Luca di Montezemolo erwartet von seiner Mannschaft nur eines: Titelgewinn!

Formel 1 2011

— 29.01.2011

Montezemolo: Zwischen Siegeszwang, Absurdität und Vettel

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo spricht über den gewaltigen Druck auf sein Team, die "absurden" Wege im Technikreglement und einen Vettel-Kontakt

Für Ferrari wird der Titelgewinn 2011 zur Pflichtaufgabe. Bei den Italienern strebt man jedes Jahr nach dem Höchsten, doch selten hat Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo so unmissverständlich klar gemacht, was er sich vorstellt. Der Stachel der späten Niederlage in Abu Dhabi 2010 sitzt noch tief, Siege sollen den anhaltenden Schmerz vertreiben. Im Interview erklärt Montezemolo seine Erwartungen an das Team, die Fahrer und die FIA als Regelhüter.

Frage: "Luca di Montezemolo, sie haben dem Team einen klaren Auftrag erteilt: Ein Auto bauen, das sofort Siege einfahren kann..."
Luca di Montezemolo: "Ja, ganz genau. Ich habe das auf Grundlage der bisher guten Arbeit im Windkanal gemacht. Ich musste dem Team doch ein Ziel vorgeben, das etwas höher liegt als das im Vorjahr erreichte Ergebnis."

Frage: "Machen sie sich sorgen, dass die Formel 1 nun mit viel zu vielen Regeln limitiert wird?"
Montezemolo: "Ich möchte kurz abschweifen zum Thema Teamvereinigung (FOTA), wo nun wieder ein tolles Klima herrscht. Ferrari ist traditionell sehr offen bezüglich einer Zusammenarbeit und wir respektieren die Regeln jederzeit. Wir haben im vergangenen Jahr ohne revolutionäre Änderungen eine intensive Saison mit nicht vorhersagbaren Ergebnissen erlebt."

"Ich bin der Überzeugung, dass wir drei fundamentale Punkte beachten müssen: Erstens ist die Formel 1 heutzutage von der Aerodynamik bestimmt. In den 1970er-Jahren ging es um Motoren und Mechanik, aber nun dreht sich alles um Aerodynamik. Zweitens müssen wir Tests haben. Es ist doch in einem hochtechnisierten Sport wie der Formel 1 vollkommen absurd, nicht zu testen. Nicht nur wegen Entwicklung, sondern auch bezüglich der Sicherheit, falls neue Fahrer hinzu kommen. Die müssen doch üben können."

"Dritter - und damit letzter Punkt: Technologietransfer. Die Formel 1 muss sich mehr und mehr wieder als rollendes Labor aufstellen. Wir müssen die Pionierarbeit bezüglich innovativer Technologien für zukünftigen Serieneinsatz leisten. In diesem Zusammenhang ist KERS für Ferrari als Hersteller sehr wichtig. Das muss in der Formel 1 eine intensive Unterstützung erfahren. Man denke an Formel-1-Getriebe, neue Chassis, Elektronik, flache Unterböden - all die Dinge, die man nun in Sportwagen für die Straße verbaut."

"In der Formel 1 dreht sich immer alles um Kosten und Beständigkeit. Die Formel 1 wird immer hohe Investitionen erfordern. Wer sich so etwas nicht leisten kann, der soll in anderen Serien Rennen fahren. Kostendeckelungen lassen sich einfach umgehen. Wir müssen unseren bisherigen Weg der Kostensenkungen weitergehen und dabei die DNA der Formel 1 erhalten. Wenn wir uns über Einheitsteile auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner treffen müssen, so ist das überhaupt nicht gut."

"Es kann nicht sein, dass alle Motoren für jedermann gleich sind. Natürlich ist die Frage der Kosten eine wichtige, aber man darf dabei doch die Kernstücke dieses Sports nicht außer Acht lassen. Ich bin davon überzeugt, dass man mit der nötigen Gelassenheit und einem entsprechenden Dialog die Formel 1 zu einem Sport machen kann, der noch besser sein wird als er es heute schon ist."

Ferrari und Vierzylinder? Absurd!

