Fernando Alonso mit seinem neuen Gefährt: F150 bringt große Hoffnungen

Formel 1 2011

— 28.01.2011

Alonso-Interview: Von Einfluss und Druckaufbau

Ferrari-Superstar Fernando Alonso beschreibt seine Hoffnungen für die neue Saison: Techniker unter Druck, Mutter wegen Bartwuchs unglücklich

Im ersten Jahr bei Ferrari hat sich Fernando Alonso sofort den Status erarbeitet, den sich der Spanier wohl vorgestellt hatte. Ein Sieg gleich zum Auftakt in Bahrain half sicherlich dabei, sich schnell zur Nummer eins im Team zu machen. Knapp scheiterte Alonso im Saisonfinale an Sebastian Vettel. 2011 will er mit dem neuen Ferrari F150 zurückschlagen und sich seine dritte Formel-1-Krone sichern.

Frage: "Fernando, du gehst mit großem Selbstbewusstsein an die Saison 2011. Gibt es in dir keine Zweifel?"
Fernando Alonso: "Nein, keine Zweifel. Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt keinen Grund zu Sorge. Wir gehen nun an den Saisonstart, haben weder allzu hohe Erwartungen noch irgendwelche großen Probleme. Es gibt aber noch viel zu tun."

"Wir haben heute erst den 28. Januar, also sind noch ein paar Tage vom allerersten Testeinsatz entfernt. Er ab dem ersten Test in Valencia wissen wir mehr. Dann schauen wir mal, wo wir mit unserem Auto stehen. Das Auto bei den Tests wird anders sein als jenes beim Saisonstart, ab dem dritten oder vierten Rennen sieht es wieder anders aus, weil wir es stetig entwickeln."

"Das Auto wird sich während der gesamten Saison immer wieder verändern. Es wird ein langes Jahr mit vielen Veränderungen und Entwicklungen. Was nun im Februar passiert, ist langfristig gesehen nicht allzu wichtig. Wir wollen möglichst gut ins Jahr starten, geraten aber ganz sicher niemals in Panik."

Testarbeit ist Teamarbeit

Frage: "Bis zum Saisonstart in Bahrain wird nun auch mit dem neuen verstellbaren Heckflügel experimentiert. Wie siehst du dieses neue Element?"
Alonso: "Es gibt bezüglich des verstellbaren Flügelelements noch einige Verwirrung, viele Ungewissheiten. Man darf es in jeder Runde auf der Geraden verwenden. Möglicherweise kommt es tatsächlich so, dass man als Zweiter oder Dritter im Rennen wirklich mit einem Angriff bis zur letzten Runde warten muss."

"Als Führender musst du eben zusehen, dass du bis zur letzten Kurve niemanden näher als eineinhalb Sekunden an dich heran lässt. Man muss mal abwarten. Ich denke, dass es zu einfach werden könnte. Es wird in diesem Jahr sicherlich etwas komisch sein - vor allem in den ersten Rennen. Vielleicht erleben wir mehr Überholmanöver."

"Ich habe mir das noch nicht genau ausgemalt. Bisher gab es vor allem in Bahrain oft kleine Prozessionen. Wenn man dort zu Dritt hintereinander fuhr, dann musste man für ein Überholmanöver eben ein gewisses Risiko in einer Bremszone eingehen. Jetzt sieht es so aus als ginge ziemlich einfach. Die kommenden eineinhalb Monate werden diesbezüglich viele Erkenntnisse bringen."

Frage: "Wie gehst du die Testphase an? Was machst du an den Tagen, wenn du nicht im Auto sitzt?"
Alonso: "Auch diese Tage sind enorm wichtig - das war auch im vergangenen Jahr schon so. Ich werde es unverändert handhaben. Wenn ich nicht selbst fahre, dann bin ich trotzdem an den Tagen an der Strecke, an welchen Felipe im Auto sitzt. So kann ich die Entwicklungen und die Testergebnisse direkt verfolgen."

"Vielleicht bleibt an meinen Tagen im Cockpit gar nicht die Zeit, all die Dinge auch selbst einmal auszuprobieren. Vielleicht schaffe ich an zwei Tagen gar nicht alles und Felipe muss meine Arbeit dann fortführen. Das gleiche kann beim nächsten Test umgekehrt passieren, wenn Felipe mit der Arbeit beginnt. Dann werde ich eben dort weitermachen, wo er aufgehört hat."

"Die Arbeit bei den Probefahrten muss Hand in Hand gehen. Jede Runde, die Felipe mit dem Auto abspult, wird auch mir und dem gesamten Team helfen. Es geht um gemeinsame Arbeit - um Teamwork. Wir müssen aus den 15 Testtagen das Beste machen und die besten Lösungen herausarbeiten, damit wir für den Saisonstart in Bahrain gut aufgestellt sind."

