Keine großartigen Experimente: Teamchef Horner und Designchef Newey

Formel 1 2011

— 14.02.2011

Red Bull: Mit konventionellen Mitteln in die Saison

Untypisch: Während viele Teams mit neuen Innovationen testen, geht Adrian Newey den gemäßigten Weg - Wie die Champions auftrumpfen wollen

Nach dem doppelten Titelgewinn 2010 geht Red Bull als großer Favorit in die neue Formel-1-Saison. Die Mannschaft um Sebastian Vettel und Mark Webber hat über den Winter hart, aber mit der nötigen Gelassenheit gearbeitet. Die Entwickler um Designchef Adrian Newey konnten den schnellen RB6 aus dem Vorjahr als Basis verwenden. Mit vielen Verbesserungen im Detail soll der neue RB7 die Titelverteidigung ermöglichen.

"Es war der beste Testauftakt, den wir jemals hatten", jubelt Teamchef Christian Horner gegenüber 'Autosport'. Red Bull stieg in diesem Jahr schon zum ersten Test in Valencia ein. Der Wagen lief auf Anhieb zuverlässig und schnell. "Die marschieren schon wieder", analysierte Force-India-Ersatzpilot Nico Hülkenberg bereits nach wenigen Testtagen.

"Angesichts der kurzen Produktionszeit ist es erstaunlich, dass wir solch problemlose Fahrten erleben durften", meint Horner. Immerhin hatte sich sein Team bis zum letzten Grand Prix des Vorjahres im Titelkampf aufgerieben. "Gute Planung ist alles. Man muss sich die vorhandenen Ressourcen anschauen, dann entsprechende Deadlines setzen. Anschließend müssen alle Vollgas geben, damit diese Termine eingehalten werden."

"Wenn wir es im vergangenen Jahr nicht gepackt hätten, dann wäre der Druck nun enorm, es dieses Jahr schaffen zu müssen. Die Erfolge von 2010 kann uns niemand mehr nehmen, die stehen nun so im Geschichtsbuch", sagt der Teamchef. Dennoch ist die Belastung da. Die Erwartungen an Red Bull sind weiter gestiegen. "Nun als Titelverteidiger in die neue Saison gehen zu dürfen, ist ohne jeden Zweifel eine tolle Sache. Aber natürlich gibt es auch Druck."

Was kommt nach dem Erfolgsjahr?

"Wenn man zurückblickt, dann erkennt man, dass die Titelverteidigung oft nicht gelungen ist. Das war bei Brawn so, bei Ferrari zuvor", mahnt Horner. Die vergangenen beiden Jahre könnten jedoch die Ausnahme gewesen sein. In den Jahren zuvor gab es oft dominierende Phasen eines Teams. "Wir haben alles getan, um eine Formschwäche zu vermeiden. Wir haben bezüglich des neuen Autos großen Aufwand betrieben. Ob es reicht, wird sich dann mit der Zeit zeigen."

Red Bull musste in der zweiten Saisonhälfte 2010 einen großen Spagat schaffen. Die Entwicklung am RB6 lief ungebremst weiter, gleichzeitig musste das Nachfolgemodell vorbereitet werden. "Wir haben das gut hinbekommen. Die Lektionen, die wir mit dem RB6 und zuvor mit dem RB5 gelernt haben, sind direkt in die Entwicklung des RB7 eingeflossen", sagt Horner. Konsequenz: Ohne Experimente hatte man zum Teststart 2011 ein solides Auto.

"Den ersten Test konnten wir gut dafür nutzen, uns mit den neuen Pirellis und den neuen Regeln vertraut zu machen", sagt der Teamchef. "Die Neuerungen in diesem Jahr sind sehr weitreichend. In solchen Phasen besteht immer die Chance, dass sich jemand einen großen Vorteil verschafft. Aber man sollte nicht vergessen, dass wir zum Start ins vergangene Jahr mit dem Tankverbot auch eine wichtige Regeländerung hatten."

Das Designteam um Technikstar Newey hat sich in den vergangenen Jahren oft durch grenzwertige Entwicklungen hervorgetan. In der vergangenen Saison wurde beispielsweise heftig über die angeblich zu flexiblen Frontflügel des Teams diskutiert. "Als wir 2010 mit dem RB6 kamen, haben viele gesagt, das Auto sei nur eine langweilige Weiterentwicklung des RB5. Aber der Wagen war dominant. Der RB7 soll diesen Trend möglichst fortsetzen. Es kommen noch weitere Entwicklungen, denn wir stehen jetzt erst am Anfang."

