Nikolas Tombazis musste beim neuen Ferrari alle Register ziehen

Formel 1 2011

— 28.01.2011

Tombazis: "Einige Innovationen sind neu für die Formel 1"

Chefdesigner Nikolas Tombazis erklärt, in welchen Bereichen man beim brandneuen F150 innovativ war und welche die größten Herausforderungen waren

Nach der WM-Niederlage im Vorjahr war Ferrari gezwungen, dieses Jahr bei der Fahrzeug-Entwicklung innovativer zu Werke zu gehen, zumal mit dem F-Schacht, dem angeblasenen Diffusor und dem umstrittenen beweglichen Frontflügel alle wichtigen Neuentwicklungen von Red Bull oder McLaren stammten. Chefdesigner Nikolas Tombazis erklärt im Präsentationsinterview, in welchen Bereichen man beim brandneuen F150 innovativ war, welche Herausforderungen er bewältigen musste und ob man die selbst gesteckten Ziele erreicht hat.

Frage: "Nikolas, Wann hast du begonnen über das Projekt F150 nachzudenken?"
Tombazis: "Als das alte Auto zum ersten Mal den Asphalt berührt hat. Das war im späten Januar des letzten Jahres. Wir haben einige grundsätzliche Ideen zusammengetragen, sprachen über das neue Reglement und wie sie die wichtigsten Teile des Autos beeinflussen würden. Dann haben wir ein Programm in Windkanal auf die Beine gestellt, um die neuen Regeln zu untersuchen."

Frage: "Welche Teile waren bei dieser Herausforderung die wichtigsten?"
Tombazis: "Dieses Projekt beinhaltete einige wichtige Herausforderungen, denn das Reglement hat sich im Vergleich zum letzten Jahr ziemlich geändert. Wir mussten KERS wieder einführen und haben vor zwei Jahren viel darüber gelernt. Jetzt haben wir aber ein neues Paket, also war die Installation nicht die gleiche. Wir mussten über viele Dinge nachdenken."

"Eine weitere Herausforderung war der bewegliche Heckflügel. Das ist eine der Neuigkeit in der Formel 1 in diesem Jahr. Wir mussten also einen Flügel planen, der die Performance in seiner normalen Konfiguration nicht beeinflusst, der uns aber die höchstmögliche CD-Reduktion bietet - also die höchstmögliche Geschwindigkeit im Qualifying auf der Geraden und beim Überholen. Das war ein sehr wichtiges Projekt."

"Die dritte Herausforderung war die Einführung der neuen Reifen. Wenn du andere Reifen verwendest, dann musst du zahlreiche Aspekte des Autos verändern - zum Beispiel die Gewichtsverteilung, die Aufhängung vorne und hinten, aber auch ein paar aerodynamische Aspekte. Weil die Pirelli-Reifen neu sind, haben wir viel Arbeit. Das ist aber fast unwichtiger als der aerodynamische Aspekt: Dieses Jahr dürfen wir den Doppeldiffusor nicht verwenden. Wir mussten uns also ein sehr ambitioniertes Ziel setzen: die Performance zu gewinnen, die wir durch das Fehlen des Doppeldiffusors verlieren."

Frage: "Welche sind die innovativsten Charakteristika des F150?"
Tombazis: "Wir haben bei diesem Auto an verschiedenen Innovationen gearbeitet: Einige sind neue für uns, andere sind völlig neu für die Formel 1. Die Hinterradaufhängung ist wirklich innovativ, das gilt auch für den Heckflügel. Doch bis zum ersten Rennen wird es noch einige Neuerungen geben, die noch nicht am Auto sind, zum Beispiel etwas beim Heckflügel und das Auspuffsystem."

Frage: "Würde man sich als Planer mehr Freiheiten in der Planungsphase wünschen?"
Tombazis: "Ja. Es wäre schön, mehr Freiheit und mehr Zeit zu haben. Die Reglements werden immer restriktiver, doch dafür gibt es einen Grund. Sonst wäre die Performance des Autos zu stark und wahrscheinlich wären auch die Kosten höher als sie es derzeit sind. Es wäre schön, mehr technische Freiheiten zu haben und sogar noch fortschrittlichere System zu kreieren. Es wäre auch schön, zwischen zwei Saisonen mehr Zeit zu haben und nicht in solch einer Eile an einigen Aspekten des Autos zu arbeiten."

Frage: "Habt ihr euer gesetztes Ziel für dieses Projekt erreicht?"
Tombazis: "Wir glauben schon. Unsere gesetzten Ziele bezüglich der Entwicklung im Windkanal, des Gewichts des Autos und der Performance unserer Subsysteme waren sehr ambitioniert. Wir glauben, dass wir - basierend auf unserer Analyse - diese Ziele erreicht haben. Vor allem, was das Auto beim ersten Rennen angeht. Dennoch muss man sagen, dass das Reglement neu ist und dass man daher unmöglich wissen kann, wo unsere Konkurrenten stehen. Ich vertraue in unsere Arbeit, doch solange wir das Starterfeld nicht beim ersten Rennen sehen, ist es schwer, diese Frage zu beantworten."

Frage: "Eine letzte Frage: Habt ihr das Gefühl, heuer gewinnen zu müssen?"
Tombazis: "Bei Ferrari ist das jedes Jahr fast eine Pflicht. Es ist jedes Jahr das Gleiche. Dieser Druck ist stimulierend, doch er gönnt uns bei unserer Arbeit keine Pause."

Fotoquelle: Ferrari

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