation im Rücken, das Auto während der Saison zu entwickeln". Rücktrittgerüchte schmettert der Mann aus Manchester ab: "So weit ist es noch nicht. Ich werde nicht zurücktreten, bis dieses Team erfolgreich ist."

Fotoquelle: xpb.cc

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