Mit dem Ferrari F150 wollen die Italiener endlich wieder die Titel gewinnen

Formel 1 2011

— 28.01.2011

Ferrari F150: Die neue Diva soll Laune machen

Für Ferrari kann es 2011 nur ein Ziel geben: Mit dem neuen F150 sollen die Formel-1-Titel her - Neue Regeln erforderten deutliche Umgestaltungen

Bei Ferrari wird der Auftakt einer Saison stets mit großen Worten verbunden. Ein neues Fahrzeug bekommt sofort einen bildreichen Namen wie "Rote Göttin" oder "Italienische Diva", die Zielvorgaben für das Team werden in klare Worte gefasst. So auch in diesem Jahr: Ferrari präsentierte am Freitag als erstes Team den neuen Wagen für die kommende Saison.

"Wir müssen siegen!" - Mit dieser klaren Zielvorgabe schwört Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo seine Truppe auf das neue Jahr ein. Der Italiener lässt keinerlei Zweifel aufkommen. "Sobald ich an die vorherige Saison zurückdenke, bekomme ich Schmerzen. Also blicken wir nun nach vorne." Montezemolo betont, dass Ferrari stets vorne sein müsse.

Der letzte Fahrertitel liegt weit zurück. 2007 konnte Kimi Räikkönen die Italiener in Jubelstürme versetzen, als der Finne im Saisonfinale sensationell Lewis Hamilton und Fernando Alonso noch verdrängte. Eben dieser Alonso hat seit Anfang 2010 den Räikkönen-Platz in Maranello eingenommen. "Ich bin hoch motiviert", sagt der Spanier, der im vergangenen Jahr eine großartige zweite Saisonhälfte gezeigt hatte.

Alonso konnte mehr Input liefern

"Ich hoffe, dieses Auto ist genauso schnell wie es schön ist", sagt Alonso beim Blick auf den F150. Der zweimalige Formel-1-Weltmeister hat seine Kenntnisse beim Bau des neuen Autos viel besser einbringen können als im Jahr zuvor. Schon während des Jahres 2010 gab er den Technikern in Maranello immer wieder Hinweise zur Verbesserung des Boliden.

Präsident Montezemolo stellt zwar die Stärken beider Piloten deutlich heraus, sobald es aber um das große Ziel Weltmeistertitel geht, fällt plötzlich nur noch der Name Alonso. Eindeutig, dass der italienische Boss alles auf die Karte Alonso setzt - zu groß offenbar die Enttäuschung über Felipe Massas Leistungen im Vorjahr. "Wir sind bereit", stellt Lieblingsfahrer Alonso vor versammelter Mannschaft fest.

Der Ferrari F150 ist in der reichhaltigen Galerie der Formel-1-Fahrzeuge aus Maranello die Nummer 57. Eine große Besonderheit fällt nicht nur im Namen, sondern vor allem beim Blick auf Heck und Seitenleitbleche auf: grün-weiß-rot. 2011 wird das Ferrari-Engagement zur nationalen Mission. 150 Jahre Unabhängigkeit feiert man.

"In Zeiten, in denen jeder gegen jeden arbeitet, brauchen wir ein Zeichen für die Einheit unseres Landes", sagt Montezemolo, der seine politischen Ambitionen und Ansichten nun auch auf die Motorsportbühne trägt. Ob die Landesflagge das Team um einen spanischen und einen brasilianischen Piloten schneller machen kann? Wohl kaum. Eher schon die Ideen des international besetzten Technikerstabs.

Regeln bringen viele Veränderungen

"Wenn du andere Reifen verwendest, dann musst du zahlreiche Aspekte des Autos verändern - zum Beispiel die Gewichtsverteilung, die Aufhängung vorne und hinten, aber auch ein paar aerodynamische Aspekte", beschreibt Designer Nikolas Tombazis sein Werk. Die neuen Regeln haben mächtige Auswirkungen. Neben Reifen, KERS und verstellbarem Heckflügel sind es vor allem die Verbote von F-Schacht und Doppeldiffusor, die Kopfzerbrechen verursachen.

