Rubens Barrichello will seinen Helm noch lange nicht an den Nagel hängen

Formel 1 2011

— 02.01.2011

Barrichello: Williams ist im Angriffsmodus

Für seine 19. Saison in der Formel 1 ist Rubens Barrichello so motiviert wie immer - Die neuen Pirelli-Reifen werden über Sieg und Niederlage entscheiden

Die Saison 2011 wird die 19. für Rubens Barrichello in der Formel 1 sein. Dennoch zählt der Brasilianer nicht zum alten Eisen und ist hoch motivieret. Mit BrawnGP erlebte der 38-Jährige im Jahr 2009 seinen zweiten Frühling und gewann zwei Rennen. Mit diesen Erfolgen im Gepäck heuerte er bei Williams an und etablierte sich als Teamleader bei dem britischen Traditionsrennstall. Diesen will Barrichello wieder auf die Erfolgsstraße führen.

Die Schritte dazu sind eingeleitet. "Ich bin sehr positiv gestimmt, denn ich sehe das Team wachsen, aber ich bin wahrscheinlich die falsche Person um gefragt zu werden. Ich sehe die guten Dinge und verändere die falschen", wird Barrichello von 'Autosport' zitiert. "Ich zeige genau auf, was das Auto macht. Das hilft jedem im Team damit wir vorwärts kommen. Das neue Auto ist definitiv in einem aggressiven Modus."

Mit dem verstellbaren Heckflügel, dem Comeback von KERS, das für Barrichello Neuland ist, da BrawnGP es 2009 nicht eingesetzt hat, und dem Wechsel zu den neuen Einheitsreifen von Pirelli wird es einige Neuheiten geben, auf die sich Williams einstellen muss. Speziell hinter den Pneus steht ein großes Fragezeichen. So schätzt auch der Routinier, der in Bahrain seinen 308. Grand Prix fahren wird, dass dem schwarzen Gold eine große Bedeutung zukommen wird.

"Es geht darum, wer mit den Reifen am Besten klarkommt. Der Honda war kein gutes Auto und wir hatten eine schreckliche Saison 2008", blickt Barrichello zurück. "Aber wenn man gegen Ende der Saison die Slicks montiert hat, hat sich das Auto verbessert. Man konnte dann damit um Platz sechs kämpfen, auch um Rang fünf. Dann haben sie mit Brawn eine Verbesserung erzielt und wir waren ganz vorne. Die Pirelli-Reifen könnten aerodynamisch eine fundamentale Änderung bedeuten. Was auch passiert, es wird einigen Teams helfen, anderen aber nicht."

Bezüglich KERS ist Barrichello optimistisch: "Wir glauben, dass wir stark sind, denn wir haben es entwickelt. Als Fahrer habe ich nur Bedenken, so viele verdammte Knöpfe zu drücken. Das wird hart werden." In die Entwicklung ist er bei Williams stark eingebunden. Die Ingenieure hören auf den Routinier. Mit Erfolg, denn der Aufschwung zu Saisonmitte 2010 beruhte auch auf seinen Ideen.

Zum ersten Mal seit seinen drei Jahren bei Stewart führt Barrichello ein Team an. Wie fühlt sich das an? "Ich hatte immer das Gefühl, dass ich gebraucht werde. Ich habe mich bei den Rennställen immer gut gemacht, selbst als ich für Ferrari gearbeitet habe. Man erobert sich immer seinen Platz und fühlt sich irgendwie gewollt. Es geht aber nicht darum zu kuscheln und um Liebe, sondern darum, die Arbeit zu erledigen und jeden darauf aufmerksam zu machen, was man zu sagen hat." Bei Williams läuft es perfekt. "Es ist eine gute Hochzeit, um ehrlich zu sein."

"Es ist eine der besten Zeiten meiner Karriere. Wie gesagt, es haben mich alle Teams davor für ihren Vorteil verwendet, aber nicht so gut wie es Williams macht. Sie hören mir zu und reagieren darauf. Vielleicht haben sie manchmal das Gefühl, es wäre Blödsinn, aber sie versuchen es trotzdem und sehen dann die Vorteile. Es wurde fantastisch gearbeitet. Sam Michael hat mir zugehört und nach Istanbul konnten wir die Charakteristik des Windkanals ändern", blickt Barrichello zurück.