Knöpfe verderben den Fahrspaß

Frage: "Ihr habt durch die Rückkehr von KERS und die Einführung des verstellbaren Heckflügels nun noch mehr Elemente zu bedienen. Leidet der Fahrspaß darunter?"
Alonso: "Ja, ganz sicher. All diese Dinge machen das Fahren an sich nur schwieriger. Man kann sich das doch wohl ausmalen. Ein solches Auto mit größter Präzision bei maximalem Tempo zu fahren, ist ohnehin schon nicht ganz einfach. Nehmen wir mal zum Beispiel Singapur, wo man absolut präzise sein muss. Wenn man dann auch noch so viele Knöpfe gleichzeitig perfekt bedienen muss, dann wird es nicht einfach."

"An einem Formel-1-Lenkrad sind immer schon viele Schalter und Knöpfe und in diesem Jahr sind es durch KERS und Heckflügel noch zwei mehr. Ganz ehrlich: Mit einem normalen GT-Auto hat man beim Fahren vielleicht mehr Spaß, weil man sich ganz auf das Fahren konzentrieren kann. In der Formel 1 gibt es viel Technologie, viele Abläufe müssen einstudiert werden. Da rückt das reine Fahren etwas in den Hintergrund."

"Aber dennoch: Es gehört nun einmal zu unserem Sport dazu. Jeder Fahrer muss sich damit anfreunden und es so perfektionieren, sodass man beim Einsatz dieser Elemente besser ist als der Gegner. Man muss aus diesen Schwierigkeiten einen eigenen Vorteil ziehen."

Frage: "Was ist mit deinem neuen Bart? Bleibt er dran?"
Alonso: "Nein, ich denke, dass ich den zum Saisonstart wieder abrasiere. Meine Mutter mag mich so nicht gern leiden."

Frage: "2009 haben die Piloten bei der Einführung von KERS alle abgespeckt. Wie ist es in diesem Jahr? Bist du fit?"
Alonso: "Aber ja. Ich bin für den Saisonstart in guter Form, vielleicht auch erst zum zweiten Rennen. Ich habe mit meinem Fitnessprogramm in diesem Jahr etwas später begonnen, erreiche also vielleicht erst in Australien das Maximum. Ich will dafür dann durch den Rest der Saison ein besseres Level bezüglich der Fitness haben."

"Die Vorbereitung war nicht ganz einfach, weil ich jetzt im Januar eine kleine Verletzung am Bein hatte. Die vergangene Woche war sehr trainingsintensiv. Ich habe in Spanien rund 30 Stunden auf dem Rennrad verbracht, außerdem standen Laufen und Schwimmen auf dem Programm. Ich bin fit, mein Gewicht passt auch. In diesem Jahr gibt es ein höheres Mindestgewicht für die Autos. Für uns Fahrer ist es dann sowieso kein Problem mehr."

Die Reifennutzung als Faktor

Frage: "Im neuen Ferrari F150 sitzt der Pilot etwas höher. Wird die Sicht somit besser sein?"
Alonso: "Die gesamte Fahrzeugfront ist im Vergleich zu 2010 etwas höher. Im vergangenen Jahr haben wir kaum die Strecke erkennen können, aber das wird in diesem Jahr nicht großartig anders sein. Wir sitzen höher, das Auto ist höher - also ändert sich insgesamt an der Sicht nur wenig."

Frage: "Noch einmal zurück zum neuen Heckflügel: Wie wird er generell am Wochenende eingesetzt?"
Alonso: "Man darf ihn in den Trainings und im Qualifying frei verwenden. Da muss man erst einmal ein paar Versuche machen. Es kann gut sein, dass man auf der Geraden einige Zehntelsekunden gewinnt, sie dann aber in den Kurven wieder verliert. Was man auch immer im Hinterkopf haben muss ist der Reifenverschleiß."

Frage: "Die neuen Reifen bringen ohnehin neue Herausforderungen, weil sie angeblich recht schnell verschleißen. Werden also Piloten mit einem aggressiven Fahrstil mehr Probleme bekommen?"
Alonso: "Mal sehen. Bisher haben wir nur die Eindrücke von einem einzigen Reifentest in Abu Dhabi. Gut möglich, dass der Reifenverschleiß im Vergleich zum Vorjahr höher sein wird. Es kann sein, dass wir mehr Reifenwechsel einlegen müssen, aber das ist die Pirelli-Strategie und die Teamvereinigung FOTA will das so."

"Wir müssen es erst einmal abwarten. Letztlich liegt so etwas nicht in unserer Hand. Unsere Aufgabe ist es, die Reifen eben nicht allzu sehr zu ruinieren. Wir müssen uns dann eben bezüglich Fahrstil und Setup eventuell etwas anpassen. Es ist doch klar: Wenn ich nur einen Boxenstopp machen muss, dann bin ich meist schneller als jemand, der zweimal stoppen muss. Man müsste schon deutlich schneller fahren, um sich einen Stopp mehr erlauben zu können. Es wird in den Wintertests eine ganz wichtige Aufgabe sein herauszufinden, wie man am besten mit den neuen Reifen umgehen sollte."