Ferrari geht beim F150 einen neuen Weg. Die Nase des Fahrzeuges wurde weiter nach oben gezogen, insgesamt klafft unter der Front eine riesige Lücke, durch die möglichst viel Luft unter das Auto strömen soll. Nur so kann man den neuen, deutlich beschnittenen Diffusor effizient einsetzen. "Die Hinterradaufhängung ist wirklich innovativ, das gilt auch für den Heckflügel", meint der griechische Fachmann.

Sicher ist allerdings, dass man am Freitag in Maranello nur eine Momentaufnahme des Fahrzeuges gesehen hat. In zwei Stufen soll der F150 für den ersten Renneinsatz weiterentwickelt werden. Als erstes geht es an mechanische Bereiche. "Zum Beispiel etwas beim Heckflügel und das Auspuffsystem", sagt Tombazis. In den letzten Tests wird dann die endgültige Aerodynamik für den Auftakt in Bahrain herausgetüftelt.

"Es gibt neue Konzepte und andere Entwicklungsrichtungen. Rein äußerlich sind diese Veränderungen kaum auszumachen. Das Auto sieht aus wie jenes aus dem Vorjahr, aber technisch gesehen ist es völlig anders", erklärt Technikchef Aldo Costa, der vor allem bei der Neugestaltung des Hecks eher von Revolution anstatt von Evolution spricht. Ein großes Fragezeichen bringen die neuen Pirelli-Reifen, die Costa noch nicht für komplett fertig entwickelt hält.

Es kann nur ein Ziel geben: Weltmeistertitel!

Derzeit läuft der F150 auf den Prüfständen, um eine möglichst gute Zuverlässigkeit vor dem Start in die Testfahrten zu erreichen. Dabei steht vor allem die neue Kombination von KERS und Motor im Fokus. "Es gibt unter anderem eine neue Kurbelwelle und wir mussten das Kühlsystem etwas anpassen", sagt Motorenchef Luca Marmorini. Die Probleme mit der Standfestigkeit der Triebwerke zum Start ins Jahr 2010 brachten weitere Konsequenzen: Man hat an der Ventilpneumatik gearbeitet.

Ferrari war eines der wenigen Teams, das schon 2009 intensiv auf KERS setzte. Entsprechend geht man mit großer Zuversicht an die Rückkehr der Hybridtechnik. Die Ferrari-Lösung wurde in Zusammenarbeit mit Magneti Marelli weiter optimiert, vor allem verkleinert. Genau dies stand bei Marmorini und seinem Team im Vordergrund. Nun geht es an den großen Auftrag. Der italienische Motorenfachmann fühlt sich "verpflichtet und angefeuert".

Ferrari-Präsident Montezemolo hatte nach dem Abu-Dhabi-Debakel mehrfach in Maranello auf den Tisch gehauen und die Techniker in die Pflicht genommen. Das Ergebnis ist der F150, der intern auf die Bezeichnung 662 hört. Optisch fallen die Veränderungen zum Vorjahr gering aus - zumindest auf den ersten Blick. Doch eine genauere Betrachtung bringt neben der enorm hohen Fahrzeugfront weitere Veränderungen zutage.

Die Lufteinlässe sind verkleinert, die Aufhängungsgeometrie am Heck komplett neu. Wegen KERS hat Ferrari die Kühlung komplett umgestaltet, es wurden neue Abluftkanäle platziert und in Zusammenarbeit mit Brembo ein neues Bremssystem entworfen. Ab sofort ist die Gewichtsverteilung vorgeschrieben, das Mindestgewicht der Boliden wurde angehoben, um ein Hauptargument gegen den Einsatz von Hybridtechnik zu eliminieren.

"Es wird eine intensive Saison, genau wie vergangenes Jahr. Ich erwarte, dass viele Teams Grands Prix gewinnen können. Der Wettbewerb wird noch schwieriger und die Unsicherheit damit noch größer", sagt Teamchef Stefano Domenicali, der 2011 zum Titelgewinn verpflichtet ist. "Der F150 wurde mit einer sehr einfachen Zielsetzung entworfen. Das Ziel ist so eindeutig, dass ich es gar nicht formulieren muss - wir müssen es einfach erreichen."

Fotoquelle: xpb.cc

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