Zufrieden: Nick Heidfeld hat sein Bestes gegeben und war äußerst schnell

Formel 1 2011

— 12.02.2011

Heidfeld: "Zufrieden mit meiner Leistung"

Interview mit dem möglichen Kubica-Ersatz: Mit der Tagesbestzeit in Jerez hat Nick Heidfeld möglicherweise sein Ticket für das Renault-Stammcockpit gelöst

Schon vor dem heutigen Tag galt Nick Heidfeld als klarer Favorit auf jenes Renault-Cockpit, auf das Robert Kubica nach seinem schweren Rallye-Unfall vor einer Woche verletzungsbedingt verzichten muss. Mit der Bestzeit in Jerez de la Frontera dürfte "Quick Nick" Teamchef Eric Boullier die Entscheidung nicht schwerer gemacht haben.

Der ehemalige Teamkollege von Kubica bei BMW (2006 bis 2009) unterbot die Referenzzeit von Witali Petrow um mehr als zwei Sekunden und nahm mit Ausnahme von Fernando Alonso allen anderen Verfolgern mehr als eine halbe Sekunde ab. Hinzu kam, dass er sich nicht den geringsten Fehler leistete und bereits versuchte, sich aktiv in die Weiterentwicklung des innovativen R31 einzubringen. Nach der Session stellte er sich im Fahrerlager den Fragen der versammelten Journalisten.

Maximale Leistung abgerufen

Frage: "Nick, bist du zufrieden damit, wie es heute gelaufen ist?"
Nick Heidfeld: "Ja, ich bin zufrieden. Nicht nur mit der Position, denn die hängt von verschiedenen Faktoren ab, aber mit meiner Leistung. Ich glaube nicht, dass ich etwas besser hätte machen können."

Frage: "Hat es gereicht, um das Team davon zu überzeugen, dir das Cockpit zu geben?"
Heidfeld: "Ich hoffe es. Ich habe mein Bestes gegeben und keine Fehler gemacht. Ich glaube, ich habe ihnen dabei geholfen, das Auto zu verstehen und Richtung zu geben. Das war auch während des heutigen Tages hilfreich. Aber eigentlich sollte man diese Frage Eric stellen."

Frage: "Wie ist dein erster Eindruck vom Auto?"
Heidfeld: "Unmöglich zu sagen, wo wir stehen. Am Vormittag war die Balance schlecht, aber das war ja auch mein erstes Mal im Auto. Die Ingenieure haben gute Arbeit geleistet und das verbessert. Wir hatten für einen Tag nicht sehr viel zu tun, aber das Auto fühlt sich jetzt schon anders an als am Vormittag, passt besser zu meinem Fahrstil. Es ist noch nicht ideal - ich hoffe, dass da noch viel mehr kommt -, aber es ist eine gute Basis."

Frage: "Wie erging es dir mit KERS und dem beweglichen Heckflügel?"
Heidfeld: "Im Vorjahr haben die meisten GPDA-Fahrer gesagt, dass es zu viel werden könnte. Als ich nicht selbst im Auto saß, dachte ich mir, es sind ja nur zwei Knöpfe. Wenn du aber fährst, musst du dich gleichzeitig um ziemlich viele Dinge kümmern. Es ist nicht einfach. Erschwerend kam hinzu. dass ich nicht alle Schaltwippen und Hebel erreichen konnte, weil meine Hände genauso klein sind wie mein Körper! Aber das kann man ja ändern. Es ist nicht einfach, aber man gewöhnt sich sicher daran."

Renault-KERS besser als BMW

Frage: "Wie war besonders KERS?"
Heidfeld: "Ich denke, wir haben da eine gute Basis. Ein bisschen haben wir heute daran gearbeitet. Die Tatsache, dass ich KERS schon bei BMW verwendet habe, hat geholfen. Ich habe ein bisschen Erfahrung damit und weiß daher ungefähr, wie es sich anfühlen soll und wie nicht. Wir haben ein paar Dinge ausprobiert und ich würde nicht sagen, dass wir da ein Problem haben. Es geht nur um ein bisschen Feintunung. Die Basis ist gut - sicher besser als beim BMW-System von 2009. Das habe ich nicht wirklich gemocht."

Frage: "Was ist das Schwierigste für einen Fahrer, wenn er erstmals in einem neuen Auto sitzt?"
Heidfeld: "Sich ans Feedback zu gewöhnen. Am Anfang kommst du dir vor, als würdest du auf dem Auto sitzen, denn es passiert irgendetwas und du rechnest nicht damit und weißt nicht, wie du darauf reagieren sollst. Nach und nach fühlst du dich dann eins mit dem Auto. Langsam kapierst du, was passieren könnte und wie man darauf reagieren muss. Das braucht halt ein bisschen Zeit."

