Timo Glock verbrachte in Valencia die eine oder andere Minute in der Box

Formel 1 2011

— 03.02.2011

Glock: "Gebt jedem 20 Schuss und fertig"

Timo Glock über den Nachteil, ohne KERS anzutreten und das Potenzial der Pirelli-Reifen - Zum neuen Heckflügel hat der Deutsche seine eigenen Ideen

Das in diesem Jahr offiziell unter den Namen Marussia-Virgin antretende Team rund um Richard Branson hat im russischen Sportwagenmogul Nikolai Formenko nicht nur einen neuen Teilhaber, mit dem Belgier Jerome D'Ambrosio sitzt auch einen neuer Mann im zweiten Cockpit neben Timo Glock.

Anders als einige der direkten Konkurrenzteams, verzichtet man bei Marussia-Virgin aus Kostengründen in diesem Jahr auf den Einsatz von KERS. Nummer-Eins-Pilot Glock macht sich darüber so seine Gedanken und erwartet einen schweren Stand gegen die mit dem Energierückgewinnungssystem ausrückenden Teams: "Der Vorteil von KERS wird schon sehr groß sein, vor allem auf eine Runde gesehen."

KERS ist Vorteil und Nachteil zugleich

Allerdings müsse man die ersten drei, vier Rennen abwarten, um eine erste Standortbestimmung der einzelnen Teams tätigen zu können. Angesichts des vermeintlichen Nachteils lautet die Devise des Deutschen: "Da müssen wir halt gut und einigermaßen stabil sein - und die Rennen beenden. Dann schauen wir mal, welche Probleme die anderen mit KERS haben werden."

Anders als das Hybridsystem, wird der neue vom Reglement vorgeschriebene, verstellbare Heckflügel zwangsläufig auf den Autos des Marussia-Virgin-Teams montiert werden. Red-Bull-Chefdesigner Adrian Newey hatte diesbezüglich bereits seine Bedenken kundgetan, wonach das Überholen vielleicht sogar zu stark erleichtert werden könnte und auch Glock kann sich dieses Szenario durchaus vorstellen: "Ich weiß nicht, ob es dadurch vielleicht sogar zu einfach wird, ich kann das noch nicht einschätzen." Der Odenwälder findet das ganze Thema ohnehin "schwierig" wie er sagt.

"600 Meter vom Scheitelpunkt darf ich es erst nutzen, muss aber unter 1,1 Sekunden hinter dem Gegner sein. Dann werden noch Linien aufgemalt, damit ich gucken kann, ob ich nah genug dran bin - so habe ich das zumindest verstanden", grübelt Glock noch etwas mit den Definitionen der FIA und befürchtet sogar ein "Aufzwingen des Überholens".

Glock trauert den ChampCars nach

Grundsätzlich ist der 28-Jährige von der Idee durchaus angetan, jedoch mag er sich mit der Umsetzung in die Tat noch nicht so recht anfreunden wollen. "Der ganze Schnickschnack mit den 600 Metern und dem Abstand ist mir etwas zu künstlich. Ich könnte mir vorstellen, dass sich der Fan dadurch ein wenig verarscht fühlt und denkt: 'Was machen die denn jetzt da?'" Nach Ansicht des ehemaligen ChampCar-Piloten wäre es der bessere Weg gewesen, das Thema ähnlich wie in der populären, mittlerweile nicht mehr existenten, US-Rennserie zu handeln: "Ich würde einfach sagen: Jeder hat im Rennen 20 Schüsse - und das war's. Dann müsste halt jeder zusehen, wie er damit haushält."

"Bei den ChampCars war das sensationell. Jeder konnte es 60 Sekunden lang verwenden (den sogenannten 'Push-2-Pass-Button'; Anm. d. Red.) und musste es sich selber einteilen", erinnert sich Glock an seine Saison 2005 in Amerika. Genau diese taktischen Möglichkeiten würde er sich auch in der Formel 1 wünschen und bringt ein Beispiel, wie es schon mal nach hinten losgehen kann, wenn man sich das zur Verfügung stehende Kontingent an Extraleistung falsch einteilt: "In Montreal hatte ich damals die Arschkarte gezogen, da ich schon am Anfang alles verballert hatte, dann in Führung war - und am Ende haben sie mich alle von hinten überrollt und ich dachte: 'Du Idiot!'"

Hinsichtlich der Ideen der FIA malt der Marussia-Virgin-Fahrer folgendes Szenario: "Wenn einer im Rückspiegel sieht, dass der hinter ihm nah genug dran ist, um auf den Heckflügel-Knopf zu drücken, dann drückt der vorne auf KERS", womit der Überholvorgang wohl zum Scheitern verurteilt wäre, es sei denn "der hinten drückt auf die Knöpfe für den Heckflügel und KERS - wenn er noch was übrig hat."

Pirelli-Reifen haben Potenzial

Eine weitere Neuerung im Vergleich zum bisher in der Formel 1 Gewohnten stellen die in dieser Saison erstmals von Pirelli gelieferten Reifen dar. In diesem Aspekt sieht Glock durchaus das Potenzial für interessantere Rennen als in der Vergangenheit. "Ich glaube, die Reifen-Nummer kann schon spannend werden", so Glock, der allerdings eingesteht, im Zuge der Valencia-Tests noch nicht wirklich viel über die neuen Mischungen gelernt zu haben, da ihm wie schon so oft in Diensten des Rennstalls von Richard Branson auch in Spanien wieder die Hydraulik schwer zu schaffen gemacht hat.

Fotoquelle: xpb.cc

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