Michael Schumacher wird von vielen ernster genommen als noch Ende 2010

Formel 1 2011

— 01.02.2011

Schumacher & Brawn: Alte Achse ist optimistisch

Von einem problembehafteten Testauftakt in Valencia lassen sich Superstar Michael Schumacher und Erfolgs-Teamchef Ross Brawn nicht aus der Ruhe bringen

14 WM-Titel und 88 Grand-Prix-Siege haben Michael Schumacher und Ross Brawn zwischen 1994 und 2004 bei Benetton und Ferrari gemeinsam errungen, doch unter Mercedes-Flagge warten die beiden noch auf ihren Durchbruch. Große Hoffnungen setzen sie in den neuen MGP W02, der beim heutigen Testauftakt in Valencia seine Jungfernfahrt erlebte.

Schumachers Debüt im Cockpit verzögerte sich allerdings, weil Nico Rosberg schon nach neun Runden mit einem technischen Defekt ausrollte: Hydraulikleck. "Ein bisschen komisch, denn mit diesem System haben wir auf Prüfständen schon viele Kilometer zurückgelegt. Also haben wir das komplette System ausgetauscht, sodass es jetzt wieder tadellos funktioniert", kommentiert Teamchef Brawn den unerwarteten Schaden.

Insgesamt nur 24 Runden

Erst nach mehrstündiger Reparatur stieg Schumacher ins Cockpit und legte immerhin noch 15 Runden mit seinem neuen Arbeitsgerät zurück. Dementsprechend wenig Aussagekraft besitzen die rund zweieinhalb Sekunden Rückstand, aber genau wie Rosberg, der über "guten Grip in den Haarnadelkurven" berichtete, scheint auch er einen positiven Eindruck gewonnen zu haben: "Interessant, aber kurz" sei der erste Tag gewesen.

"Das Gefühl ist positiv. Morgen haben wir den ersten richtigen Arbeitstag - dann auch hoffentlich mit richtigen Kilometern. Wir hatten gehofft, ein bisschen mehr Runden fahren zu können, aber nach einer langen Winterpause ist es trotzdem immer aufregend, wieder ins Auto zu steigen und zu fahren", so der 42-Jährige, der für 2011 "absolut optimistisch" ist, was Podestplätze angeht - und hinsichtlich der Optik seines Silberpfeils anfügt: "Das Auto sieht wunderschön aus."

Ob er ihm auch vom Fahrstil her besser liegt als das Vorjahresmodell, steht hingegen noch in den Sternen: "Das kann ich nicht beurteilen, denn in der Formel-1-Geschichte hat es noch nie so fundamentale Veränderungen mit den Reifen, den Regeln und so weiter gegeben. Bei so wenigen Runden wie heute möchte ich mich da weder in die eine noch in die andere Richtung festlegen", lehnt sich Schumacher nicht aus dem Fenster hinaus.

Auch Brawn lässt den Verdacht, dass Mercedes über den Winter bewusst in Schumachers und gegen Rosbergs Richtung entwickelt haben könnte, nicht im Raum stehen. "Sehr ähnlich wie der von Nico" sei der Input des siebenfachen Weltmeisters in den vergangenen Monaten gewesen - und überhaupt profitieren beide Mercedes-Piloten davon, wenn das Auto schneller gemacht wird: "Wir kannten ja die Schwachstellen des Autos und wussten, wie wir diese beheben konnten."

Der Testauftakt sei allerdings "frustrierend" gewesen, "aber es waren ja nur die ersten Runden", seufzt der Erfolgs-Teamchef, der sich von so einem kleinen Rückschlag keineswegs entmutigen lässt. Denn aufgrund seiner Erfahrung weiß er, dass der WM-Titel nicht am 1. Februar vergeben wird: "Ich habe schon beides erlebt: Autos, die beim Shakedown fantastisch waren und dann nichts taugten, aber auch klapprige Kisten, die noch zu großartigen Rennautos wurden."

Nicht nur Hydraulikproblem

Der MGP W02 bereitete den Mercedes-Ingenieuren nicht nur wegen des Hydrauliklecks Sorgenfalten: "Wir haben eine lokale Überhitzung festgestellt, die wir beheben müssen. Das werden wir heute Nacht erledigen", berichtet Brawn. Das Hybridsystem KERS soll erst später diese Woche ausprobiert werden und die Versuche mit verschiedenen Überrollbügel-Varianten hätten "keinen großen Unterschied" gemacht, erklärt der Mercedes-Teamchef.

"Nichts Dramatisches" hat er bisher an den Konkurrenzautos erkannt, "aber ich bin mir sicher, dass meine Ingenieure jetzt gerade die ganzen Fotos studieren. Bis Bahrain bringen sowieso noch alle neue Teile." Außerdem gibt der Brite zu Protokoll: "Wir haben ja noch keine Vergleichswerte, also können wir uns nur an uns selbst messen - und da haben wir sehr gute Fortschritte gemacht, was die Struktur, das Gewicht, den Schwerpunkt angeht."

"Wir haben viel von dem Anpressdruck wiedergefunden, der durch das Reglement verloren gegangen ist. Wir sind jetzt als Team eine Einheit, die Fahrer sind bereits im zweiten Jahr - es zeigen einfach viele Wegweiser in die richtige Richtung. Du weißt nie, ob es reicht, aber ich bin zuversichtlich, dass wir uns in den vergangenen sechs Monaten gut entwickelt haben. Die Grundlagen dieses Autos sind viel besser", zeigt sich Brawn zuversichtlich.

An der Qualität der Fahrer bestand teamintern ohnehin nie ein Zweifel: Schumacher ist von Rosbergs Klasse überzeugt, während das Mercedes-Management den routinierten Superstar nach dessen mäßig erfolgreicher Comeback-Saison in Schutz nimmt. Doch eines ist klar: Trotz seiner 42 Jahre gehört Schumacher nach wie vor zu den fittesten Piloten im aktuellen Formel-1-Feld - und das ist keineswegs anders als vor einem Jahr.

Schon damals sei er körperlich in Bestzustand gewesen: "Da hatte ich nicht viel Spielraum, denn diesbezüglich war ich immer auf dem höchsten Niveau", lobt sich Schumacher selbst. "Insofern gibt es da keinen Unterschied zum Vorjahr. Ja, ich war am Saisonbeginn in einigen Bereichen ein bisschen eingerostet. Das ist jetzt aber nicht mehr der Fall, denn ich bin heute ins Auto eingestiegen und kannte sofort alle Bedienfunktionen."

Fotoquelle: xpb.cc

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