Sebastian Vettel macht sich wegen des sechsten Platzes heute keine Sorgen

Formel 1 2011

— 12.02.2011

Vettel: "Schwierig einzuschätzen, wo man steht"

Gespräch mit dem Weltmeister: Warum er das Kräfteverhältnis nicht einschätzen kann und was Formel-1-Fahrer mit Schlagzeugern gemeinsam haben

Helmut Marko kündigte nach der ersten Testwoche in Valencia via 'Bild'-Zeitung an, dass sein Red-Bull-Team derzeit alle überrunden würde, wenn jetzt schon Saisonauftakt wäre. Sebastian Vettel lehnt sich hingegen nicht so weit hinaus wie Red Bulls Motorsportkonsulent und tut sich vielmehr schwer damit, das Kräfteverhältnis einzuschätzen.

Der Weltmeister belegte heute in Jerez de la Frontera nur den sechsten Platz, mehr als eine Sekunde hinter Nick Heidfeld (Renault). Allerdings lief der Red-Bull-Renault RB7 zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk und die Longruns waren ebenfalls vielversprechend. Das lässt vermuten: Vettel hat noch bei weitem nicht alles gezeigt, was theoretisch möglich wäre. Im Interview nach dem vorletzten Testtag dieser Woche gibt er sich jedenfalls relativ zugeknöpft...

Zeiten nicht überbewerten

Frage: "Sebastian, darf man dir zu einem guten Testtag hier in Jerez gratulieren?"
Sebastian Vettel: "Es ist ein Test, nicht mehr und nicht weniger. Wir konnten heute einige Runden machen und hatten keine Probleme mit dem Auto, von daher ist alles in Ordnung."

Frage: "Wie hat euer heutiges Programm ausgesehen?"
Vettel: "Die Reifen sind für alle noch sehr neu. Da schaut man, dass man das Auto darauf abstimmt, vor allem auf die Distanz. Manche wollten glaube ich ein paar schnellere Runden fahren, während wir eher ein bisschen länger draußen geblieben sind. Das ist beim Testen ganz normal, da probiert man verschiedene Sachen und schaut, dass das Auto besser liegt, dass man es besser auf sich abstimmt. Es geht hier um die Vorbereitungen auf die kommende Saison."

Frage: "Bist du heute auch schon mit den superweichen und weichen Pirelli-Reifen gefahren?"
Vettel: "Nein. Supersoft nicht, Soft ja."

Frage: "Wie verhalten sie sich?"
Vettel: "Es geht früher oder später irgendwann dahin - und dann rutscht man sehr viel. Das ist genau der kritische Punkt. Man schaut, dass man ein bisschen am Auto arbeitet. Es geht allen so, dass man versucht, so ein bisschen länger zu 'überleben'. Nach spätestens zwei oder drei Runden bauen die Reifen stark ab. Heute haben wir keinen Run über 20 Runden gesehen."

"Es ist wirklich schwierig, die Reifen so lange am Leben zu halten wie vergangenes Jahr, aber das war ja auch so gewollt. Ob die Rennen dadurch anders werden, kann man jetzt noch kaum abschätzen, denn die Autos und vielleicht auch die Reifen werden bis dahin noch Fortschritte machen. Wir sind in der Entwicklungsphase."

Reifen-Härtetests kommen erst noch

Frage: "Heute hatten wir maximal 32 Grad Streckentemperatur. In Bahrain werden es mindestens 45 sein..."
Vettel: "Die Belastung wird durch die höheren Temperaturen natürlich höher. Heute sind wir in Jerez, nächste Woche dann in Barcelona. Dort werden die Belastungen für die Reifen schon etwas höher sein. Wenn wir dann auf richtigen Rennstrecken wie Silverstone und Suzuka fahren, wird das für die Reifen eine echte Herausforderung. Und die Formel 1 fährt meistens im Sommer, also noch dazu bei höheren Streckentemperaturen."

Frage: "KERS und der bewegliche Heckflügel sind auch ein großes Thema. Wie oft hast du diese Features schon eingesetzt und wie zufrieden bist du damit?"
Vettel: "Man gewöhnt sich dran. Es gibt im Cockpit schon einiges zu tun. Man muss immer daran denken und schauen, wo man es einsetzt. Wenn die Reifen abbauen, verändert sich natürlich auch das Fahrverhalten. Darauf muss man ein bisschen reagieren, daher kann man nicht immer gleich den Flügel hochziehen. Aber es klappt soweit alles und das ist zum momentanen Zeitpunkt eigentlich das Wichtigste."

Frage: "Hast du KERS und den beweglichen Heckflügel heute verwendet?"
Vettel: "Ja. Das ist ziemlich offensichtlich, denn man kann den Heckflügel gut sehen, wenn man einem anderen Auto folgt. Auf einmal geht die obere Platte des Heckflügels nach oben, was ganz witzig aussieht. Es ist schwierig, denn die Wirkung ist ähnlich wie im Vorjahr die des F-Schachts. Als Fahrer will man diese natürlich so oft wie möglich nutzen, aber wenn die Reifen nachlassen und das Auto zu rutschen beginnt, ist das nicht mehr überall so einfach."

Frage: "Stimmt es, dass die Flügelplatte in dem Moment wieder nach unten geht, wenn du auf die Bremse steigst?"
Vettel: "Ja. Man kann das entweder mit dem Knopf kontrollieren - oder aber wenn man auf die Bremse steigt, geht der Heckflügel wieder nach unten. Das dauert aber einen Moment, daher versucht man, den Heckflügel schon vor der Kurve in Position zu bringen. Das war beim F-Schacht aber auch nicht anders."

Knöpfe sind Übungssache

Frage: "Und wie steht es mit KERS? Findest du es in der Handhabung einfach?"
Vettel: "Du musst auf das Display schauen, was nicht so einfach ist. Wir hatten vor zwei Jahren einen Test damit, aber seither hatten wir KERS nicht mehr drin. Jetzt ist es wieder da. Es gibt viele Knöpfe im Cockpit. Manchmal drückt man noch die falschen, aber im Endeffekt ist es Übungssache."

"Jemand, der Schlagzeug spielt, hat mit seinen Händen und Beinen ein unterschiedliches Timing, aber der hat das in Fleisch und Blut. Dafür muss man halt üben, aber damit kann man es gut vergleichen. Du kannst ja auch nicht gleich die besten und härtesten Songs spielen, wenn du zum Schlagzeugen anfängst!"

Frage: "Du bist noch jung. Kann dir da deine Videospiel-Erfahrung helfen?"
Vettel: "Ich habe Game-Boy und so weiter gespielt, das war in meiner Generation eine große Sache. Ich weiß nicht, ob es wirklich hilft, aber schaden tut es auch nicht."

Frage: "Kann man im Moment von realistischem Optimismus sprechen, was eure Position im Kräfteverhältnis angeht?"
Vettel: "Ich glaube, es ist unheimlich schwierig, wirklich einzuschätzen, wo man genau steht. Wir wissen zumindest tagsüber nicht genau, wer zu welcher Zeit auf welchen Reifen unterwegs ist und wer was vorhat. Das ist sehr schwierig. Weil die Reifen sehr schnell abbauen, kann man schwer sagen, ob bei einem mehr Benzin im Tank war oder weniger, denn irgendwann schießen die Rundenzeiten so weit in den Himmel, dass sie nicht mehr lesbar sind."

Fotoquelle: xpb.cc

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