Ein Arbeiter im Fahrerlager: John Booth ist kein typischer Formel-1-Teamchef

Formel 1 2011

— 08.02.2011

Booth: "Man kann nicht einfach aufhören"

Marussia-Virgin-Teamchef John Booth über den harten Kampf des Teams in der Debütsaison: "Ab Valencia sahen wir etwas Licht"

Marussia-Virgin will sich mit neuer Teamstruktur, neuen Möglichkeiten, einem neuen Piloten und dem MVR-02 vom Ende des Formel-1-Starterfeldes nach vorne arbeiten. Die britische Mannschaft, die ab dieser Saison mit russischer Lizenz startet, versprühte bei der Vorstellung des neuen Autos am Montag in London viel Optimismus. Vielen Beteiligten ist klar: Schlimmer als 2010 kann es ohnehin kaum werden.

Das Team hatte im vergangenen Jahr einige große Hindernisse im Weg. Der Tank war zu klein, die Hydraulik zu fragil und der Speed des VR-01 nur phasenweise auf Lotus-Niveau. "Es sah teilweise nach einer unlösbaren Aufgabe aus", gibt Teamchef John Booth zu Protokoll. "Aber wenn man einen Kampf mal begonnen hat, dann kann man nicht einfach aufhören. Man muss weitermachen. Wir sind gut damit umgegangen, haben die Zähne zusammengebissen und geschuftet."

"Ab Valencia haben wir etwas Licht am Ende des Tunnels gesehen", meint der Brite im Rückblick auf das Debütjahr. Virgin hatte sich mit einem Kraftakt solide aufgestellt, die Mechaniker mussten reichlich Nachtschichten einlegen. "Erst in Singapur habe ich wirklich wahrgenommen, dass wir in der Formel 1 angekommen sind", sinniert Booth. "Da war ich richtig stolz." Im zweiten Jahr hat das Team neue Ziele. Man will die ersten WM-Punkte ergattern.

"Heute vor einem Jahr waren wir noch sehr naiv", sagt der Glock-Teamchef. Man habe die Schwierigkeiten in der Formel 1 durchaus unterschätzt. "Und dann wirst du jäh aus den Träumen geholt. Wir haben unendlich viele Lektionen gelernt. Was wir allerdings richtig gemacht hatten, war die Zusammenstellung des Teams. Bis auf ganz wenige Veränderungen sind wir auch in diesem Jahr noch zusammen. Ich bin stolz auf die Entwicklung der Mannschaft, wir wurden immer professioneller."

Booth ist einer der wenigen Teamchefs, die in der Box noch mit anpacken. Dem Briten sind ölverschmierte Hände deutlich lieber as ein Prosecco mit VIP-Gästen in der Teamhospitality. "Die meisten anderen Teamchefs sind zu einer anderen Zeit in den Job gekommen. In den zurückliegenden zehn Jahren ist unanständig viel Geld ausgegeben worden. Aber so ist es nun einmal. Unterschiedliche Leute haben Spaß an unterschiedlichen Dingen."

Der Brite war vor dem Formel-1-Einstieg von Virgin mit dem Manor-Formel-3-Team aktiv - eine komplett andere Welt. "So gesehen hat mich die Formel 1 umgehauen", erklärt Booth. Er habe es lernen müssen, die gesamte Szenerie zu genießen. "Es wäre schlimm gewesen, die Formel 1 eventuell nach einem Jahr wieder zu verlassen, ohne es genossen zu haben. Ich sage nicht, dass wir an Abschied gedacht haben. Nein, wir bleiben für lange Zeit. Aber es ist wichtig, dass man es genießen lernt."

Das Team will sich sportlich nun in Richtung Mittelfeld bewegen. Der Einzug in den zweiten Qualifikationsabschnitt ist das erste Ziel. "Im vergangenen Jahr hatten die sechs Autos der neuen Teams immer einen großen Abstand. Der siebte Pilot, der in Q1 rausflog, war uns immer weit voraus. Dort wollen wir nun hin. Selbst wenn wir den Einzug in Q2 um ein Zehntel verpassen sollten, wäre das eine starke Leistung."

"Es gibt nun keine neuen Teams mehr", sagt Booth, "daher ist es auch nicht mehr gut genug, sich an der Spitze dieser drei Teams zu befinden. Man muss Q2 anpeilen." Während Neuling Jerome D'Ambrosio noch lernen darf, wird von Timo Glock erwartet, die Fortschritte auf der Strecke umzusetzen. "Timo ist ein echter Racer, der sich unglaublich antreibt", lobt der Teamchef. "Er treibt auch mich an, auch das gesamte Team. Das zahlt sich aus. Timo ist gut drauf, er ist heiß und bereit."

Fotoquelle: Marussia-Virgin

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