Stefano Domenicali dachte nach der WM-Niederlage an Rücktritt

Formel 1 2011

— 04.01.2011

Domenicali spekulierte mit Ferrari-Aus

Warum Ferrari-Teamchef Domenicali nach der WM-Niederlage mit allem rechnete, wieso er kein Fußballtrainer ist und was sich 2011 ändern wird

Medial war Ferrari nach dem verlorenen Saisonfinale in Abu Dhabi einer heftigen Schelte ausgesetzt. Die Verwunderung über die missglückte Strategie, die Fernando Alonso schließlich den Titel kostete, war groß - die Führungsebene geriet heftig unter Beschuss. Doch auch bei den Roten aus Maranello scheint man aus der Vergangenheit gelernt zu haben: Anstatt die wahren Probleme zu analysieren, rollten vor der Ära Jean Todt bei Ferrari nach Niederlagen meist Köpfe - die Angst vor Fehlern war dadurch bei der Truppe umso größer. Inzwischen setzt man auf Stabilität.

In einem Interview mit 'La Republica' gibt Teamchef Stefano Doemicali nun zu, dass er nach dem Ende der Saison durchaus mit seinem Aus spekuliert hatte. "Nach Abu Dhabi brachte ich das Thema selbst auf den Tisch", sagt er. "Ich fragte mich, ob es das Richtige ist oder ob ich gehen sollte. Ich sehe es als meine Pflicht an und klebe nicht auf meinem Sessel. Doch ich kam zu dem Schluss, dass es ein Fehler wäre, aufzuhören. Ich weiß, dass das Team und ich der Meinung sind, dass ich der Richtige bin, um die Früchte der vergangenen Monate zu ernten."

Der Italiener will an seinem Weg festhalten, ehe er das Ziel - den WM-Titel - erreicht hat: "Aus methodischer Sicht haben wir so ziemlich alles in Maranello geändert. Ich bin sicher, dass wir bald die Resultate unserer harten Arbeit sehen werden." Würde er statt in der Formel 1 als Fußballtrainer arbeiten, dann hätte er dazu wohl nicht mehr die Gelegenheit. Im Sport mit dem runden Leder müssen die Verantwortlichen oft schon nach kleinen Fehlschlägen den Hut nehmen.

Formel-1-Teamchef ist kein Fußballtrainer

"Ich weiß, dass mich die Leute als Trainer von Ferrari sehen", kann Domenicali dem Vergleich mit dem Fußball durchaus etwas abgewinnen, erklärt dann aber: "Ein Teamchef ist etwas anderes. Das ist ein Geschäft und ich muss all die unterschiedlichen Aspekte leiten, nicht nur die sportlichen. Ich kümmere mich um alles, also delegiere ich viel." Laut dem 45-Jährigen ist es in der Formel 1 nicht möglich, in kurzer Zeit Erfolge herbeizuführen - stattdessen sei dies ein langer Prozess, der in Ruhe stattfinden muss: "Um ein Formel-1-Team neu aufzubauen, benötigt man Monate und Jahre. Diesbezüglich wurde ich vom Präsidenten und von den Mitbesitzern immer großartig unterstützt."

Trotzdem hatte Domenicali nicht ausgeschlossen, dass seine Tage als Ferrari-Teamchef nach dem Rennen auf dem Yas Marin Circuit gezählt sind: "Man muss mit allem rechnen, vor allem wenn die gewünschten Resultate zwei Jahre lang nicht da sind. Aber gottseidank handelt es sich hier nicht um Fußball."

Die Folgen des Grand Prix von Abu Dhabi waren schlimm genug: Der Titelkampf war verloren, Domenicali brachte zwei Tage lang kein Auge zu - ein Köpferollen wäre dennoch der falsche Weg gewesen: "Unser Fehler hatte furchtbare Auswirkungen, doch in einem normalen Rennen wäre es ein normaler Fehler gewesen. Man darf deshalb nicht alles - und damit auch die guten Sachen - über Bord werfen."

Neuer Ferrari mit extremen Lösungen?

Stattdessen will er eher an den Details feilen, damit Ferrari 2011 endlich wieder Weltmeister wird: "Wir werden in den nächsten Stunden eine Bekanntgabe machen, um sicherzugehen, dass die Entscheidungsträger in den entscheidenden Momenten alle Werkzeuge haben, um ihre Fehler nicht zu wiederholen." Angeblich möchte man dem ehemaligen McLaren-Ingenieur Pat Fry eine wichtigere Rolle zukommen lassen.

An der Fahrerfront vertraut man auch 2011 dem Duo Alonso und Felipe Massa, obwohl der Brasilianer vor allem gegen Saisonende in ein Formtief gerutscht war. Mit seinen Kopfverletzungen, die er sich 2009 beim Ungarn-Grand-Prix zugezogen hatte, habe dies aber laut Domenicali nichts zu tun: "Wir haben alle Checks gemacht. Als Fahrer und als Mensch ist Felipe absolut intakt."

Dennoch stellt man ihm die Rute ins Fenster: "Er weiß, dass er sich so eine Saison nicht noch einmal leisten kann. Ich bin sicher, dass wir 2011 einen großartigen Felipe Massa sehen werden." Beim Auto will man in der kommenden Saison ans absolute Limit gehen. "2010 mussten wir ein komplett neues Auto aufbauen", sagt der Ferrari-Teamchef. "Doch jetzt haben wir einen guten Startpunkt und Regeländerungen - wir müssen also den maximalen Nutzen aus unserer Vorstellungskraft und aus extremen Lösungen ziehen."

Fotoquelle: Ferrari

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