Frage: "Wie steht es um die künftigen Vierzylinder-Triebwerke? Kann an dieser Regel noch gerüttelt werden? Bezüglich des neuen Motorenformats möchte Ferrari lieber einen Sechszylinder..."
Montezemolo: "Ja, das stimmt. Ich habe mit Jean Todt (FIA-Präsident; Anm. d. Red.) gesprochen und bin sehr froh, dass das Klima in diesen Diskussionen ein ganz anderes ist als in der Vergangenheit. Wir stellen uns gerade technologischen Herausforderungen wie bei unserem FF ("Ferrari Four"; Zwölfzylinder-Flagschiff der Italiener). Ein Vierzylinder-Motor erscheint mir vor diesem Hintergrund regelrecht absurd. Bei Ferrari denkt man eigentlich nicht einmal über Zehnzylinder nach. Ich bin der Ansicht, dass ein Sechszylinder-Motor der Formel 1 im Gesamtumfeld besser zu Gesicht stehen würde."

Frage: "Der Name F150 und die große italienische Flagge auf dem neuen Auto sind ein klares Signal. Haben sie keine Angst, dadurch womöglich auch Sympathien zu verlieren?"
Montezemolo: "Wir haben in den vergangenen Jahren immer schon die italienische Flagge auf dem Auto gehabt. Ich persönlich war immer schon der Ansicht, dass dies wichtig ist. 2011 zeigen wir uns noch italienischer und wir sind sehr stolz darauf. Wenn wir nach Siegen die italienische Hymne hören dürfen, dann ist das immer sehr emotional."

Es geht mir dabei nicht um Politik, sondern wir konzentrieren uns auf den Sport. Wie viele andere Sportsleute auch, treten wir eben unter italienischer Flagge im Wettbewerb an. Wir freuen uns, die Flagge auf dem Auto zu haben. Es ist ein Symbol für das erfolgreiche Italien, vereint im Sport. Auch für das Gesamtunternehmen ist das ein wichtiges Signal, denn wir leben dies aus vollster Überzeugung."

Frage: "FIAT-Geschäftsführer Sergio Marchionne schließt nicht aus, dass Alfa Romeo wieder in den Motorsport zurückkehrt. Könnte es Synergien mit Ferrari geben?"
Montezemolo: "Bezüglich Alfa halte ich so ziemlich alles für möglich. Ferrari hat seit jeher eine enge Bindung zu dieser sportlichen Marke. Es gibt da viele Möglichkeiten..."

Kontakt zu Vettel: Nur Gratulationen

Frage: "Zurück zur Formel 1 und den Ferrari-Fahrern: Wer profitiert mehr von den Unmstrukturierungen im Team? Fernando Alonso oder Felipe Massa?"
Montezemolo: "Danke für diese Frage, die man mir schon seit 1974 immer wieder stellt, seit den Tagen von Lauda und Regazzoni. Ich habe schon im Dezember gesagt, dass es bei uns keine Revolution gibt. Zwei Punkte waren uns ganz einfach wichtig: Erstens wollten wir nur wenige Leute von außen neu hinzu holen. Nur Leute, die mit ihren speziellen Kompetenzen und ihrer Art zu uns passen. Zweitens wollten wir das Arbeitsumfeld verbessern, indem wir beispielsweise in Aerodynamik und Windkanalversuche investieren."

"Beide Dinge haben auf die Fahrer überhaupt keinen direkten Einfluss. Die Fahrer können Vorschläge machen, können ihr Fahrgefühl beschreiben, Wünsche nach speziellen Setupvarianten äußern. Aber es ist unsere Aufgabe, die Piloten mit dem bestmöglichen Werkzeug auszustatten, dem bestmöglichen Auto. Wir haben die Strukturen in den einzelnen Team angepasst mit dem Ziel, dass Massa sofort ab Saisonstart gut dabei ist und Alonso so weitermachen kann wie im Vorjahr, wo er schon beweisen konnte, dass er der beste Fahrer der Welt ist."

Frage: "In Deutschland gibt es Gerüchte um mögliche Kontakte zu Sebastian Vettel. Ist da etwas dran, oder kommt der nächste Ferrari-Pilot eher aus der hauseigenen Ferrari Driver Academy?"
Montezemolo: "Ich hoffe, dass es einer aus der Driver Academy schafft, denn das würde zwangsläufig bedeuten, dass wir da einen Topstar in den eigenen Reihen hätten. Naturgemäß setzt Ferrari nur Siegfahrer ins Auto. Einen kommenden Piloten hausintern zu haben, ist die Idee hinter der Ferrari Driver Academy. An der Vettel-Sache ist gar nichts dran. Wir haben ihm nur gratuliert zu seiner tollen Saison und dazu, wie er wunderbar vom letzten Saisonrennen in Abu Dhabi profitieren konnte."

Fotoquelle: xpb.cc

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