Entwicklung: Red Bull hält sich zurück - noch

Red Bull lässt anderen Teams bezüglich sichtbarer Innovationen zunächst den Vortritt. Aus einer sicheren Position heraus hat man sich in eine Art Beobachterrolle begeben. "Es ist interessant zu sehen, was die Konkurrenz mit den Auspuffsystemen ausprobiert", sagt Horner. "Plötzlich gibt es die verschiedensten Lösungen. Das ist interessant und herausfordernd zugleich. Alle Teams schauen sich verschiedene Wege an. Wir wirken im Moment vielleicht etwas konventionell."

Dass sich die Briten zunächst etwas zurückhalten, ist durchaus verständlich. Die Basis mit dem RB7 stimmt, es gibt andere Baustellen. Beispiel: KERS. "Wir haben KERS vor zwei Jahren in Valencia erfolgreich ausprobiert, aber wegen des zusätzlichen Gewichts und anderer Faktoren haben wir uns damals dagegen entschieden. Wir haben gewisse Erfahrungen, verlassen uns aber gleichzeitig auf Zulieferer, denn wir sind keine KERS-Spezialisten. Wir arbeiten eng mit Renault zusammen."

"Die Renault-Ressourcen sind aber begrenzt. Man kann davon ausgehen, dass unser System wahrscheinlich etwas schwerer ist als jenes von Mercedes", sagt Horner. Der Nachteil halte sich aber in Grenzen. Die Leistung des Systems sei ohnehin reglementiert, durch das erhöhte Minimalgewicht gibt es kaum noch Gegenargumente. "Wir haben intensiv an der optimalen Integration des Systems gearbeitet. KERS hat seinen Platz im Auto bei fast allen - wenn nicht sogar allen - Grands Prix verdient."

Bei den aktuellen Testfahrten vor dem Start in die neue Saison bereiten sich die Piloten auf das große Spiel mit den kleinen Knöpfen vor. Vettel und Webber müssen sich an den verstellbaren Heckflügel und an KERS gewöhnen. 2011 geht der Deutsche als Titelverteidiger und Favorit auf die Bahn. "Er hat sich von der Last der hohen Erwartungen befreit. Er ist nun jüngster Weltmeister aller Zeiten. Sein Selbstvertrauen wird dadurch noch höher sein", sagt der Teamchef.

Auch 2011: Vettel vs. Webber

"Seine Entwicklung als Fahrer geht mit dem Sammeln weiterer Erfahrungen natürlich noch weiter. Das Beste kommt erst noch. Er hatte Ende der Saison 2010 eine unglaublich gute Form. Ich bin sicher, dass er diese Form ins neue Jahr hinüber retten kann", meint Horner. Aber der 37-jährige Brite hält nach wie vor auch große Stücke auf den teaminternen Vettel-Konkurrenten. "Man sollte Mark Webber niemals abschreiben, das wäre dumm. "

Der Australier hatte die Niederlage 2010 mit Größe getragen, sich in der Öffentlichkeit als fairer Sportsmann dargestellt. Doch innerlich musste Webber den Vettel-Triumph verarbeiten. Er reiste in seine Heimat, suchte in Australien die nötige Ruhe. "Er hat sich zurückgezogen", sagt der Red-Bull-Teamchef. "Nun ist er wieder da: fokussiert, entspannt und fit. Er hat sich hohe Ziele gesetzt. Man sieht ihn als Underdog, aber genau diese Lage will er ausnützen."

Auch in der neuen Saison muss man also damit rechnen, dass sich die beiden Red-Bull-Piloten einen harten Kampf liefern werden. Dieses Duell soll allerdings nicht derart ausufern wie im Jahr zuvor. "Man lernt immer hinzu. Das ist das Schöne an der Formel 1. Es ist eine nie fortwährende Entdeckungsreise", lacht Horner. "Wichtig ist, dass wir beiden Piloten das bestmögliche Material geben. Im vergangenen Jahr fiel die Entscheidung zwischen den beiden aufgrund ihres Verhaltens auf der Strecke."

"Mark war im vergangenen Mai in Topform. Wenn man die Rennen in Barcelona und Monaco nimmt, dann war er unglaublich stark. Wenn er diese Form wiederfindet, dann wird er kaum zu schlagen sein", macht Horner dem Australier Mut. "Im Moment ist die Stimmung zwischen den beiden entspannt. Aber wenn in Bahrain zum ersten Training die Visiere herunter geklappt werden, dann zählt es wieder. Die beiden werden sich gegenseitig zu Topleistungen antreiben. Im vergangenen Jahr in Istanbul ging das zu weit, aber daraus haben beide gelernt."

Fotoquelle: xpb.cc

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