Gerhard Gribkowsky war einst einer der mächtigsten Männer in der Formel 1

Formel 1 2011

— 04.01.2011

Gribkowsky-Affäre zieht weite (Polit-)Kreise

Gerhard Gribkowsky war einst einer der mächtigsten Männer hinter den Kulissen der Formel 1 und sieht sich nun schwerwiegenden Vorwürfen ausgesetzt

Rund um den früheren Risikovorstand der Bayerischen Landesbank (BayernLB), Gerhard Gribkowsky, entwickelt sich derzeit ein handfester politischer Skandal. Für die Formel 1 ist dies insofern interessant, als der 52-jährige Deutsche bis Ende 2005 neben Bernie Ecclestone der wahrscheinlich mächtigste Mann in der Königsklasse des Motorsports war.

Zur Vorgeschichte: Im Jahr 2000 verkaufte Ecclestone 50 Prozent der von ihm aufgebauten Formel-1-Holding für 3,3 Milliarden Euro (!) an das Medienunternehmen EM.TV der beiden Haffa-Brüder. EM.TV geriet jedoch in eine finanzielle Schieflage und sorgte wegen Bilanzfälschung auch für einen schlagzeilenträchtigen Börsenskandal, sodass die Formel-1-Anteile an den ebenfalls deutschen Medienmogul Leo Kirch weiterverkauft wurden.

Großer Verhandlungserfolg für Gribkowsky

KirchMedia wiederum musste im Jahr 2002 Insolvenz anmelden, sodass die drei Gläubigerbanken plötzlich wie die Jungfrau zum Kind zu Formel-1-Anteilen kamen. Die BayernLB beauftragte Risikovorstand Gribkowsky mit der Aufgabe, mit den Formel-1-Anteilen den Schaden aus der Kirch-Pleite zu minimieren. Gribkowsky positionierte sich dafür zunächst als Ecclestones Gegenspieler und setzte vor Gericht die Stimmrechte der BayernLB im Formel-1-Vorstand durch.

Nach anfänglichen Auseinandersetzungen pflegte er jedoch ein sehr harmonisches Verhältnis mit Ecclestone und unterstützte den Grand-Prix-Zampano dabei, eine Abspaltung der zur GPWC zusammengeschlossenen Automobilhersteller zu vermeiden (in Form der historischen Absichtserklärung von Barcelona 2006). Eine solche "Piratenserie" hätte für die Formel 1 verheerende Auswirkungen gehabt und damit auch die Anteile der BayernLB enorm entwertet.

Gribkowsky gelang es, für die BayernLB durch den Verkauf an die Investmentgesellschaft CVC rund 75 Prozent der Kirch-Schulden zurückzuholen - ein zehnstelliger Betrag, mit dem in dieser Höhe niemand gerechnet hätte. Laut Recherchen der 'Süddeutschen Zeitung' soll er daher um eine Erfolgsprämie gebeten haben, die ihm jedoch verweigert wurde. Daran will sich zumindest ein namentlich nicht genannter BayernLB-Verwaltungsrat erinnern. Gribkowsky äußert sich dazu nicht.

Warum das interessant ist? Gribkowsky hat in Österreich unter dem Namen "Sonnenschein" eine undurchsichtige Privatstiftung eingerichtet, deren Millionenvermögen er der Münchner Staatsanwaltschaft im Rahmen einer davon unabhängigen Einvernahme zum Hypo-Alpe-Adria-Skandal verschwiegen hat. Argument: Es handle sich dabei nicht um sein persönliches Vermögen, sondern um das seiner Stiftung. Woher das Geld kommt, muss nun geklärt werden.

"Wir schauen, woher das Vermögen kommt und ob im Zusammenhang damit Straftaten geschehen sind", heißt es in einer Stellungnahme der Münchner Staatsanwaltschaft, während das bayerische Finanzministerium verlauten lässt: "Die Bayerische Landesbank wurde umgehend aufgefordert, eigene Ermittlungen anzustellen." Die 'Süddeutsche Zeitung' zitiert indes einen namentlich nicht genannten Ex-Minister mit den Worten: "Das ist ein Hammer."

Woher kommen die 50 Millionen?

"Ein anderer früherer CSU-Spitzenpolitiker", schreibt die 'Süddeutsche Zeitung' weiter, "hat dafür nur eine Erklärung: Das könne eine 'Verhandlungsprovision' für das Formel-1-Geschäft gewesen sein." Die fraglichen 50 Millionen US-Dollar (umgerechnet 37,5 Millionen Euro) wurden angeblich aus Mauritius und von den Jungferninseln an Gribkowsky überwiesen - praktisch, weil es sich dabei um Steuerparadiese handelt.

In der Branche wird nun spekuliert, dass sich Ecclestone auf diese Weise "unter der Hand" für Gribkowskys Wohlwollen im Zuge der schwierigen Verhandlungen mit den Gläubigerbanken und den Automobilherstellern erkenntlich gezeigt haben könnte. Sollte das tatsächlich der Fall gewesen sein, könnte dies auch für den Formel-1-Geschäftsführer Konsequenzen haben. Zum jetzigen Zeitpunkt gilt jedoch für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung.

Interessant auch: Gribkowskys Stiftung wird unter der Salzburger Büroadresse des Anwalts und Steuerberaters Gerald Toifl geführt. Laut Auskunft der Wiener Staatsanwaltschaft wird Toifl im österreichischen BUWOG-Skandal als Beschuldigter geführt. Als Anwalt von Walter Meischberger, einem Freund des früheren österreichischen Finanzministers Karl-Heinz Grasser, wird offenbar auch Toifl verdächtigt.

In Bayern wird die Causa Gribkowsky nun zum Politikum: "Ich fordere Horst Seehofer auf, die BayernLB endlich zur Chefsache zu machen, schließlich geht es um das Geld der bayrischen Bürgerinnen und Bürger", so die SPD-Landtagsabgeordnete Inge Aures. "Es muss geklärt werden, ob durch dieses Geschäft der Landesbank ein weiterer Schaden entstanden ist, und wenn ja, in welcher Höhe." Angesichts der "immer unglaublicheren Skandale" bleibe ihr "die Spucke weg".

Fotoquelle: BayernLB

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