Frage: "Wie sehr sind die Reifen anders geworden, seit du das letzte Mal für Pirelli getestet hast?"
Heidfeld: "Schwer zu sagen, weil es ein anderes Auto ist. Ich habe den Großteil der Arbeit an der Konstruktion gemacht, aber kaum an den Mischungen. Die haben sich stark verändert. Ich habe gehört, dass es kleine Aufwärmprobleme gibt, was damals nie der Fall war, als ich getestet habe. Wahrscheinlich haben sie das Betriebsfenster schmaler gemacht, was gut ist, denn dadurch holt man mehr Grip aus den Reifen raus. Sie verschleißen relativ schnell, aber hoffentlich werden dadurch die Rennen spannender."

Frage: "Deine schnellsten Zeiten bist du am Beginn von Zehn-Runden-Runs gefahren. Wie war der Verschleiß da?"
Heidfeld: "Nicht so schlimm. Als ich gestern zugeschaut habe, kam mir der Verschleiß ziemlich übel vor, aber ich hatte das Gefühl, dass ich damit nicht so arge Probleme hatte wie so manch anderer."

Problematische Pirelli-Reifen

Frage: "Hast du alle vier Reifentypen ausprobiert?"
Heidfeld: "Ja. Aber ich werde euch nicht sagen, mit welchem ich die Bestzeit geschafft habe."

Frage: "Wir haben gesehen, dass einige Fahrer nach einer Runde vom Gas gehen und dann wieder schneller machen. Hat das mit den Reifen zu tun?"
Heidfeld: "Ich weiß nicht, was die anderen gemacht haben, aber normalerweise reduziert es den Verschleiß, wenn du eine Runde fährst und die Reifen dann stabilisierst. Es ist aber nicht mehr wie früher. Der Verschleiß kann auf diese Weise eingebremst werden, aber nicht um viel."

Frage: "Kannst du mit diesen Reifen 25 Runden lang pushen?"
Heidfeld: "Das hängt von der Benzinmenge ab. Wenn du mehr Benzin an Bord hast, wird das die Reifen stärker strapazieren. Wir wollten einen Longrun fahren, aber leider wurde der von zwei roten Flaggen unterbrochen. Wir hatten genau 25 Runden vor. Das wäre interessant gewesen."

Frage: "Hast du schon Ideen für die Entwicklungsrichtung, die es mit diesem Auto einzuschlagen gilt?"
Heidfeld: "Ja. Wir haben heute schon damit begonnen, das Auto zu verbessern, Richtungen zu finden, Probleme zu lokalisieren, Stärken zu entdecken. Natürlich habe ich heute versucht, mein Bestes zu geben, damit ich auch in Zukunft fahren kann, aber ich habe mich auch bemüht, dabei zu helfen, das Auto weiterzuentwickeln. Wenn ich schon vorher gewusst hätte, ob ich bleiben darf, hätte das keinen großen Unterschied gemacht."

Noch keine endgültige Entscheidung

Frage: "Rechnest du noch heute Nacht mit einer Antwort von Renault?"
Heidfeld: "Das weiß ich nicht, darüber haben wir noch nicht gesprochen. Ich habe mich nur auf heute konzentriert, denn darauf kam es an. Wenn du daran denkst, was sie dir nach dem Test sagen werden, lenkt das nur ab. So etwas raubt Konzentration."

Frage: "Wie geht es dir körperlich?"
Heidfeld: "Ich bin gut in Form. Über den Winter habe ich normal weitertrainiert, auch wenn schon seit einiger Zeit klar war, dass es kein passendes Cockpit für mich gibt. Aber wir haben wieder um einen Ersatzfahrer-Vertrag verhandelt. Ich weiß nicht, wie viele Runden ich heute gefahren bin - mehr als 80, glaube ich (86; Anm. d. Red.) -, aber das fiel mir ganz leicht. Ich fühle mich gut. Andererseits kann ich noch mehr an mir arbeiten, sobald ich weiß, dass ich die ganze Saison fahren darf, was hoffentlich bald der Fall sein wird. Das ist etwas anderes, als Test- oder Ersatzfahrer zu sein, denn dann bist du viel motivierter."

Frage: "Robert Kubica war in Valencia Schnellster, du heute. Bedeutet das, dass das Auto zumindest nicht so schlecht sein kann?"
Heidfeld: "Es bedeutet, dass das Auto keine Scheiße ist, aber mehr auch nicht. Die meisten Jungs könnten heute vorne stehen, wenn sie Benzin rausgenommen und die weichen Reifen draufgemacht hätten. Aber stimmt schon, es ist kein schlechtes Zeichen."

Frage: "Wirst du morgen fahren?"
Heidfeld: "Nein, Bruno Senna wird morgen den ganzen Tag fahren."

Fotoquelle: xpb.cc

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