Frage: "Nach den Erlebnissen vom Vorjahr: Zählt für dich in diesem Jahr nur der Titel?"
Alonso: "Es liegt ein gewisser Druck auf mir. Ich selbst erwarte auch viel von mir. Ich möchte am liebsten immer ganz vorne fahren. Das war im vergangenen Jahr so, aber auch im Jahr zuvor. Die Motivation ist immer gleich: Ich will Weltmeister werden. Dafür arbeite ich Tag für Tag."

"Ferrari ist das einzige Team, das eine solche Fahrzeugpräsentation in dieser Form auf die Beine stellen kann. Alle anderen Teams kommen erst kurz vor knapp mit ihren neuen Autos nach Valencia, zeigen dort ganz kurz mal ihre Fahrzeuge und gehen dann an die Tests. Ich möchte Ferrari an dieser Stelle mal danken, die an der Tradition der Fahrzeugvorstellung festhalten."

"Es gibt allerdings auch andere leistungsstarke Teams. Darunter zähle ich auch Mercedes, die definitiv schnelle Autos bauen können. McLaren und die amtierenden Weltmeister Red Bull respektieren wir natürlich sehr. Aber natürlich sind wir verpflichtet, den Kampf gegen sie aufzunehmen."

Wenig Zeit für viel Arbeit

Frage: "Wo siehst du die fünf Schlüsselbereiche des neuen Autos?"
Alonso: "Das ist schwierig zu benennen, solange wir das Auto noch nicht getestet haben. Nach dem Valencia-Test werden wir natürlich die positiven Aspekte schon besser herausgearbeitet haben - die verbesserungswürdigen Bereiche natürlich ebenso. Hoffen wir, dass das Auto zuverlässig sein wird, wovon ich aber überzeugt bin."

"Wir haben nur 15 Tage. Das ist wenig Zeit, um den Einsatz von KERS zu optimieren und sich an die neuen Pirelli-Reifen zu gewöhnen. So etwas kann man natürlich nicht schaffen, wenn das Auto alle zwei Runden liegenbleibt. Die Zuverlässigkeit ist also ein Schlüsselbereich. Die Leistungsfähigkeit des Autos wird man ohnehin erst Schritt für Schritt herausarbeiten können."

"Wichtig wird die konstante Weiterentwicklung des Autos. Von Januar bis zum Saisonende im November müssen wir immer wieder neue Feinheiten und Teile entwickeln. Das ist aber die Stärke von Ferrari. Wir müssen uns diese Stärke nur zunutze machen."

Frage: "Du konntest auf die Entwicklung des Vorjahresautos nur wenig Einfluss nehmen. Wie viel konntest du zur Entwicklung des neuen F150 beisteuern? Wie war dein Eindruck, als du das Auto zum ersten Mal gesehen hast?"
Alonso: "Es gibt keinen speziellen Bereich am Auto, auf den ich nun besonderen Einfluss gehabt hätte. Aber ohne Zweifel war es im Januar 2010 so, dass ich in ein Auto steigen musste, das ganz andere Charakteristiken hatte als die Fahrzeuge, die ich davon gefahren war. Der neue Wagen ist eine Weiterentwicklung des 2010er-Boliden."

"Die Ideen, die man anbringt und die Richtung, die man bezüglich der Entwicklung im Verlauf eines Jahres einschlägt, hängen natürlich vom persönlichen Fahrstil ab. Das alles hilft den Designern und Technikern bei der Entwicklung des Autos für das Folgejahr. Das neue Auto ist also im Grunde eine Fortführung in die Richtung, die wir 2010 aufgrund meines Fahrstils eingeschlagen haben."

"Ich bin sicher, dass ich mich im diesjährigen Auto noch wohler fühlen werde, ich noch entschlossener damit umgehen kann. Es wird einfacher für mich werden, weil das Verhalten des Fahrzeuges vorhersehbarer sein wird. Hinzu kommt, dass ich nun alle Leute kenne. Ich kann alle meine Leute beim Namen nennen, was in Bahrain 2010 noch nicht der Fall war. Auch das kann helfen."

"Im vergangenen Jahr hatte ich nicht die Telefonnummern all dieser Leute, nun aber schon. Jetzt rufe ich sie alle zwei Tage an, um sie unter Druck zu setzen. In Valencia sehen wir hoffentlich, dass dieser Druck etwas Positives bewirkt hat. Wenn nicht, dann war es vielleicht die falsche Art von Druck..."

Fotoquelle: Ferrari

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