Wenn man noch weiter zurückblickt, nämlich auf die Saison 1993, wurde das Renngeschehen von Williams dominiert. Die Autos stammten damals aus der Feder des heutigen Red-Bull-Designers Adrian Newey und waren praktisch unschlagbar. Barrichello debütierte damals für Jordan, während sich sein großes Idol Ayrton Senna für 1994 ein Cockpit bei Williams sicherte. Nun hat Barrichello bereits eine Saison für den ehemaligen Toprennstall absolviert. Das Gefühl ist immer noch etwas Besonderes.

"Wenn man für ein neues Team unterschreibt, dann denkt man nie, dass es ein schlechtes Jahr werden wird. Es könnte immer etwas passieren, etwas Brillantes könnte passieren und du fährst ein besseres Auto. Es ist wie wenn man als Kind in eine neue Schule geht. So hat es sich angefühlt. Die Jungs, die Mechaniker und Ingenieure, haben mir sofort ein sicheres Gefühl gegeben. Ich habe mich immer sehr gut gefühlt. Von außen sieht es so aus als wären wir eine Truppe hart arbeitender Menschen."

"Von Williams hatte ich das Bild mit Alan Jones", spricht Barrichello den Weltmeister von 1980 an, mit dem der Rennstall den Sprung an die Spitze geschafft hat. "Man muss hart sein und angespannt sein. Alan war hart, das Team war hart. So hat es von außen ausgesehen. Innerhalb der Mannschaft ist es aber anders. Es gibt Gespräche und es wird gelacht, aber alle arbeiten hart. Es ist eine schöne Umgebung und ich fühle mich sicher."

Mit 47 Punkten landete Barrichello 2010 auf dem zehnten Gesamtrang. Höhepunkt war dabei der vierte Platz von Valencia. "Ich bin sehr stolz auf die Arbeit mit Williams. Das beste Beispiel war zu Saisonhalbzeit, als sie gesagt haben, dass es in Singapur die letzten Verbesserrungen geben würde, weil wir uns auf das nächste Jahr konzentrieren müssen. Die Arbeit am neuen Auto schritt gut voran, aber trotzdem konnten wir noch Verbesserungen bringen. Für ein kleines Team war das schon gut."

Mit jedem Rennen schraubt Barrichello den Rekord der meisten Starts in die Höhe. Ob das eine Bestmarke für die Ewigkeit bleibt? Die fünf WM-Titel von Juan-Manuel Fangio blieben ebenfalls Jahrzehnte unerreicht bis ein gewisser Michael Schumacher seine Erfolgsstory begann. "Ich glaube nicht, dass jemand das leicht schafft", denkt der Brasilianer über seine eigenen Meilensteine nach. "Michael kommt mir am nächsten, aber es wird für keinen leicht sein."

"Es ist machbar, absolut. Es kommen und gehen junge Fahrer, denn die Formel 1 ist sehr konkurrenzfähig. Wenn man kein gutes Rennen hat, dann wir man fallengelassen. Ich bin jetzt lange Zeit dabei. Um das zu erreichen braucht es einen Hamilton oder Alonso, die siegen und siegen weil sie gut sind. Sie machen einfach weiter, denn sie mögen es."

Barrichello fehlt in seiner Statistik der WM-Titel. Macht er deswegen immer weiter und weiter, um dieses ultimative Ziel einmal zu erreichen? "Das könnte sein. Ich habe es nie geschafft. Ich habe andere Titel in der Vergangenheit gewonnen und kenne das Gefühl. Ich weiß woraus ich gemacht bin. Ich werde von der Leidenschaft angetrieben. Eines Tages wird es nicht mehr funken und das war es dann. Ich werde es schnell wissen. Meine Frau fragt mich manchmal 'Wie lange willst du das noch machen?'. Ich weiß es nicht, ich liebe es einfach."

Fotoquelle: Williams

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